Heutzutage bildet die Strahlentherapie neben der Operation und der medikamentösen Therapie eine der drei Säulen in der Behandlung von bösartigen Tumoren. Die Technologie in der Strahlentherapie hat regelmäßig umwälzende Verbesserungen erfahren. So wurden ab ca. 1960 die Bestrahlungen individuell am Computer geplant, ab 1980 lösten klinische Linearbeschleuniger die veralteten Cobalt-Geräte ab, und seit der Jahrtausendwende gibt es Vielblattkollimatoren (engl. multi leaf collimator, MLC), die die Strahlenintensität innerhalb des Strahlquerschnitts modulieren können - wie eine kleine Gebirgslandschaft - und so die Ära der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) einläuteten.

Klassische IMRT-Behandlungen werden mit L-förmig konstruierten Bestrahlungsgeräten durchgeführt. Der schwere Strahlerkopf fährt langsam diskrete Winkel um den Patienten herum an und gibt aus jeder Richtung jeweils eine Strahlenportion ab.

Die aktuelle Neuerung heißt intensitätsmodulierte Rotationsbestrahlung. Dabei stoppt der Strahlerkopf nicht, sondern kreist kontinuierlich um den Patienten und nutzt die ganze 360° Rotation als Therapiezeit. Gleichzeitig verändern sich ständig Querschnitt und Intensitätslandschaft des Strahls. Dadurch wird der Tumor bestmöglich getroffen und gleichzeitig das umliegende gesunde Gewebe noch besser geschont. Zusätzlich verkürzt sich die Liegezeit für die Patienten erheblich.

Die neuen Geräte haben sich entsprechend gewandelt und ähneln eher einem Ring oder “Donut”, fast wie ein Computertomograph (CT) aus der diagnostischen Radiologie. Und tatsächlich ist in solchen Bestrahlungsmaschinen auch ein CT integriert, um vor jeder Bestrahlung die Patientenlagerung und die Position des Tumors exakt zu kontrollieren (engl. image guided radiotherapy, IGRT). Die Konstanzer Praxis für Strahlentherapie Prof. H. Zwicker und Partner hatte schon vor Jahren auf diese innovative Technik gesetzt und ein Tomotherapy-System für die intensitätsmodulierte Rotationsbestrahlung implementiert.

Doch Stillstand kann sich die hochtechnisierte Medizin auch in Krisenzeiten nicht leisten. Noch während des Lockdowns wurde deshalb die Tomotherapy-Anlage auf den neuesten Stand gebracht. Die Neuerungen ermöglichen Qualitätskontrollen jeder einzelnen Bestrahlungssitzung, um den Therapieverlauf dosimetrisch zu überwachen. Zudem können mit der neuen Software Strahlenbehandlungen rasch angepasst werden, falls anatomische Änderungen dies erfordern (Adaptive Strahlentherapie).

Das zweite - bisher noch L-förmige - Bestrahlungsgerät in der Praxis wurde vor Kurzem durch ein weiteres Rotationsgerät der neuesten Bauart ersetzt. Das sog. Halcyon-System (englisch für “Eisvogel”) enthält ein spezielles CT und einen schnell rotierenden Beschleuniger mit einem neuartigen Hochgeschwindigkeits-Doppelkollimator. Sehr kurze Therapiezeiten (1-2 min.) sowie die besonders große Öffnung des “Donuts” sollen dem Patientenkomfort dienen.

Für die Erneuerung der beiden Konstanzer Bestrahlungsgeräte haben die Strahlentherapeuten zusammen ca. 2.5 Millionen Euro investiert.

Eine moderne Strahlentherapie in der Region, auch außerhalb von Universitätskliniken ist für Patienten mit häufigen Tumorarten wie der Brust, Prostata, Lunge, oder der Kopf-Hals-Region wichtig. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen des Klinikums Konstanz bzw. des Gesundheitsverbundes im Landkreis werden Patienten umfassend betreut. Ein gemeinsames, eng verzahntes Team leistet Diagnostik, ambulante und stationäre Radio- oder Radiochemotherapie, und Nachsorge inklusive Bildgebung. Nicht nur durch die Form der Geräte ist die Konstanzer Strahlentherapie eine “runde Sache”.    

Haben Investitionen gestemmt: (von links) Seniorchef Prof. H. Zwicker, Dr. Köhler, Priv.-Doz. Dr. F. Zwicker im neuen Halcyon-Behandlungsraum
Haben Investitionen gestemmt: (von links) Seniorchef Prof. H. Zwicker, Dr. Köhler, Priv.-Doz. Dr. F. Zwicker im neuen Halcyon-Behandlungsraum | Bild: Franz Koehler
Die Medizinphysik sorgt für Qualität und Sicherheit in der Strahlentherapie: Dipl. Phys. Sebastian Höfel<span style="mso-spacerun: yes;">&nbsp;&nbsp; </span>(2. von links) und seine Kollegen Kirchner, Liebig und Dr. Klepper vor dem Tomotherapy-Behandlungsgerät
Die Medizinphysik sorgt für Qualität und Sicherheit in der Strahlentherapie: Dipl. Phys. Sebastian Höfel   (2. von links) und seine Kollegen Kirchner, Liebig und Dr. Klepper vor dem Tomotherapy-Behandlungsgerät | Bild: Franz Koehler

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