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Sport „Kopf, Willen, Form spielen eine Rolle“

5000-Meter-Läufer Richard Ringer vom VfB LC Friedrichshafen will bei Olympia in Rio de Janeiro eine bessere Platzierung erreichen als 2015 bei der WM in Peking. Dort wurde er 14., „aber auch ich entwickle mich“, sagt Ringer 

Herr Ringer, bei der WM 2015 in Peking waren Sie 14. über 5000 Meter – was haben Sie sich für die Olympischen Spiele in Rio vorgenommen?

Der 14. beste 5000-Meter-Läufer der Welt zu sein, ist schon ein enorm tolles Gefühl, zumal gerade in den Laufdisziplinen andere Kontinente deutlich stärker einzuschätzen sind als Europa. Bei Olympischen Spielen sind wie bei einer WM natürlich die besten Läufer der Welt am Start und wahrscheinlich sind sie dann sogar noch stärker, weil die Konzentration auf dieses nur alle vier Jahre stattfindende Event einen viel höheren Stellenwert für uns Sportler hat. Aber auch ich entwickle mich weiter und will eine bessere Platzierung erreichen als bei der WM.

Mit Ihrer Bestzeit von 13:10 Minuten stehen Sie derzeit an vierter Stelle der ewigen deutschen Bestenliste über 5000 Meter, Sie haben Läuferlegenden wie Harald Norpoth oder Thomas Wessinghage hinter sich gelassen – was gibt Ihnen das?

Ich habe mir lange keine Gedanken darüber gemacht, aber wenn man mit etwas Abstand zurückschaut und jetzt mit solchen Berühmtheiten in einem Zug genannt wird, weiß man, dass vieles richtig gelaufen sein muss. Ich werde immer wieder darauf angesprochen, das ist sehr schön.

Hand aufs Herz: Sind die Kenianer und Äthiopier – natürlich vor allem auch der Brite Mo Farah – einfach nicht zu knacken?

Wenn ich das denken würde, hätte ich schon verloren. Aber klar ist gerade Mo derzeit einfach zu gut. Und doch ist gerade bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen die Chance größer, diese Athleten zu schlagen. Denn es gilt nicht nur, am Tag X in Top-Laufform, sondern auch taktisch voll auf der Höhe zu sein. Kopf, Willen und Form spielen eine Rolle. Genau da liegt meine Chance, zuzuschlagen.

Im vergangenen Jahr gab es reichlich Dopinggerüchte um die kenianischen Läufer. Was sagen Sie dazu?

Natürlich ist Doping – gerade auch nach dem Skandal in Russland – ein sehr ernst zu nehmendes Thema. Es ist sehr hart zu sehen, wie einige Manager, Coaches und Athleten den Sport Leichtathletik mit ihrem Geldwahn kaputt machen und so uns saubere Sportler betrügen und die Erfolge wegnehmen. Sobald ich aber an der Startlinie stehe, blende ich die Dopingproblematik aus. Sonst machst du dir da den Kopf zu und läufst schlecht. Die Wurzeln des Läufers erkenne ich allerdings wirklich in Afrika. Laufen ist dort Volkssport Nummer eins. Die Anzahl an Lauftalenten ist größer als irgendwo sonst in der Welt. Von 1000 kenianischen Läufern kommen vielleicht 100 durch und nur die Besten starten in Europa, um Geld zu verdienen. Bei uns haben vielleicht zehn Läufer eine Chance auf eine internationale Meisterschaft und ganz wenige schaffen es ganz nach vorne. Bei uns in Deutschland konzentriert sich vieles einseitig auf die Ballsportarten, die auch entsprechend gefördert werden.

Wie lässt sich Ihr professionelles und zeitaufwendiges Training mit Ihrer Teilzeitstelle als Betriebswirt bei der MTU vereinbaren?

Mit der MTU Friedrichshafen habe ich einen Arbeitgeber gefunden, der viel Verständnis für meinen zweiten Job hat und mich, wo er kann, unterstützt. Dies ist nicht selbstverständlich und ich bin sehr dankbar dafür.

Wie muss man sich Ihren Tagesablauf vorstellen?

Der sieht meist wie folgt aus: Nach neun Stunden Schlaf, den ich als Läufer brauche, frühstücke ich und gehe dann morgens knapp zwei Stunden trainieren, bevor es um 12 Uhr Mittagessen gibt. Um 13Uhr ist für mich Arbeitsbeginn in meinem richtigen Beruf bei der MTU in Friedrichshafen als Controller für neue Produkte. Meist arbeite ich bis 17.30 Uhr und um 18 Uhr beginnt dann die zweite zweistündige Trainingseinheit. Somit komme ich in der Regel um 21 Uhr wieder nach Hause und wenn ich noch zur Physiotherapie gehe, zieht sich das Ganze nach hinten hinaus. Um 23 Uhr bin ich dann spätestens im Bett, also bleibt unter der Woche keine Zeit, um andere Dinge außer Sport und Beruf zu erledigen.

Sie werden am 27. Februar 27 Jahre alt – sind also für einen Langstreckenläufer noch recht jung. Kommt Ihre beste Zeit noch? Vielleicht ja auch mal als 10 000-Meter-Läufer oder sogar Marathonstarter?

In der Tat reift man als Läufer mit der Zeit. Ich denke schon, dass ich noch einige Jahre vor mir habe, in denen ich mich steigern kann. Jetzt kommt ja erst mal Olympia. Mein Plan ist es, noch bis 2020 auf der Bahn zu bleiben und falls sich zeigt, dass ich auch auf der Straße laufen kann, versuche ich mich am Marathon. Ob das dann klappt, ist eine andere Frage. Vor der Marathondistanz hab ich einen Riesenrespekt, aber bisher habe ich mich damit noch nicht wirklich auseinandergesetzt.

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