Eine Fahrt mit Muskelkraft für die Freundschaft. So könnte man das Vorhaben von Dario Aemisegger kurz und treffend beschreiben. Und dennoch ist der Schweizer froh, endlich wieder festen Boden unter den schmerzenden Füßen zu haben. „Es ist doch schön, wieder in Rorschach zu sein“, kommt es ihm über die Lippen, als Aemisegger in den Hafen der Schweizer Kleinstadt am Bodensee einfährt.

Einfahrt in den Rorschacher Hafen, dem Start- und Zielpunkt der Dreiländerfahrt.
Einfahrt in den Rorschacher Hafen, dem Start- und Zielpunkt der Dreiländerfahrt. | Bild: Rolf Hohl

Er, 43 Jahre alt, beruflich Festival-Organisator, ist bekannt geworden als Stand-up-Paddler mit Drang zur Herausforderung. Das hat er auch an diesem Dienstag wieder unter Beweis gestellt mit der Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt schon 43,8 Kilometer Seeweg hinter ihm liegen.

Kurz vor halb 10 Uhr morgens kommt der Freizeitsportler bereits in Lindau an, um direkt Kurs auf Bregenz zu nehmen.
Kurz vor halb 10 Uhr morgens kommt der Freizeitsportler bereits in Lindau an, um direkt Kurs auf Bregenz zu nehmen. | Bild: Rolf Hohl

Es ist die Distanz von Rorschach zur Inselstadt Lindau, weiter ins österreichische Bregenz und von da an der Rheinmündung vorbei wieder nach Rorschach. Die Strecke ist zwar kürzer als die 65 Kilometer lange Längsdurchquerung des Bodensees von Bodmann nach Bregenz, die Aemisegger im vergangenen Jahr auf dem Stand-up-Paddling-Brett zurückgelegt hat.

Aber es ging ihm diesmal auch um etwas anderes: „Als während dem Lockdown die Grenzen geschlossen waren, hat das den Menschen hier in der Region wieder deutlich gemacht, wie wichtig die Freundschaft zu unseren Nachbarn ist. Dafür wollte ich heute ein Zeichen setzen“, erklärt der Freizeitsportler.

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Lange Zeit war jedoch ungewiss, ob das Wetter diesem Unterfangen wohlgesonnen sein würde. Dieses hat auf dem See die unangenehme Eigenschaft, innerhalb von Minuten allerlei Pläne und Stand-up-Paddler über den Haufen werfen zu können. „Wir haben das Wetter schon mehrere Wochen beobachtet und die Vorhersagen analysiert, bevor wir gestern definitiv sagen konnten, dass wir heute starten können“, so Aemisegger.

Die Crew des Begleitboots lässt den 43-Jährigen auf seiner Fahrt nicht aus den Augen.
Die Crew des Begleitboots lässt den 43-Jährigen auf seiner Fahrt nicht aus den Augen. | Bild: Rolf Hohl

Neben ihm fuhr auf der gesamten Strecke auch ein Begleitboot mit seiner Crew mit, die schon bei der Planung involviert war. Tatsächlich waren für den Tag des Rekordversuchs einige Gewitter vorhergesagt, die aber an der geplanten Route vorbeigezogen sind.

Überraschungsbesuch von Lindau Tourismus vor dem Hafen der Inselstadt. Als Geschenk gibt es einen Regenschirm und Brezeln.
Überraschungsbesuch von Lindau Tourismus vor dem Hafen der Inselstadt. Als Geschenk gibt es einen Regenschirm und Brezeln. | Bild: Rolf Hohl

Stattdessen kam es auf See zu anderlei Begegnungen. Vor Lindau etwa gab es ein kleines Frühstück für die Crew und einen Regenschirm als Geschenk von Lindau Tourismus. Und auf dem Rückweg von Bregenz nach Rorschach sorgten Gegenwind und Wellen dafür, dass dieser Seequerung auf den letzten Kilometern noch einiges an Kraft kostete.

Das weiße Kornhaus ist das Wahrzeichen Rorschachs und dient auf den letzten Kilometern als weit sichtbare Wegmarke.
Das weiße Kornhaus ist das Wahrzeichen Rorschachs und dient auf den letzten Kilometern als weit sichtbare Wegmarke. | Bild: Rolf Hohl

Am Ende kommt er nach 6 Stunden und 39 Minuten wieder im Rorschacher Hafen an, wo er um sieben Uhr in der Früh losgefahren war. Dort warten bereits seine Frau Irene, seine beiden Kinder und viele Freunde auf Aemisegger, um ihn nach der geglückten Fahrt in Empfang zu nehmen.

Immer wieder springt Aemisegger zum Ausruhen kurz ins Wasser, viel Zeit für Erholung bleibt aber nicht.
Immer wieder springt Aemisegger zum Ausruhen kurz ins Wasser, viel Zeit für Erholung bleibt aber nicht. | Bild: Rolf Hohl

Zweifel, dass er diese Route nicht schaffen würde, seien ihm nicht gekommen, sagt er. „Die Fahrt im vergangenen Jahr hat mir Sicherheit gegeben. Damals war die Strecke wesentlich länger und es waren mit teilweise mehr als 30 Grad auch schwierigere Bedingungen.“ Nur die Füße schmerzten nun nach fast sieben Stunden auf dem Brett, sagt Aemisegger.

Nach knapp sieben Stunden hat Dario Aemisegger wieder festen Boden unter den schmerzenden Füßen.
Nach knapp sieben Stunden hat Dario Aemisegger wieder festen Boden unter den schmerzenden Füßen. | Bild: Rolf Hohl

Sein nächstes Ziel jedenfalls steht für ihn schon fest: „Der Liegestuhl.“ Die Linien seien jetzt gezogen, nachdem er den Bodensee einmal in seiner ganzen Länge und gleich doppelt in der Breite durchquert hat. „Jetzt“, so fügt er hinzu, „können gerne Leute aus aller Welt hierherkommen und zeigen, dass es auch noch schneller geht“

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