Die Gebührenpeitsche wirkt. 360 Franken „Fremddomizilgebühr“ soll Petra M. (Name der Redaktion bekannt) plötzlich jedes Jahr für ihr Konto bei der Thurgauer Kantonalbank (TKB) zahlen. Viel zu viel fand die Freiberuflerin aus Konstanz, die das Konto in der Schweiz für gelegentliche Aufträge von Schweizer Kunden eingerichtet hatte. Sie löste wie andere Auslandkunden auch das Konto auf. Wie viele Konstanzer von den Zusatzgebühren betroffen sind, die die TKB zum 1. Januar 2014 für Kunden mit Wohnsitz außerhalb der Schweiz eingeführt hat, ist unklar. Die TKB hat nach eigenen Angaben mehrere tausend Kunden in Deutschland, davon dürften etliche in Konstanz wohnen. Handwerker, Selbstständige und Gewerbetreibende aus Deutschland scheinen sich an den Auslandsgebühren allerdings nicht zu stören. Die Wirtschaftskammern können nicht von derartigen Klagen ihrer Mitglieder berichten.

Die TKB ist mit ihrer Sondergebühr für nicht in der Schweiz gemeldete Kontoinhaber nicht allein. Viele eidgenössische Banken erheben längst Gebühren für Auslandskunden. Die Spanne reicht von 48 bis 720 Franken pro Jahr, wie eine Übersicht im Internet zeigt (http://kontofuehrungsgebuehren-fuer-auslandkunden.ch). „Die TKB hat in diesem Bereich jetzt nachgezogen, nachdem sie lange auf eine solche Gebühr verzichtet hat“, schreibt TKB-Sprecherin Szilvia Früh auf Anfrage.

Als Gründe nennt die Bank gestiegenen Aufwand für internationale Bankverbindungen: „Die Zahl und Komplexität der Regulatorien für die Betreuung von Kunden mit Domizil Ausland haben in den letzten

Jahren stetig zugenommen, was in verschiedenen Bereichen der Bank (Personal, Recht & Compliance, Ausbildung, Prozesse, IT etc.) zu höherem Ressourcenbedarf geführt hat“, schreibt Früh. Damit verbunden seien zusätzliche Aufwendungen für die Konto- und Depotführung. Als Beispiel für gestiegene Kosten nennt sie die Investition in Mitarbeiterschulungen.

Doch nicht Jeder müsse die Auslandsgebühr zahlen. So sind laut Szilvia Früh Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in der Schweiz arbeiten, befreit, ebenso Kunden mit über 50 000 Franken Anlagevermögen oder einem Vermögensverwaltungsmandat bei der TKB (möglich ab 150 000 Franken).

Während Schweizer Banken den Gebührenzaun entlang der Grenze hochziehen, gilt bei Sparkasse und Volksbank auf der deutschen Seite: Gleiche Gebühren für alle. „Wir bepreisen alle Kunden gleich, egal wo der Wohnsitz ist“, sagt Alfred Holl, Pressesprecher bei der Volksbank Konstanz-Radolfzell-Steißlingen, deren Kundenzahl aus der Schweiz im vierstelligen Bereich liegt. Auch die Sparkasse Bodensee erhebt bei ihren Schweizkunden keine Auslandsgebühren.