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Fernsehen "Sportschau Club" - die ARD kann richtig modern sein

ARD-Sportmann Alexander Bommes mutiert zur Geheimwaffe der ARD für eine moderne Sportberichterstattung. Der "Sportschau Club" ist um Längen besser als die Altherrenwitz-Runde von Vorgänger Waldemar Hartmann.

Der DFB-Viertelfinalkracher FC Bayern München gegen Borussia Dortmund war vorbei, die Zusammenfassung des Spiels VfB Stuttgart gegen Bochum überstanden, das Echo der letzten Dialoge des Duos Scholl/Delling verhallt. Es war kurz nach 23 Uhr Mittwochnacht, als Fußballfans noch einen besonderen Leckerbissen angeboten bekamen. Der "Sportschau Club" mit Alexander Bommes war unterhaltsam und informativ. In lockerer Runde entlockte der 36-Jährige seinen Gästen Lewis Holtby und André Schürrle mehr als es den Kollegen im inzwischen reichlich angestaubt wirkenden Aktuellen Sportstudio des ZDF gelingt.

Schub für Bommes' Karriere durch Olympia 2012

Einem breiteren Fernsehpublikum ist Alexander Bommes als Mann des Olympia-Telegramms in der ARD im Sommer 2012 bekannt geworden. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie gelang es ihm, auch die eigentlich unaussprechlichen Namen von Medaillengewinnern in fast unbekannten Sportarten so zu präsentieren, dass der Sportfan nicht wegzappte. Die Tageszeitung "Die Welt" nannte Bommes nach den Spielen den "TV-Sieger von Olympia", der auf einer "Coolness-Welle" surfte.

Alexander Bommes kann es mit Holtby und Schürrle

Diese Lockerheit hat sich Bommes trotz des großen Lobs von vielen Seiten bewahren können. Im Spätprogramm der ARD darf er so bleiben, wie er eben ist. Mittwochnacht schäkerte er mit den beiden Jung-Nationalspielern Holtby und Schürle als säße er mit ihnen nicht vor TV-Kameras, sondern privat beim Pils. Fast beiläufig entlockte er dem Leverkusener André Schürrle, dass dieser offensichtlich lieber mit Kumpel Holtby in England kicken würde als beim Werksclub. Auch wenn Schürrle das - so viel Profi ist er dann doch - nicht aussprach, hatten es alle verstanden. Das war Tiefgründigkeit mit Unterhaltugnswert. Etwas, was Bommes' Vorgänger Waldemar Hartmann in der Vorgänger-Sendung nie gelungen war. Dort riss Komiker Matze Knoop Zoten als Beckenbauer- oder Klopp-Double. Das war selten lustig, dafür häufig peinlich.

Das Konzept des "Sportschau Clubs" der ARD geht auf. Arnd Zeigler, Fußball-Experte und mit wunderbarem Humor gesegneter Werder-Fan, trug seinen Teil dazu bei. Selbst die Einbindung von Twitter und Facebook gelang der ARD in dieser Sendung, ohne anbiedernd zu sein. Julia Scharf, Twitter-Tussi ohne Tussi-Allüren, fasste die Meinungen der Online-Gemeinde gekonnt und souverän zusammen. Keine Frage, sie hat die neuen Medien verstanden.

"Sportschau Club" lässt Waldi alt aussehen

Der "Sportschau Club" ist mehr als ein besserer Nachfolger für Waldis Weißbier-Runde, es lässt die Zoten-Runde alt aussehen und ist eine nachträgliche Gratulation an die ARD, dass sie den Vertrag mit Hartmann nicht verlängert hat. Dem Team aus Alexander Bommes, Julia Scharf und Arnd Zeigler ist einzig noch etwas mehr Sendezeit zu wünschen, damit es seine unbestrittenen Stärken in Zukunft vielleicht in mehr als nur 30 Minuten ausspielen kann (hier der Link zur ARD-Mediathek mit der kompletten Sendung).

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