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St._Georgen

"Fühlen uns von einer Welle überrollt"

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Denise Klecker will bei den Schwenninger Hockey-Herren mitspielen.
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Der Mann klingt genervt. Kein Wunder, denn bei Fritz Tremmel steht das Telefon nicht mehr still. "Vier Zeitungen und vier Radiosender haben heute schon bei mir angerufen", sagt der 1. Vorsitzende des HC Lahr. Am liebsten würde er über das leidige Thema überhaupt nicht mehr sprechen. Doch dann tut er es doch; der Fall Denise Klecker verlangt nach einer Antwort. Und Fritz Tremmel hat eine parat: "Es kann nicht sein, dass man uns bundesweit als Buhmänner hinstellt."

Im vergangenen September zog Hockey-Olympiasiegerin Denise Klecker von Rüsselsheim nach Singen. Da sie bei einer Schwenninger Krankenkasse als Diplom-Pädagogin arbeitet, waren die Kontakte zum Hockey-Oberligisten HV Schwenningen schnell geknüpft. Aus dem gemeinsamen Training mit den Herren entwickelte sich bald der Wunsch, auch in der Oberliga-Mannschaft zu spielen (wir berichteten). "Es macht richtig Spaß mit den Jungs", hatte die 34-Jährige damals ihre ersten Eindrücke geschildert.

Doch das Regelwerk schob dem Ansinnen einen Riegel vor. Frauen in Männermannschaften - das ist nur in den untersten Ligen erlaubt. Der HV Schwenningen wollte sich aber nicht geschlagen geben und suchte nach einer Lösung, Denise Klecker doch noch im Herren-Team mitspielen zu lassen. "Wir plädieren nicht dafür, dass die Spielordnung geändert wird; wir wollen für Denise Klecker nur eine Ausnahmegenehmigung erreichen", sagt Christian Arnold vom HV Schwenningen. Also forderte der Club die übrigen Oberliga-Clubs per E-Mail zu einer Abstimmung auf und erhielt Arnold zufolge dieses Ergebnis: "Bis auf Lahr stehen alle Teams dahinter und fänden es phantastisch, wenn Denise bei uns mitspielen würde."

Wegen des Vetos sieht sich der Tabellenführer aus der Ortenau nun zum Sündenbock abgestempelt. Eine Rolle, die Tremmel nicht akzeptieren will. Gleichwohl bekräftigte er gestern noch einmal das Nein im Fall Klecker. "Wir fühlen uns von einer riesigen Welle überrollt. Aber an unserer Haltung hat sich nichts geändert. Es kann nicht sein, dass während einer Saison die Statuten geändert werden. Das wäre kein Sport, sondern Wettbewerbsverzerrung. Würden wir zustimmen, kämen wir ins Narrenblättle."

Tremmel betont, dass die ablehnende Haltung der Lahrer nichts mit der Spielerin zu tun habe. Auch habe man keine Angst, dass Denise Klecker von den Schiedsrichtern bevorteilt werde, wie kolportiert wurde. Was ihn aber stört, ist der gewaltige Zeitdruck, unter den sich der HC Lahr angesichts des öffentlichen Wirbels gesetzt fühlt. "Man kann von uns nicht innerhalb von drei Tagen solch eine Entscheidung verlangen." Nach Ende der Runde sei auch des HC Lahr gerne bereit, über eine Änderung der Statuten zu sprechen, aber nicht jetzt.

Finden die Hockey-Herren des HV Schwenningen nicht doch noch eine andere Lösung, wird Denise Klecker wohl bis auf weiteres mit dem Training bei den Herren vorlieb nehmen müssen. Eine andere Wahl bleibt der 185-fachen Nationalspielerin ohnehin nicht. "In Stuttgart wäre die nächste Frauenmannschaft auf geeignetem Niveau, aber das ist 140 Kilometer entfernt." Werner Feisst

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