Es gibt sie noch, die Einzelkämpfer in der Metall- und Elektrobranche. „Das sind die Tüftler, die gerne für sich alleine arbeiten“, sagt Harald Liehner. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Landkreis Konstanz kennt das gesamte Spektrum der Innungsbetriebe. 28 Unternehmen haben sich der Metall-Innung angeschlossen. In der Elektro-Innung sind 51 Betriebe organisiert. Doch im Kammerbezirk, der für die Landkreise Konstanz, Tuttlingen, Rottweil, Villingen-Schwenningen und Waldshut-Tiengen zuständig ist, gibt es weit mehr Ausbildungsbetriebe für die Metall- und Elektroberufe. Das Thema Ausbildung hat in allen Handwerksberufen enorm an Bedeutung gewonnen. Spannend daran ist die Vernetzung der verschiedenen Gewerke.

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Die moderne Haustechnik, die neue Mobilität, die Anforderungen durch die Klimaziele machen das Handwerk interessant für Schulabsolventen. „Die Lehre gibt nicht nur Einblicke in moderne Technik“, sagt Harald Liehner. „Sie bietet auch die Grundlage für eine persönliche Weiterentwicklung bis hin zum Studium.“ Liehner weiß, wovon der spricht: Er selbst ist Kfz-Meister und schloss eine kaufmännische Lehre an, um schließlich eine Mercedes-Vertretung zu leiten. Doch damit nicht genug: Harald Liehner ist heute Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und verantwortlich für die Schiedsstelle. In dieser Funktion sieht er, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. „Die meisten Reklamationen haben wir dort, wo es keine Meisterpflicht gibt“, sagt er als Mediator. Aber auch die Kundschaft sei anspruchsvoller geworden. Umso wichtiger ist, dass nicht nur der Meister sein Handwerk versteht, sondern auch die Gesellen.

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Einer der beliebtesten Berufe in der Metall- und Elektrobranche ist der des Kraftfahrzeugmechatronikers. Alleine in dieser Innung sind rund 300 Betriebe des Kammerbezirks organisiert. „Das geht vom Ein-Mann-Betrieb bis zu großen Markenwerkstätten mit bis zu 60 Angestellten“, sagt Liehner. Innungsobermeister im Kfz-Handwerk im Kreis Konstanz ist Paulo Rodrigues, der mit Jürgen Ries die Bosch-Werkstatt in der Singener Südstadt leitet. Auf dem Hof stehen jede Menge Postautos von DHL mit Elektroantrieb. „Die E-Mobilität stellt ganz andere Anforderungen an die Branche als die bekannten Verbrennungsmotoren“, erklärt Rodrigues. „Für die neue Antriebstechnik braucht es eine Zusatzqualifikation.“ Manuel da Silva hört dem Meister aufmerksam zu. Er ist im zweiten Lehrjahr und findet vor allem den praktischen Teil spannend. Über ein Praktikum hat er sich für den Beruf des Kfz-Mechatronikers begeistert. Die Praxis ist es auch, die ihm besonderen Spaß macht. „Das ist viel besser als Schule“, sagt er.

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Ohne Schule geht es aber nun mal nicht. Das Handwerk ist stolz auf seine duale Ausbildung, in der Theorie und Praxis miteinander verknüpft werden. Harald Liehner zückt die Unterlagen für die Prüfungen der Kfz-Lehrlinge. Die Fragen werden von den jeweiligen Innungen erarbeitet. „Im ersten, klassischen Teil geht es um Demontieren, Warten und Montieren von Kraftfahrzeugen“, erklärt Liehner. „Im zweiten Teil, der den Stoff ab dem dritten Lehrjahr abfragt, müssen die Prüflinge sich mit allen Fragen zum Messen und Prüfen bei Pkw, Nutzfahrzeugen und Motorradtechnik auseinandersetzen.“ Ab dem dritten Lehrjahr wird auch das Wissen für Elektrofahrzeuge vermittelt. „Wir müssen die Lehrpläne für das Berufsbild ändern“, sagt Liehner. „Das muss auf Landes- und Bundesebene geschehen. Und das dauert eben.“

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Ansporn für jeden Tüftler

In der Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind die Aufgaben bereits eng verknüpft. Hier werden Heizungen maßgeschneidert projektiert, Leitungen verlegt, Anschlüsse vorbereitet. Kommt Elektrizität ins Spiel, wie bei der Nutzung von Sonnenenergie mit Hilfe einer Photovoltaikanlage, muss der Elektriker ran. Der Klimawandel und die Folgen des Ukrainekrieges lösten eine enorme Nachfrage nach alternativen Energiequellen aus. Für Liehner ist das ein Paradebeispiel für gewerkübergreifende Handwerksleistung. „Solche Aufgaben sind knifflig und ein Ansporn für jeden Tüftler“, schwärmt er. „Hier ist Köpfchen gefragt. Die moderne Technik erleichtert die Arbeit mithilfe von kleinen Robotern.“ Wie interessant das Berufsspektrum im Handwerk sein kann, versuchen die Kammer und die Innungen mit Vorträgen in den Schulen zu vermitteln. Ein nicht zu unterschätzender Punkt sind dabei auch die relativ guten Verdienstmöglichkeiten. Von den Schulen wünschen sich die Fachleute noch mehr Zeitfenster für Praktika, damit sich die jungen Leute umfangreicher informieren können.

Harald Liehner, Geschäftsführer der Kreishanderkerschaft Konstanz
Harald Liehner, Geschäftsführer der Kreishanderkerschaft Konstanz

Echte Branchenvielfalt

Der Metall- und Elektro-Branche gehören viele verschiedene Gewerke an. Durch die wachsenden Anforderungen an die Haus- oder Fahrzeugtechnik werden auch die Aufgaben anspruchsvoller und spezieller. In der Branche sind unter anderem folgende Berufe vertreten: Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker (Sanitär-Heizung-Klimatechnik), Feinwerkmechaniker, Metallbauer, Goldschmied. Der Bereich Elektrizität gewinnt an Bedeutung durch E-Mobilität und moderne Heizungstechnik wie Photovoltaik oder Wärmepumpentechnik. Im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz gibt es (Stand 2021) 769 Kfz-Betriebe, 686 Elektrotechnikbetriebe, 623 Installateure und Heizungsbauer und 265 Metallbauer. Im gesamten Kammerbezirk gibt es 12.913 Unternehmen und 4280 Auszubildende. (gtr)

Im Traumberuf

Kreis Konstanz – Eigentlich hatte Julia Pfingst ganz andere Pläne: Nach der Mittleren Reife besuchte sie das Berufskolleg an der kaufmännischen Wessenbergschule Konstanz, schloss eine Ausbildung zur Bankkauffrau ab und arbeitete ein halbes Jahr lang in diesem Beruf. „Dabei habe ich schnell gemerkt, dass mir diese Art der Arbeit zu eintönig ist“, sagt Julia Pfingst. „Deshalb habe ich mich für einen ganz anderen Beruf im Handwerk entschieden.“ Sie absolvierte bei der Firma Pfingst GmbH in Konstanz eine dreijährige Ausbildung zur Spenglerin. Das Unternehmen wird von ihrem Vater und dessen Bruder geführt. Sie könne sich vorstellen, den Betrieb irgendwann zu übernehmen.

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Zur praktischen Ausbildung kam die Theorie. Julia Pfingst erklärt: „Die Berufsschule für alle künftigen Spengler in Baden-Württemberg ist in Ulm.“ Auf dem Plan stehen Dinge wie Mathematik, Deutsch, Geschichte und Zeichnen mit Bleistift und Zeichenbrett. „An einem Tag in der Woche hat man Werkstattunterricht. Da kommt alles dran, was man auch beim Arbeiten macht. Man baut ein Dachmodell oder übt Kaminverwahrungen (das ist der Übergang vom Kamin zum Dach; Anm.d.Red.) und löten.“ An ihre Berufsschulzeit denkt die junge Frau gerne zurück: „Wir haben im Brauer-Internat bei den Brauern und Mälzern gewohnt. Als einziges Mädel hatte ich Glück und bekam ein Einzelzimmer.“ Der jetzige Lehrling ihrer Firma habe sogar vier Mitschülerinnen an der Berufsschule.

In ihrem Berufsalltag erlebt Julia Pfingst nun viel Abwechslung. „Wir machen Gauben-Verkleidungen, Rinnen und Fallrohre, Metalldächer und -fassaden, Fensterbänke und Leibungen (Teile rechts und links eines Fensters) sowie Turmdächer. Das Gebäude der Handwerkskammer Konstanz wurde zum Beispiel 2019 saniert, das Turmdach haben wir neu angefertigt, das übrige Material wurde wiederverwendet.“

Noch in diesem Jahr beginnt sie den Meisterkurs bei der Bildungsakademie in Singen. Die Module eins und zwei bilden den praktischen Teil, bei dem die Teilnehmer ihr Meisterstück erstellen. Die Teile drei und vier sind der Theorie gewidmet. Für alle vier Module müssen die Teilnehmer insgesamt rund 8.300 Euro bezahlen. „Aber wenn man sich in der Ausbildung anstrengt, kann man ein Stipendium und Leistungen vom Staat erhalten“, verrät Julia Pfingst. Nicht ohne Stolz fügt sie hinzu: „Ich bin in meiner Ausbildung als einzige Frau unter 70 männlichen Kollegen Kammersiegerin geworden und habe die Möglichkeit, ein Stipendium zu erhalten.“ Als Ausbildungsbotschafterin erzählt sie auch an Schulen von ihrem Werdegang und wirbt fürs Handwerk.

Mädchen sind gesucht

Julia Pfingst ist begeistert von ihrem Beruf. Als Belohnung habe man oft tolle Aussichten und das Fitnessstudio sei inklusive. In ihrem Betrieb ist sie derzeit die einzige Frau, doch bald kommt eine Praktikantin. Julia Pfingst macht besonders Mädchen Mut, sich für das Berufsbild des Spenglers zu öffnen: „Motivation, Geschick und Schwindelfreiheit sind die Voraussetzungen. Es gibt keine gesetzliche Vorgabe, man kann auch ohne Hauptschulabschluss eine Ausbildung beginnen, wenn man ein gutes Praktikum macht und Talent zeigt. Dann entscheidet der Betrieb, ob es gemeinsam laufen kann.“

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