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London Wer entzündet das olympische Feuer?

27.07.2012
Heute Abend steigt die Eröffnungsfeier der 30. Olympischen Sommerspiele. Das Geheimnis des letzten Fackelträgers ist noch nicht gelüftet.

Die Royals im Olympia-Fieber.  Bild: dpa

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Es wird geschätzt, dass die halbe Menschheit, bis zu vier Milliarden Menschen, heute Abend zuschauen wird, wenn in London die 30. Olympischen Sommerspiele eröffnet werden. Vor rund 120 Staatsoberhäuptern und Regierungschefs sowie weiteren 62 000 Zuschauern im Olympia-Stadion zelebrieren 15 000 Mitwirkende eine Eröffnungsshow, die um 21.00 Uhr Ortszeit beginnt und bis nach Mitternacht dauern wird.

Dabei hat die Eröffnung eigentlich schon etwas mehr als zwölf Stunden vorher angefangen. Die Briten waren nämlich aufgerufen, heute Morgen um 8.12 Uhr richtig viel Krach zu machen. Der Künstler und Turner-Preis-Träger Martin Creed hatte sich das ausgedacht. Alle Glocken im Land, so Creed, mögen um zwölf Minuten nach acht läuten, und jedermann „so schnell und so laut wie möglich“ mitmachen, sei es nun mit Bimmeln oder Trommeln, Klatschen oder Läuten.

Selbst der altehrwürdige „Big Ben“, der Glockenturm des Parlaments, war eingebunden – was ganz gegen die Regel ist, denn sonst läutet Big Ben nur zur vollen Stunde. Zuletzt vorgekommen ist solch ein außerplanmäßiges Bimmeln bei der Beerdigung von König George VI. im Jahre 1952. Aber Olympia ist halt auch nicht immer. Wobei London nun schon zum dritten Mal, nach 1908 und 1948, die Sommerspiele ausrichten darf.

Danny Boyle zeichnet verantwortlich für die Gestaltung der „Opening Ceremony“ im Olympiastadion. Der Filmregisseur, bekannt geworden durch den Oscar-Abräumer „Slumdog Millionaire“, hat sich bei seiner Show bei Shakespeare und dessem Drama „Der Sturm“ bedient. Ihr Titel, die „Inseln der Wunder“, bezieht sich auf eine Rede von Caliban, der sagt: „Sei nicht furchtsam, die Insel ist voll von Geräuschen/Tönen und anmutigen Melodien, was Freude bringt.“ Die Eröffnungsshow soll, wie Boyle unterstreicht, „die unerschöpfliche Kreativität des britischen Genius zelebrieren“.

Mehr als allgemeine Themen wollte der Regisseur vorher eigentlich nicht verraten, aber bei rund 15 000 Teilnehmern, die seit Wochen die Show proben, blieb es nicht aus, dass einige Details schon ans Licht kamen. Die 70 Schafe zum Beispiel, und zwölf Pferde, zehn Hühner, neun Gänse, drei Kühe und zwei Ziegen. Das liebe Vieh soll zu Beginn der Show in einem zur idyllischen Grünfläche umgebauten Olympiastadion illustrieren, wie lieblich die englische Landschaft ist. Doch beim idyllischen Arkadien soll es nicht bleiben: Rauchende Schlote und finstere Fabriken werden aufsteigen, die industrielle Revolution symbolisierend, die in England begann. Ein Kaleidoskop des modernen Britanniens in seiner multikulturellen Vielfalt wird dann geboten: Ein Schiff repräsentiert die Einwanderer aus der Karibik, tanzende Krankenschwestern feiern die Institution des Nationalen Gesundheitsdienstes und selbst Voldemort, der böse Lord der Harry-Potter-Saga, soll auftauchen, allerdings dann von „Mary Poppins“ vertrieben werden.

Wer das olympische Feuer anzünden wird, ist tatsächlich noch immer Staatsgeheimnis. Die Buchmacher tippen auf Sir Steve Redgrave, der bei fünf Olympiaden Medaillen im Rudern gewonnen hat. Chancen werden auch dem ehemaligen Zehnkämpfer Daley Thompson gegeben, einem alten Weggefährten von Organisationschef Sebastian Coe. Sicher weiß man jedoch, wie der Abend ausklingt. Paul McCartney wird den Beatles-Hit „Hey Jude“ intonieren. Und man darf sich auch sicher sein, dass dann alle 15 000 Akteure und alle 62 000 Zuschauer im Stadion den Refrain mitsingen – schon weil er so einfach ist: „Na na na na na na na, na na na na, hey Jude.“
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