Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland ist am Mittwochabend in einer Reihe der Deutschen Filmakademie zu Gast, bei der Prominente ein Kinowerk präsentieren. Bei Peer Steinbrück war es der Vietnam-Kriegsfilm «The Deer Hunter». Warum hat Käßmann ausgerechnet «Der Schatz im Silbersee» ausgewählt?
Spontan dachte die Botschafterin des Reformationsjubiläums an den Luther-Film mit Ralph Fiennes oder an «Von Menschen und Göttern». Aber das war zu beruflich. Der Film sollte lieber biografisch sein. Käßmann rief ihre Schwestern an, und die bestätigten: «Der Schatz im Silbersee» (1962) mit Lex Barker und Pierre Brice war der erste Kinofilm ihres Lebens.
Käßmann nennt seine großen Themen - die Gier nach Gold, Respekt vor Menschen anderer Herkunft, Gerechtigkeit, Freundschaft, Liebe. Und natürlich Pferde. Interessant findet sie heute zudem, wie der vor 100 Jahren gestorbene sächsische Schriftsteller in anderen Werken das Bild von Orient und Islam prägte.
Käßmann ging es bei dem in Kroatien gedrehten «Silbersee» wie vielen Zuschauern. «Ich dachte natürlich, das ist Amerika.» Der Schöpfer von Winnetou und Old Shatterhand ist für sie eine schillernde Figur. «Die Fantasie von Karl May ist überwältigend.» Die Theologin hat auch die Bücher gelesen. In der Western-Materie ist sie so sattelfest, dass sie vermutlich sagen könnte, wie das Pferd des von Eddi Arent gespielten Schmetterlingssammlers heißt (Herakles).
Es knackst, als der Film läuft, eine Originalkopie. Es hat seinen Charme, den Klassiker im Großformat zu sehen und nicht im Fernsehen. Der Western bringt das Publikum an einigen Stellen zum Kichern. Und, na klar, es wird viel geballert. «Ich finde heute vieles eher kritisch», sagt Käßmann. Aber die Faszination von damals könne sie immer noch verstehen. Im Publikum sitzt Ralf Wolter (85), der den kauzigen Trapper Sam Hawkens spielte und damals um Textzeilen wie «Hoffentlich haben die schon gefrühstückt» kämpfte. Hinterher schenkt er Käßmann zwei Indianer-Taschentücher.