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2. Fußball-Bundesliga Bevor der Holländer fliegt, tritt er lieber zurück

Jos Luhukay gibt Traineramt beim Fußball-Zweitligsten VfB Stuttgart ab. Olaf Janßen übernimmt seine Aufgaben vorläufig. Vorangegangen war eine öffentliche Auseinandersetzung mit Sportchef Jan Schindelmeiser.

Da geht er hin. Mit Koffer in der Hand auf dem Weg in die Arnulf-Klett-Passage, zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Nur noch weg hier, mag sich Jos Luhukay gedacht haben. Dem Internet sei Dank, wird seine eilige Abreise bereits bekannt, bevor der Fußball-Zweitligist VfB Stuttgart bekannt gibt, man habe sich „einvernehmlich auf die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit verständigt“. Ein Fan hat den Trainer fotografiert und teilt das Bild des eilenden Niederländers mit der gesamten (Fußball)-Welt. Der Verein muss sich in diesen Minuten noch sammeln, die übliche Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel in Kaiserslautern am Samstag wird verschoben.

Statt des eines Zweitligisten angemessenen gemäßigten Medieninteresses, herrscht eineinhalb Stunden später im Stuttgarter Presseraum ein Andrang wie zu besten Erstligazeiten. Luhukay hat seinen Rücktritt da bereits über seine Anwälte mit mangelndem Vertrauen zur Vereinsspitze begründet. Um erfolgreich zusammenarbeiten zu können, benötige es demnach „immer eine einheitliche Linie aller sportlichen Verantwortlichen bei der Zusammenstellung und Führung des sportlichen Bereichs und ein uneingeschränktes Vertrauen in meine Arbeit“. Das sah der 53-jährige Trainer nicht mehr gegeben. Beobachtern war dieses Missverhältnis zu diesem Zeitpunkt längst klar. Der Konflikt zwischen Luhukay und Sportchef Jan Schindelmeiser, der nun statt dem Coach zur Pressekonferenz erschien, war spätestens nach der Niederlage gegen Heidenheim vor einer Woche (1:2) nicht mehr zu überhören. Luhukay beschwerte sich über die Zusammensetzung des Kaders, war mit den drei Neuverpflichtungen, Carlos Mané (22), Takuma Asano (21) und Benjamin Pavard (20), nicht einverstanden und wollte für das Projekt Aufstieg erfahrene Spieler.

Schindelmeiser erklärte dazu: „Drei Tage vor dem Ende der Transferperiode hat Luhukay gesagt, dass er sie doch nicht will.“ Zuvor sei der Trainer über die Transfers „selbstverständlich informiert“ gewesen.

Luhukay bemängelte auch, dass er mit Spielern aus 15 Ländern arbeiten müsse. Eine Kritik, die Aufsichtsratmitglied und Daimler-Vorstand Wilfried Porth mit Blick auf seinen Arbeitgeber nicht gelten lassen wollte: „In Sindelfingen haben wir 145 Nationen und bauen trotzdem die besten Autos.“ Dass den Aufstiegskandidaten aus Stuttgart der Rücktritt des Trainers trotzdem überraschte, zeigt der Blick auf die Nachfolge: Es übernehmen der bisherige Co-Trainer Olaf Janßen (49) und die beiden Ex-Profis Andreas Hinkel (34) und Heiko Gerber (44) – zumindest vorerst. „Auch wenn wir aus den ersten beiden Spielen sieben Punkte holen: Es bleibt eine Interimslösung“, stellte Schindelmeiser bei der Pressekonferenz klar. Der Frage, ob er schon mit potenziellen Nachfolgern gesprochen habe, wich er aus und ließ lediglich durchblicken, er habe „konkrete Vorstellungen und versuche die im Sinne des Clubs umzusetzen.“ Jos Luhukay war da wohl schon in irgendeinem Schnellzug – ganz weit weg vom VfB.

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