Biblische Themen in Bronze gegossen: Das Hauptportal des Villinger Münsters ist eine ausdrucksstarke Arbeit von Klaus Ringwald. Bilder: Dreher (3), Simon
Biblische Themen in Bronze gegossen: Das Hauptportal des Villinger Münsters ist eine ausdrucksstarke Arbeit von Klaus Ringwald. Bilder: Dreher (3), Simon | Bild: Bilder: Dreher (3), Simon

Unsterblichkeit ist ein Wunsch vieler Künstler – und Klaus Ringwald hat schon zu Lebzeiten in dieser Richtung etwas vorgesorgt. In unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Atelier wird derzeit nach Überwindung einiger rechtlicher Hürden ein Museum in seinem Heimatort Schonach gebaut.

Für die Umsetzung des Vorhabens hat der mit dem Titel Ehrenprofessor ausgezeichnete Künstler vor drei Jahren eigens eine Stiftung gegründet. Stiftungszweck der Klaus-Ringwald-Stiftung ist die Erhaltung, die Pflege und die weitere Verbreitung des künstlerischen Lebenswerks des Stifters. Die Stiftung ist Besitzerin des Gesamtwerks, sorgt dafür, dass der Bestand zusammenbleibt und als solcher präsentiert wird.

Auch mit dem Wahl des Materials hat Ringwald für eine langanhaltende Wirkung vorgesorgt. Die Bronzen werden noch viele Generationen zur Auseinandersetzung anregen.

Ringwalds künstlerisches Lebenswerk umfasst drei Schwerpunkte, mit denen sich der Bildhauer national und international einen Namen gemacht hat. Neben seinen Tiergestalten, die oftmals schalkhaft wirken, widmete er sich dem Porträtieren von deutschen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche sowie Personen aus seinem persönlichen Umfeld.

Dritter Schwerpunkt seines Schaffens sind Arbeiten im sakralen und im öffentlichen Raum. So etwa die große Christus-Figur am Pilgrims Gate der Canterbury Cathedral, Kirchen-Chorräume in Singen und Staufen oder den Chorraum der Mannheimer Jesuitenkirche.

In der Region bekannt ist Ringwald vor allem für die Gestaltung der Villinger Münsterportale und des Münsterbrunnens.

Seine Arbeiten sorgten immer wieder für Kontroversen. Wie beispielsweise der im Jahr 2000 fertiggestellte Brunnen in der Hechinger Innenstadt, auf denen in typischer Ringwaldscher Weise Szenen der Stadtgeschichte reflektiert werden. Unter anderem ist die Vertreibung von Hechinger Juden durch Nationalsozialisten dargestellt.

Eine der Nazi-Figuren trug jedoch deutlich erkennbar die Gesichtszüge eines Hechinger Stadtrats, der zuvor im Gemeinderat als schärfster Gegner des Brunnenprojekts aufgetreten war. Nach zweijährigem Rechtsstreit mussten die Gesichtszüge des Diffamierten vom Brunnen abgeschliffen werden.

Das war nicht das erste Mal, dass der streitbare Künstler, der so gerne mit offenem Visier gekämpft hat, der selbsternannte Prophet, der offenbar nirgends weniger galt als in der der Heimat, und der sich nie gescheut hat, die Dinge beim Namen zu nennen, selbst wenn es jeglicher Grundlage entbehrte, seine Meinung öffentlich korrigieren musste.

Der Meister der Bronzebüsten und der Meister des verbalen Austeilens hatte sich doch so auf die Ausstellung zu seinem 60. Geburtstag im Villinger Franziskanermuseum gefreut und auf den parallel dazu erschienenen Bildband „Menschenbilder – Klaus Ringwald der Porträtist“. Die Ausstellung, in der „Köpfe und Viecher unseres Landes“ zu sehen waren, war durchaus gelungen, die Vernissage inklusive der Medienbeschimpfung auch.

Aber der aufwändige Katalog barg doch einiges zu viel an Konfliktpotenzial. In einem unter dem Thema „Deuter und Psychologe“ verfassten Textbeitrag zu einer Büste eines damals schon verstorbenen Unternehmers aus St. Georgen hatte sich der Autor im Einverständnis des Künstlers doch zu weit hinaus gelehnt.

Nur wenige Exemplare mit den höchst beleidigenden Textpassagen kamen in Umlauf. In der Restauflage wurden die beanstandeten Textstellen ersatzlos gestrichen. Was blieb, waren die Fotografien der markanten Büste, bei der sich Ringwald wahrlich als begnadeter Porträtist zeigte.

Ob nun Hermann Prey, Pater Rupert Mayer, Kammersänger Fischer-Dieskau, Ministerpräsident Lothar Späth, der von ihm hoch verehrte Nachkriegspolitiker Carlo Schmid oder Familienangehörige wie die Kinder und die Mutter Modell saßen: Ringwald legte in seinen prägnanten Menschenbildern stets das Wesentliche des Porträtierten offen.

Ob nun Mensch oder Tier, sakral oder profan, für den privaten Bereich oder für den öffentlichen Raum gedacht: Die Werke sind mehr als bloße Abbildung der Realität, zeigen Individualität statt Beliebigkeit, Meinung statt Anpassung.

So haben die Arbeiten des unangepassten Bildhauers mit seinen Ecken und Kanten oft genug für hitzige Diskussionen gesorgt. Und werden es auch nach seinem Ableben weiterhin tun.

Klaus Ringwald bei der Übergabe seiner Münsterportale-Modelle im Franziskanermuseum VS-Villingen im Juni 2005.
Klaus Ringwald bei der Übergabe seiner Münsterportale-Modelle im Franziskanermuseum VS-Villingen im Juni 2005.
Der Brunnen in VS-Villingen zeigt mittig eine Büste von Alt-OB Gerhard Gebauer, ein Beispiel für Ringwalds Porträtkunst.
Der Brunnen in VS-Villingen zeigt mittig eine Büste von Alt-OB Gerhard Gebauer, ein Beispiel für Ringwalds Porträtkunst.
Die Geburt Christi im Stall zu Betlehem: ein Detail vom Villinger Münsterportal.
Die Geburt Christi im Stall zu Betlehem: ein Detail vom Villinger Münsterportal.