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27.08.2010  |  0 Kommentare

Berlin (dpa) Mammographie: Mehr krebskranke Frauen behalten Brust

Eine Mammographie tut ein kleines bisschen weh, doch Experten sehen in dieser Brustkrebs-Früherkennung für Frauen eine Chance. Da Tumore früher entdeckt würden, könnten mehr Patientinnen als bisher nach Operationen ihre Brust behalten.

Schonendere Behandlungen durch Früherkennung: Mittlerweile kann bei bis zu 85 Prozent der Patientinnen die Brust erhalten werden. (Bild: dpa)



Schonendere Behandlungen durch Früherkennung: Mittlerweile kann bei bis zu 85 Prozent der Patientinnen die Brust erhalten werden. (Bild: dpa)

Das bundesweite Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs führt nach einem neuen Qualitätsbericht zu schonenderen Behandlungsmethoden für erkrankte Frauen. Da viele Karzinome bei der Routine-Untersuchung im Anfangsstadium entdeckt würden, könnten Chirurgen bei bis zu 85 Prozent der Patientinnen die Brust erhalten, analysiert die Deutsche Gesellschaft für Senologie (Brusterkrankungen). Früher gelang das nur bei 60 bis 70 Prozent. Fast alle (92 Prozent) der bösartigen Tumore würden nun auch bereits vor einer Operation klar erkannt, teilte die Kooperationsgemeinschaft Mammographie in Berlin mit.

Brustkrebs ist die gefährlichste Krebsart für Frauen in Deutschland, rund 17 500 Todesfälle gibt es jedes Jahr. Das Screening wurde bis 2009 flächendeckend eingeführt, um diese hohe Sterberate zu senken. Eingeladen werden alle zwei Jahre Frauen im Hauptrisikoalter zwischen 50 und 69 Jahren. Nachbarstaaten wie die Niederlande setzen bereits seit Jahren auf diese Form der Früherkennung.

Unumstritten sind die Röntgenuntersuchungen der Brust dennoch nicht. Denn in der Mehrzahl werden gesunde Frauen einer Strahlendosis ausgesetzt. Hochgerechnet kostet die Reihen-Untersuchung 300 bis 400 Millionen Euro im Jahr. Das sei zu viel bei einem eher geringen Nutzen, sagen Kritiker. Ob die Zahl der Todesfälle wirklich sinkt, lässt sich frühestens 2015 sagen. Hochrechnungen gehen heute davon aus, dass das Screening in Deutschland rund 2000 Frauen im Jahr das Leben retten kann. Der Beweis dafür steht noch aus.

Bereits beim ersten Evaluationsbericht vor rund einem Jahr zeigte sich, dass beim Screening bei sieben bis acht von 1000 Frauen ein Tumor entdeckt wurde. Vorher war das bei zwei bis drei von 1000 Frauen der Fall. Der neue Bericht, der sich ebenfalls auf die Jahre 2005 bis 2007 bezieht, bescheinigt den Röntgenaufnahmen nun auch eine gute Qualität. Nur bei unter einem Prozent der Bilder (0,75 Prozent) mussten Untersuchungen wiederholt werden. Allerdings waren damals auch erst 77 der heute 94 Screening-Zentren in Betrieb.

Wegen eines Krebsverdachts baten Ärzte nach dem jüngsten Bericht rund fünf Prozent aller untersuchten Frauen noch einmal zur Abklärung. «Das sind relativ wenige zusätzliche Untersuchungen», sagte Barbara Marnach, Sprecherin der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Die Entdeckungsrate von Brustkrebs liege deshalb aber nicht niedriger. Gründe für die geringe Zahl seien die gute Qualität der Aufnahmen und die geschulteren Augen der Radiologen.

Ärzte wollen so wenige Frauen wie möglich zu einer zweiten Untersuchung einladen, um nicht unnötig Angst vor Brustkrebs zu schüren. Dennoch bewahrt das Screening nicht vor falsch-positiven ersten Befunden. Von fünf Frauen, die nach der Mammographie zu einer zweiten Untersuchung eingeladen werden, stellt sich bei vieren heraus, dass es kein Krebs ist. Dennoch nehmen Frauen Verdachtsmomente sehr ernst. Rund 95 Prozent kommen zur Abklärung, heißt es im Bericht.

Bei fast zwei Prozent (1,58 Prozent) der Frauen mit Brustkrebs-Verdacht war schließlich eine schonende Gewebeentnahme (Biopsie) nötig, um eindeutig einen bösartigen Tumor zu diagnostizieren. Bei rund der Hälfte stellte sich danach heraus, dass es wirklich Brustkrebs ist. Danach folgte in vielen Fälle eine Operation. Dennoch ist das ein kleiner Fortschritt: Früher wurde oft erst während eines Eingriffs klar, ob wirklich ein Karzinom in der Brust wuchs.

Die Qualitätssteigerung bei der Brustkrebs-Früherkennung sieht Marnach auch in der engen Zusammenarbeit zwischen Screening-Einheiten und Krankenhäusern. Die fachübergreifende Diskussion eines jeden Verdachtsfalls sei ebenfalls eine Verbesserung. Dazu komme die permanente Überprüfung der Röntgengeräte, der Aufnahmetechnik und auch der Ärzte. Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie hält das Screening heute für die am besten kontrollierte Früherkennungs-Untersuchung in Deutschland.

Die Teilnahmequoten nach der ersten Einladung sind aber weiterhin zu niedrig. Nur gut die Hälfte der Frauen geht bisher zum Screening. Um die Sterberate deutlich zu senken, wären 70 Prozent nötig. Die Initiatoren setzen auf eine steigende Bekanntheit und Akzeptanz des Programms im Laufe der Zeit.

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