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Berlin (dpa) Laborchef Schänzer: Im Zweifel für die Angeklagte

18.03.2010


In der Causa Claudia Pechstein hätte laut Doping-Experte Wilhelm Schänzer im Zweifel für die Angeklagte entschieden werden müssen.

Der Chef des Kölner Antidoping-Labors kritisierte in einem Interview der Zeitung «Kölner Stadtanzeiger» die Sperre für die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin wegen erhöhter Retikulozyten-Werte. Schänzer geht aber nicht so weit, dass die 38-Jährige vom Doping-Vorwurf hätte freigesprochen werden müssen. «Diese Aussage treffe ich nicht, ich kann nur sagen: Wenn eine Erkrankung vorliegt, die zur Erhöhung der Retikulozyten führt, ist das ein Ergebnis, das man berücksichtigen muss, um bestimmte Veränderungen, die als Doping erscheinen, erklären zu können», so Schänzer, «diese Daten scheint es zu geben und nun wird es darum gehen, wie sie von internationalen Experten und Juristen bewertet werden.»

Schänzer bekräftigte nach der Pressekonferenz führender Hämatologen in Berlin, dass eine Suspendierung nur auf Grundlage erhöhter Retikulozyten wie bei Pechstein zumindest fragwürdig sei. «Die Retikulozyten können stark schwanken, gerade bei Frauen, die ja häufiger als Männer Blut verlieren. Deshalb ist mir dieser Wert allein zu unpräzise», sagte er und fügte hinzu, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA für den Blutpass Richtlinien herausgegeben habe, um auf Auffälligkeiten zu ermitteln.

Die WADA sage aber auch, dass jeder internationaler Verband sein eigenes Verfahren anwenden kann, wie das im Fall von Pechstein der Eislauf-Weltverband ISU getan hat. Schänzer räumte die Möglichkeit ein, dass bei konsequenter Anwendung der WADA-Richtlinien die Causa Pechstein gar nicht als Doping-Fall hätte gewertet werden können. «Das ist denkbar», sagte er und forderte, dass man «eine Harmonisierung anstreben sollte, also alle Verbände ihre Bewertungen unter gleichen Bedingungen vornehmen».

Zugleich betonte Wilhelm Schänzer, dass das Verfahren für den indirekten Beweis, wie es die WADA konzipiert hat, auf «einem sehr guten Weg» sei. Wichtig sei für ihn, «dass wir jetzt Hinweise haben, dass ein erhöhter Retikulozytenwert auch mit einer Blutanomalie zu erklären ist». Schänzer schlussfolgerte daher, «das Verfahren, nur Retikulozytenwerte zu berücksichtigen, ist kritisch, nicht aber das indirekte Beweisverfahren nach den WADA-Richtlinien. Es ist schlecht, wenn Ergebnisse kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert werden wie das in diesem Fall geschieht. Wenn sich tatsächlich herausstellt, dass die Werte durch eine Blutanomalie zustande kommen, dann muss man das in einem Blutpass berücksichtigen.»

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