Unter dem Sammelbegriff «Heimat» hat Reitz rund 40 Filme veröffentlicht. Meist sind es historische Filme, an unscheinbaren, fast belanglosen deutschen Wohnorten, mit Beziehungsgeschichten, beinahe in Realzeit erlebbar. Mit dem Genre des deutschen Heimatfilms will er seine Arbeit aber nicht verwechselt sehen. «Der Heimatfilm ist ein Antibegriff für mich. Ich finde nichts abstoßender und idiotischer, als dieses sogenannte deutsche Genre,» sagte Reitz, der heute 80 Jahre alt wird, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
«Heimat» bei Reitz ist ein Markenzeichen für ausdrucksstarke Landschaftsbilder, ernste Charaktere, und eine gefühlvolle Sprache. «Unter diesem Sammelbegriff habe ich alle meine alten Drehbücher verarbeitet, alle meine autobiografischen Erfahrungen, alle meine Interessen an gesellschaftlichen Entwicklungen», sagte Reitz. Das eigene Leben spielte dabei immer eine Rolle. Im vierten Teil des «Heimat»-Zyklus, der im Oktober 2013 in die Kinos kommt, hat Reitz seinem Geburtsort ein Denkmal gesetzt: Eine Auswanderergeschichte vom Hunsrück nach Brasilien, Mitte des 19. Jahrhunderts. «Da, wo wir zum erstem Mal den Horizont sehen und uns zum ersten Mal fragen, was ist hinter dem Horizont, wo ist die Welt dahinter und wo bin ich, das sind Bilder, die nachwirken für immer», sagte Reitz, der sich schon mit sieben Jahren als Philosoph verstand.
Es ist eine Motivationsgeschichte, die von Edgar Reitz und dem deutschen Film. Für seinen Aufstieg in die Prominenz der Regisseure und Filmproduzenten hat der gebürtige Hunsrücker keinen Einsatz gescheut. Als Schüler profilierte sich Reitz schon mit selbstgeschriebenen Theaterstücken. Später arbeitete er als Kamera- und Schnittassistent, im Kopierwerk als Mitarbeiter oder als Hilfsaufnahmeleiter bei Produktionen. Seine selbst entworfenen Drehbücher hatte der junge Edgar aber immer schon in der Tasche. «Ich habe den Tag ersehnt, wo ich selbst ran durfte.»
Ab Ende der fünfziger Jahre konnte Reitz dann selbst Regie führen. 1971 gründete er seine eigene Produktionsfirma in München. Vom Drehbuch bis zum Schnitt hat Edgar Reitz auch heute noch alles selbst in der Hand. Das hat sich ausgezahlt: Weit über 50 internationale Preise und Auszeichnungen hat Reitz mittlerweile erhalten. Den Erfolg brachten aber vor allem auch seine filmischen Visionen. «Ich bin immer mit Projekten angetreten, immer mit ganz klar umrissenen Zielen», sagte Reitz. Einfach am Filmset dabei sein wollen, wie das bei vielen jungen Leuten heute der Fall wäre, sei sinnlos.
Reitz hatte 1963 in Ulm die erste Filmschule Deutschlands gegründet und neue Filmformen, wie den «Autorenfilm», entscheidend geprägt. Den meisten Menschen fehle bis heute die Bildung, um einen guten von einem schlechten Film zu unterscheiden. «Die Meisten sind eigentlich nur manipulierte Opfer der Werbemaschinerie, oder weniger», so Reitz, der den Film gerne auf dem Lehrplan deutscher Schulen sehen würde. Zur Ruhe setzen will der 80-Jährige sich nicht. «Der Sinn meines Lebens besteht in der Arbeit», sagte Reitz. Ein Ende von «Heimat» sehe er nicht. «Mein Talent ist kein dramatisches, sondern ein episches. Die letzte Geschichte ist immer der Anfang der Nächsten.»
| NAME | BERUF | ALTER | GEBURTSDATUM | GEBURTSORT | GEBURTSLAND |
| KIEDIS, Anthony | amerikanischer Rocksänger | 50 | 01.11.1962 | Grand Rapids | USA |
| COLLETTE, Toni | australische Schauspielerin | 40 | 01.11.1972 | Sydney | Australien |
| FLYNT, Larry | amerikanischer Verleger | 70 | 01.11.1942 | Kentucky | USA |