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08.03.2013  |  von  |  0 Kommentare

Berlin (dpa) Internationaler Frauentag - Freizeit in Peking, Blumen in Rom

Dort, wo ihre Rechte unterdrückt werden, gehen Frauen seit mehr als 100 Jahren am Internationalen Frauentag auf die Straßen. In Europa verbinden ihn viele mit roten Nelken. Außer in Italien - da kommt eine andere Farbe ins Bouquet.

Rote Nelken zum Frauentag - Vor allem im Osten Deutschlands wird der Tag noch mit diesen Blumen verbunden. Foto: Paul Zinken  Bild: Foto: dpa



Rote Nelken zum Frauentag - Vor allem im Osten Deutschlands wird der Tag noch mit diesen Blumen verbunden. Foto: Paul Zinken

Seit mehr als einem Jahrhundert gehen Frauen am Internationalen Frauentag für ihre Rechte auf die Straße. Im August 1910 initiierte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf dem zweiten Kongress der sozialistischen Internationale in Kopenhagen den Tag. Zum ersten Mal forderten am 19. März 1911 mehr als eine Million Menschen in Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und der Schweiz, dass Frauen Ämter bekleiden und wählen dürfen. Außer in Finnland waren zu diesem Zeitpunkt nirgends in Europa Frauen zur Wahl zugelassen. Seit 1921 wird der Tag am 8. März begangen. In Afghanistan, Georgien, auf Kuba und weiteren Staaten ist er offizieller Feiertag. Und wie wird der Frauentag gefeiert?

Deutschland: Vor allem in den neuen Bundesländern wird der Tag mit roten Nelken verbunden. Zu DDR-Zeiten war der Frauentag eine sozialistische Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen weniger politische Forderungen als das gemeinsame Feiern. Ein oft männliches Mitglied der Betriebsführung zeichnete verdiente Kolleginnen aus. Die Feministinnen der Bundesrepublik hingegen sahen den Frauentag der Ostblockstaaten kritisch: «In den 1970er Jahren kannten wir keinen 8. März», schrieb «Emma»-Herausgeberin Alice Schwarzer 2010 über den ihrer Meinung nach «sozialistischen Muttertag». Frauen hätten sich in der DDR mit Kuchen, Nelken und «billigem Parfüm» abspeisen lassen. In die Chefetagen seien nur Männer aufgestiegen.

Italien: In Italien werden meist gelbe Mimosen verschenkt. Die Blumenwahl geht zurück auf drei Widerstandskämpferinnen während der Herrschaft der Faschisten, die diese als ihr Symbol wählten. Seitdem gilt in Italien die gelbe Mimose als Zeichen für die Befreiung der Frauen von männlicher Unterdrückung.

Indien: Bislang spielte der Weltfrauentag in Indien keine besonders große Rolle. Das könnte sich nach der tödlichen Vergewaltigung einer 23 Jahre alten Inderin im vergangenen Dezember ändern. Zahlreiche Frauengruppen planen große Protestmärsche und Versammlungen, allein in der Hauptstadt Neu Delhi werden 20 000 Teilnehmer erwartet. Viele Inderinnen fordern, es müsse Schluss sein mit der Gewalt gegen Frauen und die patriarchalische Gesellschaft müsse sich ändern.

Äthiopien: Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern kämpfen die Frauen seit langem um Gleichberechtigung. Viele Organisationen rufen zu Initiativen und Aktionen auf, um die vielfältigen Probleme wie weibliche Genitalbeschneidung, Kinderhochzeit, HIV/Aids, Gewalt gegen Frauen und Müttersterblichkeit wegen mangelnder Gesundheitsversorgung ins Zentrum der Weltöffentlichkeit zu rücken.

Russland: Hier ist der Weltfrauentag seit 1913 einer der wichtigsten Termine. Seit der Oktoberrevolution 1917 ist er offizieller Feiertag. In der Sowjetunion hatte er sozialistischen Charakter. Im heutigen Russland werden in einer Mischung aus Valentins- und Muttertag nicht nur Ehefrauen und Mütter, sondern auch Arbeitskolleginnen mit Pralinen, Parfüm und Schmuck bedacht.

China: Wie in Madagaskar und Nepal ist in China der 8. März ein Feiertag allein für Frauen. In chinesischen Staatsbetrieben bekommen sie häufig den halben Tag frei, manchmal verteilen die Unternehmen auch kleine Aufmerksamkeiten. In privaten Firmen und in Großstädten werden diese beiden Traditionen allerdings nur noch selten gepflegt.

Polen: Der «sozialistische Feiertag» mit roten Nelken hat schon in den 80er Jahren an Popularität verloren - Blumen wurden mehr und mehr am Valentinstag verschenkt. Heute erhalten Frauen und Schulmädchen nur von den eher galanten und etwas altmodischen Männern und Klassenkameraden noch kleine Präsente und Blumensträuße.

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