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Konstanz „Ghana hat einen Klima-Vorteil“

Der Konstanzer Arzt Kurt Mosetter betreut bei der Fußball-WM das Team USA. Der Mediziner erwartet extreme Temperaturen in Brasilien - entsprechend plant er in Absprache mit Nationalcoach Jürgen Klinsmann seit der WM-Auslosung im Dezember die optimale Vorbereitung auf das Hitze-Erlebnis.

Piranhas und Alligatoren fühlen sich hier wohl, und wahrscheinlich schlängelt auch manche Anakonda bei 33 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit wie in der Dampfsauna glückselig durch das Dschungel-Dickicht. Doch wer hier Fußball spielt, der ist entweder Masochist oder Nationalspieler der USA beziehungsweise Portugals. „Das wird furchtbar“, weiß der Konstanzer Arzt Kurt Mosetter, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien die USAmerikaner betreuen wird, die bei ihrem zweiten Gruppenspiel am 23. Juni auf Cristiano Ronaldo & Co. treffen werden. „Da glaubt man, dass man gegen eine Wand läuft“, erklärt der 49-Jährige die klimatischen Bedingungen am Amazonas. Entsprechend plant er in Absprache mit Nationalcoach Jürgen Klinsmann seit der WM-Auslosung im Dezember die optimale Vorbereitung auf das Hitze-Erlebnis, das in der Vorrunde auch Spiele im heißen Norden (Natal/Recife) beinhaltet.

„Die Grundlagen-Ausdauer ist entscheidend“, sagt Mosetter in seiner Konstanzer Praxis, wo er zusammen mit seinem Team Fußballer aus halb Europa betreut. „Die Vorbereitung auf die WM hat bei den Sportlern längst begonnen“, schließlich erfordere das extreme Klima eine noch präzisere Feinjustierung der Trainingspläne. „Je weniger Fett ein Spieler hat, je weniger schwitzt er. Je weniger er schwitzt, desto weniger Elektrolyte verliert er – und kann daher noch rennen, wenn die Körper der anderen bereits stocksauer sind.“ Wer stocksauer ist, also ausgelaugt, dem geht spätestens in Halbzeit zwei irgendwann die Puste aus, dem fehlt die Konzentration im entscheidenden Moment.

Die USA haben bereits diese Woche ein erstes Trainingscamp in Brasilien bezogen, werden dort von Niklas Albers betreut, einem engen Mitarbeiter des Konstanzer Arztes, dessen Idealbild als Spieler Cristiano Ronaldo verkörpert. „Er ist unglaublich austrainiert, ein super Athlet“, erklärt der Begründer der Myoreflex-Therapie, der 2008 wegen eines Bandscheibenvorfalls Jürgen Klinsmann behandelte und seither eng mit dem ehemaligen Weltklasse-Spieler befreundet ist. Mosetter wird am 10. Juni nach Brasilien fliegen, sechs Tage später beginnt die WM-Endrunde. In der Gruppe G treffen die USA auf Deutschland, Portugal und Ghana. „Eine extrem schwere Gruppe“, so der Konstanzer Arzt, der kurz nach der Auslosung mit Klinsmann telefonierte. „Er hat nicht mit dem Los gehadert. Das ist nicht seine Art. Vielmehr haben wir sofort begonnen, zu planen.“ Inzwischen steige die Spannung täglich, auch „weil der Jürgen eine Mannschaft perfekt inspirieren kann. Der hat bereits bei uns allen ein Feuer entfacht.“

Trotzdem bleiben die USA der Außenseiter, höchstens der Geheimfavorit der Gruppe. Das weiß auch Mosetter. Deutschland, der Gegner im letzten Gruppenspiel am 26. Juni, habe so viele Spitzenspieler, dass auch die Zusatzbelastungen egalisiert werden können, die Philipp Lahm & Co. bis dahin durch die vielen Champions-League-Partien in den Knochen stecken werden. Die Portugiesen haben eben Ronaldo, den frisch gekürten Weltfußballer. Und die Ghanaer, gegen die die USA ihren WMAuftakt am 16. Juni bestreiten werden, schätzt Mosetter als beste afrikanische Mannschaft ein, die ohnehin einen entscheidenden Vorteil habe: „Das Klima kommt Ghana sicherlich entgegen.“ Damit widerspricht er DFB-Mannschaftsarzt Tim Meyer, der diesen Effekt kurz nach der Auslosung als eher gering eingeschätzt hatte, weil die meisten afrikanischen Spieler bei Clubs in Europa unter Vertrag stehen. „Das ist nicht entscheidend“, argumentiert dagegen Mosetter, „denn diese Spieler haben in der Kindheit gelernt, wie man mit solchen Verhältnissen umgeht, haben genetisch andere Voraussetzungen. Das ist schon ein großer Vorteil.“ Dem wollen die USA mit einer optimalen Vorbereitung entgegentreten, bei der auch Kleinigkeiten entscheidend sind.

Die Klimaanlage lässt Mosetter in den Teamhotels ausschalten, Eis in Erfrischungstränken ist auch verboten – zu groß ist das Erkältungsrisiko. Die Ernährung und ausreichend Schlaf sind weitere Faktoren, auf die Albers und Mosetter achten werden. Gleiche Ratschläge werden allerdings auch dem Team Ghana erteilt werden, bei dem ein anderer Kollege von Mosetter Hand anlegt. „Hagen Stroh, der zehn Jahre lang bei uns in Konstanz arbeitete, wurde auf Empfehlung von Kevin Prince-Boateng verpflichtet“, weiß Mosetter, der auch mit Klaus Eder, dem Physiotherapeuten der deutschen Nationalmannschaft befreundet ist. Die Wetten zwischen den Medizinern, wessen Team am besten in Brasilien abschneiden wird, sollen in den nächsten Tagen ausgemacht werden. Danach herrscht dann Funkstille, denn natürlich will keiner dem anderen Internas verraten. Vielleicht trifft sich die international tätige Mediziner-Crew mit Wurzeln beziehungsweise Kontakten zum Bodensee wenn die WM längst Geschichte sein wird, wenn Piranhas, Alligatoren und Anakondas am Amazonas wieder ihre Ruhe haben werden, um Wettschulden zu begleichen. Oder um einen Weltmeistermacher zu feiern – wahrscheinlich mit kühlen Getränken und enormer Grundlagenausdauer.

Zur Person

Privat: Kurt Mosetter unterhält Niederlassungen in Konstanz, Köln, Herrenberg und Gutach. Der 49-Jährige ist verheiratet und lebt im Raum Konstanz.

Sportler: 2006 begann die Zusammenarbeit mit den Bundesliga- Fußballern der TSG 1899 Hoffenheim, inzwischen setzten viele weitere Sportler auf die Myoreflextherapie. „Begonnen hat alles damit, dass ich bei Ralf Rangnick einen Bandscheibenvorfall behandelte.“ Seit 2011 gehört er zum medizinischen Team der US Fußball-Nationalmannschaft.

Die Therapie: Bei der Myoreflextherapie wird auf bestimmte Punkte am Körper Druck ausgeübt. Auf diese Weise entspannen sich die Muskeln und die Schmerzen lassen nach. Wenn Fehlhaltungen, einseitige Belastung oder Stress zu Muskelverspannungen führen, dann kommt es häufig nicht nur zu lokalen Beschwerden. Plötzlich schmerzt ein ganz anderer Körperteil, denn das komplexe Zusammenspiel der Muskelgruppen ist gestört. Diesen Teufelskreis möchte die Myoreflextherapie durchbrechen. 

Mehr Infos im Internet: http://www.myoreflextherapie.de

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