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12.05.2013  |  von  |  0 Kommentare

San Francisco (dpa) Nach tödlichem Unfall Kritik an Monster-Katamaranen

Der America's Cup steht nach dem tödlichen Unfall von Andrew Simpson in der Kritik. Die neuen Katamarane sind spektakulär - aber auch gefährlich. Eines der Herausforderer-Teams denkt bereits über einen Rückzug nach.

Nach dem Unfalltod von Andrew Simpson gibt es Kritik an den riesigen Booten. Foto: John G. Mabanglo  Bild: Foto: dpa



Nach dem Unfalltod von Andrew Simpson gibt es Kritik an den riesigen Booten. Foto: John G. Mabanglo

Nach dem Unfalltod von Olympiasieger Andrew Simpson ist der reformierte America's Cup in schwere Schieflage geraten. Die Kritik an den ebenso spektakulären wie aber auch gefährlichen XXL-Katamaranen ist groß, die ersten erwägen bereits den Rückzug.

«Der America's Cup ist in seiner jetzigen Form nicht gut. Aus einem romantischen America's Cup ist ein Extremsport geworden», bemängelte Patrizio Bertelli, der seit Jahrzehnten mit seinen Luna-Rossa-Teams bei der prestigereichsten Segelschau vertreten ist.

«Ich werde mein Team entscheiden lassen, ob wir weitermachen und jede Antwort akzeptieren. Wir haben uns dafür 48 Stunden Zeit genommen», ließ der Prada-Patriarch am Samstag verlauten. Das Sailing Team Germany hat sein Nachwuchsteam schon vom Youth America's Cup abgemeldet. Der Grund: Sicherheitsbedenken.

Vor der Bucht von San Francisco, wo sich der schreckliche Trainingsunfall am vergangenen Donnerstag ereignet hatte, ist jeglicher Einsatz der imposanten AC 72-Katamarane zunächst bis diesen Montag verboten. Die ansässige Polizeibehörde und das America's-Cup-Management unter Leitung von Regattadirektor Iain Murray haben die Untersuchungen in Kooperation mit dem Team Artemis Racing aufgenommen.

Cup-Kenner aber machen sich keine Illusionen. Der zweimalige America's-Cup-Gewinner Jochen Schümann sagt: «Den Unfalltod von Andrew Simpson möchte ich gar nicht kommentieren. Der Crash selbst kam nicht überraschend. Er war nicht der erste und wird nicht der letzte sein, denn die Rennen beginnen ja erst...»

Wie gefährlich die 22 Meter langen Boote mit zwei Rümpfen und einem 40 Meter hohen Mast mit einem festen 260 Quadratmeter großen Flügelsegel aus Kohlefaser und Trimmklappen sind, ist selbst dem Titelverteidiger-Team bewusst. «Je stärker du beschleunigst, je schneller segelst du. Aber es besteht die Gefahr, dass Du gegen eine Wand fährst», hatte Skipper James Spithill vom Oracle Team USA erst im März gesagt. Er hatte selbst am Steuer gestanden, als der Oracle-Katamaran im Oktober 2012 kenterte. Damals gab es trotz dramatischer Szenen keine schweren Verletzungen.

Simpsons Tod erschütterte aber die Segelwelt und stellte das Konzept infrage. Statt auf Einrumpfyachten wird auf monströsen Katamaranen gesegelt. Die Cup-Verteidiger und Veranstalter, die der historischen Cup-Stiftungsurkunde entsprechend das Format der 34. Auflage in diesem Sommer bestimmen durften, wollen damit «raus aus dem Flintstone-Zeitalter und rein in die Facebook-Generation». Mehr Spektakel, mehr Zuschauer für eine Formel 1 der Weltmeere.

Vor allem bringt sie aber auch eine neue Kentergefahr. So war die Yacht des schwedischen Teams Artemis Racing bei nicht allzu schweren Bedingungen gekentert und gebrochen. Simpson, Vater zwei kleiner Jungen, wurde unter der Plattform des Katamarans eingeklemmt, er ertrank.

«Es wird der erste und auch der letzte Cup mit AC-72-Yachten sein», meinte Bertelli. Seines ist bislang eines der gerade mal drei Herausforderer-Teams - zehn bis zwölf waren einst angestrebt. Beginnen soll die Herausfordererrunde um den Louis Vuitton Cup am 7. Juli. An diesem Dienstag wollen sich die insgesamt vier Teams zu Gesprächen über mögliche Konsequenzen aus dem Unfall treffen.

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