Mein
05.02.2013  |  0 Kommentare

Dortmund (dpa) Jeder Zweite geht auch krank zur Arbeit

Erwerbstätige sind offenbar häufiger krank, als es die offiziellen Statistiken aussagen. Erstmals haben Bundesforschungseinrichtungen Menschen danach gefragt, wie oft sie krank zur Arbeit gehen.

Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen - und doch im Büro: So ergeht es vielen Arbeitnehmern in Deutschland. Foto: Oliver Berg  Bild: Foto: dpa



Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen - und doch im Büro: So ergeht es vielen Arbeitnehmern in Deutschland. Foto: Oliver Berg

Jeder zweite Erwerbstätige geht in Deutschland zur Arbeit - auch wenn er krank ist. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des Bundesinstituts für Berufsbildung. Sie ließen in der Erwerbstätigenbefragung 2011/2012 20 000 Menschen danach befragen, wie oft sie in den vergangenen zwölf Monaten krank zur Arbeit gegangen seien. Im Durchschnitt gaben die Befragten 11,5 Tage an. Demgegenüber stehen 17,4 Tage, an denen sie nach eigenen Angaben krank zuhause blieben, wie die Bundesanstalt (BAuA) am Dienstag (5. Februar) in Dortmund mitteilte.

Besonders Beschäftigte, die häufig unter Leistungs-, Termin- und Zeitdruck leiden, gaben nach Darstellung der Forschungseinrichtungen an, krank zur Arbeit zu gehen. Außerdem spielten mangelnde Vertretungsmöglichkeiten und Angst vor Entlassung eine Rolle. Besonders betroffene Berufsgruppen sind die Bau- und Landwirtschaft sowie Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe.

Von den 57 Prozent, die auch krank zur Arbeit gingen, ließen sich die meisten (36 Prozent aller Befragten) aber auch zeitweise krankschreiben. Manchmal gingen sie krank zur Arbeit, manchmal fehlten sie mit Krankenschein. Rund ein Viertel der Befragten (27 Prozent) war gar nicht krank.

Folgen des sogenannten Präsentismus («präsent» = «anwesend») sieht die BAuA in nachlassender Leistungsfähigkeit und einer abnehmenden Produktivität. Sie warnt vor allem vor Langzeitfolgen. «Präsentismus ist der unsichtbare Teil des Eisbergs, der irgendwann in Form von Langzeit-Arbeitsunfähigkeiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zutage tritt», sagte Claudia Oldenburg, Politikwissenschaftlerin an der Bundesanstalt. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Kosten von Präsentismus mindestens so hoch seien, wie die Kosten von krankheitsbedingtem Fehlen.

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014