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18.02.2013  |  von  |  0 Kommentare

Hamar (dpa) Eisschnelllauf im Sinkflug - «Fünf vor Zwölf»

Für Anni Friesinger-Postma ist bereits es «Fünf vor Zwölf», doch in der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft schrillen noch keine Alarmglocken.

Anni Friesinger-Postma sieht viele Probleme im deutschen Eisschnelllauf. Foto: Jerry Lampen  Bild: Foto: dpa



Anni Friesinger-Postma sieht viele Probleme im deutschen Eisschnelllauf. Foto: Jerry Lampen

«Die Situation ist natürlich nicht zufriedenstellend. Aber diese Entwicklung im Mehrkampf-Bereich war seit mehreren Jahren abzusehen», kommentierte DESG-Präsident Gerd Heinze die erste Allround-WM ohne deutsche Final-Teilnahme seit 41 Jahren. «Unsere Konzentration gilt allein den olympischen Einzelstrecken, der Mehrkampf ist in den zurückliegenden Jahren immer mehr in den Hintergrund gerückt», unterstrich der Präsident.

Anni Friesinger, die dreimalige Allround-Weltmeisterin und jetzt Expertin beim niederländischen Fernsehsender NOS, hatte am Wochenende im ZDF von «nicht ausgeschöpftem Potenzial» gesprochen, Probleme im Nachwuchs ausgemacht und die nicht ausreichende technische Entwicklung der Athleten kritisiert. Zuvor hatte sie bei NOS noch schärfere Worte gewählt. «Umso weit zu kommen, dafür haben sie im negativen Sinn hart gearbeitet. Vieles ist selbst verschuldet», meinte die 16-malige Weltmeisterin und machte Trainer sowie Funktionäre für die missliche Lage verantwortlich.

Teamchef Helge Jasch räumte ein, dass die Decke gerade bei den Damen sehr dünn geworden ist. «Aber seit zwei Jahren arbeiten wir an der Nachwuchsproblematik», konterte er. Auch Cheftrainer Markus Eicher wollte Friesingers Kritik nicht im Raum stehen lassen. «Anni ist sehr weit weg. Da sind Schuldzuweisungen immer einfach.» Doch teilweise gab er seinem früheren Schützling Recht. «Das Loch ist groß. Es dauert lange, es zu schließen. Wir haben Probleme, aber wir können uns keine Mehrkämpfer schnitzen», meinte Eicher.

Resigniert sei er von den deutschen Nachwuchsmeisterschaften heimgekehrt. «Kleine Felder, wenig Lichtblicke», konstatierte der Cheftrainer. Auch Präsident Heinze gab zu, dass der Verband in der Breite der Nachwuchs-Entwicklung alles andere als gut aufgestellt sei. Nicht einmal in den Zentren mit den attraktiven, aber auch teuren Hallen in Berlin, Inzell oder Erfurt seien die Kapazitäten ausgelastet. «Die Pyramide ist zu klein, der Zulauf an der Basis ist rückläufig», meinte Heinze. Zu wenige Kinder seien bereit, sich zu quälen und für den Sport auf andere Hobbys zu verzichten.

Mehrkampf-Bundestrainer Stephan Gneupel setzt den Hebel beim Schulsport an. «Wenn es nicht gelingt, dem Bewegungsmangel der Kinder schon in den Schulen entgegen zu wirken, wird sich die Situation im deutschen Leistungssport kaum verbessern», kritisierte der Erfurter, der Ursachen des Niedergangs auch in der Ausbildung und der mangelnden Attraktivität des Trainerjobs sieht. «Wir haben auch früher keine Riesenfelder gehabt. Und doch ist es uns gelungen, Talente zu finden, die uns die Medaillen gebracht haben. Nur das kann auch weiter unser Ziel sein», sagte Eicher.

Nicht anders als bei den Mehrkämpfern ist die Situation bei den Sprintern, die im Januar in Salt Lake City trotz hoffnungsvoller Herren-Leistungen das schlechteste WM-Ergebnis seit 36 Jahren in Kauf nehmen mussten. Und so zehrt der Verband von den Fortschritten, den Herren wie 1000-Meter-Spezialist Samuel Schwarz oder Langstreckler Moritz Geisreiter in dieser Saison gemacht haben. «Für die Einzelstrecken-WM im März sind wir gar nicht so schlecht aufgestellt», hofft Heinze. Doch bei den Damen tragen in Sotschi neben Olympiasiegerin Stephanie Beckert nur die beiden Oldies Claudia Pechstein (40) und Jenny Wolf (34) die Medaillen-Hoffnungen.

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