Schwarzwald-Baar-Kreis – Der klassische Beruf des Elektroinstallateurs hat sich zu einem zukunftsweisenden Ausbildungsberuf gewandelt. Früher gab es in der Raummitte einen Leuchtenanschluss und an den Türen einen Schalter, mit dem die Beleuchtung ein- und ausgeschaltet wurde. Der Elektroinstallateur verlegte die Elektroleitungen, um Steckdosen, Leuchten, Küchenherd und Heizung mit Strom zu versorgen. Heute werden Kabel und Leitungen zwar weiterhin in oder auf der Wand und in Kanälen sowie Trassen verlegt, aber zum Elektrowerkzeug gesellt sich nun ein Laptop. Zu Starkstromleitungen kommen Netzwerkleitungen hinzu. „Heute gestalten wir im Elektrohandwerk die Zukunft mit“, sagt Ralf Pfaff, Obermeister der Elektroinnung Schwarzwald-Baar und Inhaber von Pfaff Energie- und Gebäudetechnik in Königsfeld.

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Rüstzeug für die Zukunft

Die Gebäude werden intelligenter, das gesamte Haus ist vernetzt, man spricht von einem Smart Home. Sensoren steuern Rollläden und Jalousien, lassen Markisen automatisch einfahren, und Lichtszenen mit modernen LED-Leuchten sorgen für Wohlfühlatmosphäre. All dies und eine weitere Herausforderung bescheren dem Elektrohandwerk beste Zukunftschancen: Die Energiewende. „Früher bildeten sie einen Randbereich, aber heute rücken Photovoltaik, Elektromobilität und Wärmepumpen in den Fokus“, so Pfaff. Die Energieeinsparung sei abhängig von Steuerungs- und Regeltechnik und das gehe nur mit intelligenter Gebäudetechnik. Dabei sei es umso wichtiger, dass die unterschiedlichen Gewerke näher zusammenrücken. „Wir müssen im Handwerk mehr kooperieren, das gilt auch auf Verbandsebene“, appelliert Pfaff.

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„Den Schulabgängern bietet das Elektrohandwerk ein gutes Rüstzeug für die Zukunft, einen sicheren Arbeitsplatz, bei dem ihnen alle Türen offen stehen“, so Pfaff. Das beinhalte die Weiterbildung zum Meister oder Techniker bis hin zum Studium oder dem eigenen Unternehmen. Fünf Ausbildungsberufe zum Elektroniker bietet das Elektrohandwerk an (siehe Infotext). Julian Öttle ist einer von vier Azubis bei Pfaff und im ersten Lehrjahr. Der Realschüler entschied sich nach einem Ferienjob für den Ausbildungsberuf zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Nicht nur das Installieren, sondern auch das Konfigurieren von Gebäudesystemtechnik gehört später zu seinen Aufgaben. „Für mich ist es wichtig, dass man am Ende des Tages sieht, was man geleistet hat“, sagt Öttle. Lob kommt vom Chef: „Julian ist einer unserer besten Auszubildenden, er wird seinen Weg gehen“.

Der Nachwuchs ist bei Pfaff mit den Gesellen nicht nur auf den Baustellen tätig. Ein eigener Werkstatt- und Onlineunterricht ergänzt neben der Berufsschule die praktische Arbeit beim Kunden. „In der Werkstatt können die Auszubildenden Grundschaltungen verdrahten und an einem Labortisch ein Bussystem aufbauen und programmieren“, erklärt Ralf Pfaff. Das Elektrohandwerk biete eine riesige Spielwiese und für jeden Typ die passende Ausbildung sowie die Möglichkeit, die Energiewende vor Ort in die Praxis umzusetzen. Lediglich mehr junge Frauen wünscht sich der Obermeister in dem noch von Männern dominierten Elektrohandwerk.

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Anlagenmechaniker SHK

Wie im Elektrohandwerk hat sich auch das Berufsbild der einstigen Heizungs- und Sanitärinstallateure geändert. Sie sind heute Spezialisten für moderne Gebäudetechnik und heißen Anlagenmechaniker für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik. Sie verlegen zwar weiterhin Rohrleitungen, löten, sägen und installieren Anschlüsse. Während früher die klassischen Öl- und Gasheizungen angedockt wurden, rücken aktuell Themen wie Pellets-Heizungsanlagen, Wärmepumpen, elektrische Infrarotheizungen und Photovoltaik in den Vordergrund. Da gilt es, sich in der Ausbildung mit Steuerungs- und Regelungssystemen auseinanderzusetzen. Mit dem Laptop werden Heizungs- und Klimaanlage in die Gebäudesystemtechnik integriert.

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„Das Berufsbild wird immer komplexer. Heizungs- und Sanitärinstallateur waren früher separate Berufe und bilden heute ein gemeinsames Berufsbild“, sagt Dirk Gläschig, der das Villinger Familienunternehmen in der dritten Generation führt. Kenntnisse in der Blechbearbeitung, aber auch zusätzliche elektrotechnische Grundkenntnisse seien erforderlich. „Die Ausbildung allein auf der Baustelle reicht heute nicht mehr aus“, sagt Gläschig. Es gebe zu viele Anforderungen an die Auszubildenden, die auf der Baustelle zu kurz kämen, und da müssten die Betriebe mehr tun. Der künftige Lehrplan bei Gläschig sieht vor, dass neben der schulischen die innerbetriebliche Ausbildung intensiviert wird. „Wir richten hierzu eine Ausbildungswerkstatt ein“, so Gläschig. Der Handwerksbetrieb bildet neben den Anlagenmechanikern auch Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik aus.

Julian Öttle ist im ersten Lehrjahr zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Im Werkstattunterricht programmiert er am Labortisch.
Julian Öttle ist im ersten Lehrjahr zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Im Werkstattunterricht programmiert er am Labortisch. | Bild: Roland Dürrhammer

Azubi mit klaren Vorstellungen

Die Ausbildungswerkstatt wird im Bereich der Blechbearbeitungshalle eingerichtet, in der Jan Hauptvogel gerade eine CNC-gesteuerte Langabkantbankmaschine zur Blechbearbeitung programmiert. Hauptvogel ist im dritten Ausbildungsjahr zum Anlagenmechaniker und hat eine klare Vorstellung davon, wie es nach der Gesellenprüfung weitergeht. „Ich werde noch einige Zeit Erfahrung im elterlichen Betrieb sammeln und nach der Meisterprüfung das Unternehmen weiterführen“, sagt Hauptvogel.

Die Zukunftschancen für die Auszubildenden sind vielfältig mit sehr guten Verdienstmöglichkeiten. „Jeder spricht vom Klimawandel. Wir gestalten diesen mit jeder Anlage, die neu gebaut oder ersetzt wird, und sorgen so für weniger CO2-Ausstoß“, sagt Gläschig. „Darauf kann man stolz sein. Handwerk ist zwar auch körperliche Arbeit und manchmal anstrengend, aber lasst die Kinder schaffen, denn das ist gut für Körper und Geist und man sieht, was am Ende des Tages geleistet wurde“, appelliert er.

Metallbauer ist ein cooler Beruf! Hier arbeitet ein Azubi in der Bildungsakademie Singen.
Metallbauer ist ein cooler Beruf! Hier arbeitet ein Azubi in der Bildungsakademie Singen. | Bild: Inka Reiter

Elektro- und Metallberufe

Das Elektrohandwerk bietet fünf Fachrichtungen zum Elektroniker an: Energie- und Gebäudetechnik, Gebäudesystemintegration, Automatisierungs- und Systemtechnik, Maschinen und Antriebstechnik sowie Informationselektroniker. Die Ausbildung dauert jeweils dreieinhalb Jahre. Die 56 Mitgliedsbetriebe der Elektroinnung Schwarzwald-Baar konnten 2021 stolze 54 neue Ausbildungsverträge abschließen. Der Durchschnitt der vergangenen Jahre lag bei 32 neuen Auszubildenden. In Baden-Württemberg waren es zum Jahresende 2021 annähernd 5500 Auszubildende. Informationen zu den Fachrichtungen sowie Ausbildungs- und Praktikumsstellen im Internet: www.e-zubis.de

Die Ausbildung zum Anlagemechaniker Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik dauert ebenfalls dreieinhalb Jahre. Die schulische Ausbildung findet in der Gewerbeschule Villingen-Schwenningen statt. Mindestens ein guter Hauptschulabschluss und gute Noten in Mathematik und Physik sind wichtig. 55 Handwerksbetriebe sind Mitglied in der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Schwarzwald-Baar. Infos im Internet: www.kh-schwarzwaldbaar.de

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