Zu seinen eindrucksvollsten Auftritten gehört ein Spiel in der Pfarrkirche des burgenländischen Marktfleckens Lockenhaus, in dem er einst ein längst berühmtes Kammermusikfestival ins Leben rief.
Ganz allein steht Kremer da mit seiner «Nicola Amati» vor dem großen Barockaltar und spielt Bachs Solo-Partiten mit einer solch bedingungslosen Intensität, dass einem schon der YouTube-Schnipsel im Internet eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Heute feiert der deutsch-lettische Ausnahmemusiker seinen 65. Geburtstag und steht - wie könnte es anders sein - auf der Bühne: Zusammen mit «seinem» Kammerorchester Kremerata Baltica gibt er ein Konzert in der Mailänder Scala.
Mit der Gründung dieses Orchesters hatte sich Kremer zu seinem 50. Geburtstag selbst einen Wunsch erfüllt. Gemeinsam mit zwei Dutzend jungen Musikern aus Lettland, Estland und Litauen setzt er seither um, was seine Leidenschaft ausmacht: die Liebe zur klassischen Musik, die Neugier auf bisher Unerhörtes und die Lust auf neue Herausforderungen. «Denn Kremer bedient nicht einfach den Musikbetrieb auf staunenswert mustergültige Art, er fordert ihn vielmehr heraus, schleudert ihm seine Vision entgegen», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» einmal.
Seit mehr als 40 Jahren steht der gebürtige Lette auf der Bühne. Er wird in den berühmtesten Konzerthäusern der Welt umjubelt und arbeitete mit Größen wie Leonard Bernstein, Herbert von Karajan, Nicolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Zubin Mehta, James Levine und Sir Simon Rattle zusammen. Für besonderes Aufsehen sorgten immer wieder seine Interpretationen zeitgenössischer Werke, etwa von Arvo Pärt, Michael Nyman, Alfred Schnittke und Sofia Gubaidulina. Wieviele CDs er inzwischen eingespielt hat, kann er selbst kaum mehr zählen: 120, 130, 140? Daneben engagierte er sich früh für den musikalischen Nachwuchs.
Gibt es überhaupt etwas, was Gidon Kremer künstlerisch noch nicht erreicht hat? Diese Erkundigung bringt ihn trotz aller Bescheidenheit fast aus der Fassung. «Eine liebe Frage», sagt er in schönstem Österreichisch und zögert einen Moment. «Ich habe so viel gemacht, ich glaube nicht, dass ich jemandem etwas schuldig bin. Aber ich bin weiter offen für alle unerwarteten Dinge, die noch auf mich zukommen oder die mir einfallen» - so wie sein Ausflug in Astor Piazzollas Welt des «Tango Nuevo» ab 1996 oder seine Zusammenarbeit mit dem russischen Clown Slava Pollunin («Snowshow») im vergangenen Jahr.
Offenheit für das Neue wurde Kremer schon oft abverlangt. 1947 als Sohn eines jüdisch-baltischen Musikers und seiner deutschen Frau in Riga geboren, erlebte er nach dem Musikstudium in Moskau früh die Unfreiheiten des kommunistischen Systems. Trotz grandioser Erfolge wurde er immer wieder mit Reise- und Auftrittsverboten belegt, bis er 1980 schließlich nach Deutschland auswanderte. Zwar durfte er - ungewöhnlich genug - seinen sowjetischen Pass behalten, eine Rückkehr in die Heimat blieb ihm jedoch jahrelang verwehrt. Seine Erinnerungen hat er in den autobiografischen Werken «Kindheitssplitter» (1993) und «Zwischen Welten» (2003) festgehalten.
Zunehmendes Unbehagen über die Kommerzialisierung des Musikbetriebs ließ ihn 1981 das Lockenhaus-Festival gründen, das mit seiner kreativen und risikofreudigen Atmosphäre Weltruhm erwarb. Erst im vergangenen Jahr gab er nach drei Jahrzehnten die Führung an Jüngere ab. Die «Edition Lockenhaus» erinnert auf fünf CDs an die denkwürdigsten Höhepunkte. «Das Wichtigste für mich ist», sagt er, «dass man seiner Sache treu bleibt, dass man der Musik treu bleibt und nicht auf den Erfolg schielt.»
| NAME | BERUF | ALTER | GEBURTSDATUM | GEBURTSORT | GEBURTSLAND |
| GROBAN, Josh | amerikanischer Sänger | 31 | 27.02.1981 | Los Angeles | USA |
| HARDER, Rhea | deutsche Schauspielerin | 36 | 27.02.1976 | Berlin | Deutschland |
| BALDWIN, Adam | amerikanischer Schauspieler | 50 | 27.02.1962 | Chicago | USA |