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08.03.2013  |  0 Kommentare

Berlin (dpa) Nur jede fünfte Frau hält Gleichberechtigung für erreicht

Sexismus, Nachteile im Arbeitsleben: Frauen müssen im Alltag so manche Hürde überwinden. Viele Frauen sind laut einer Umfrage der Ansicht, dass die Gleichberechtigung in Deutschland noch nicht erreicht ist.

Auf dem Weg nach vorne? Die meisten Frauen sind der Ansicht, dass eine Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist. Foto: Franziska Koark  Bild: Foto: dpa



Auf dem Weg nach vorne? Die meisten Frauen sind der Ansicht, dass eine Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist. Foto: Franziska Koark

Nur jede fünfte Frau in Deutschland hält die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern für erreicht. Zugleich glaubt fast die Hälfte der Männer, dass Frauen inzwischen gleiche Rechte in der Gesellschaft genießen, wie eine YouGov-Umfrage zum Weltfrauentag (8. März) ergab. Das Statistische Bundesamt stellte fest, dass es auch auf dem Arbeitsmarkt noch immer große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Frauen arbeiten demnach in Deutschland viel häufiger in Teilzeit als im EU-Durchschnitt, weil sie Kinder oder pflegebedürftige Eltern versorgen.

Bundespräsident Joachim Gauck forderte eine engagierte Debatte über Sexismus in der Gesellschaft. Gauck war zuvor wegen einer Äußerung zur Sexismus-Debatte in die Kritik geraten. «Der Spiegel» hatte Gauck gefragt, ob er den Umgang mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wegen dessen als sexistisch bewerteten Äußerungen unfair gefunden habe. Darauf sagte er: «Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde.» Eine Gruppe junger Frauen hatte Gauck kritisiert: Er lasse mit seinen Äußerungen Feingefühl und Respekt gegenüber Frauen vermissen, die Erfahrungen mit Sexismus gemacht haben.

Bereits nach dem Vorwurf gegen Brüderle, er habe eine Journalistin mit anzüglichen Bemerkungen belästigt, war eine breite Debatte über alltäglichen Sexismus in Deutschland entbrannt. Diese Diskussion habe am Verhältnis zwischen Männern und Frauen jedoch nichts geändert, ergab die repräsentative, online durchgeführte Umfrage.

Zudem hält eine Mehrheit der Frauen - im Gegensatz zu einem Großteil der Männer - Quoten im Beruf für sinnvoll. 56 Prozent der Männer hierzulande sind laut der Umfrage Quoten-Gegner, 10 Prozent haben keine Meinung. Über die Hälfte der Frauen (63 Prozent) hingegen befürworten eine Quote, die mehr Frauen den Zugang zu Führungspositionen ermöglicht. Insgesamt befragte YouGov 1026 Bürger vom 5. bis 7. März.

Auch im EU-Vergleich stecken Frauen im Beruf häufiger zurück als anderswo. Weil sie Kinder oder pflegebedürftige Eltern versorgen, haben in Deutschland viele Frauen einen Teilzeitjob, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Fast jede zweite erwerbstätige Frau (45 Prozent) in der Bundesrepublik arbeitete 2011 Teilzeit, im EU-Durchschnitt war es aber nur knapp jede Dritte (32 Prozent). Noch mehr Teilzeitjobs haben nur die Frauen in den Niederlanden. Laut den Statistikern ist es die Regel, dass Frauen beruflich zurückstecken, wenn Angehörige versorgt werden müssen.

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