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Regionalsport Schwarzwald Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier: Meine Tipps sind für alle nützlich

03.03.2010
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SÜDKURIER-Interview mit dem ehemaligen Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier vor seinem Auftritt in der Neuen Tonhalle in VillingenWenn Sie heute ein Fußballspiel anschauen – achten Sie mehr auf das Spiel oder auf den Schiedsrichter?Ich schaue nur auf den Referee. Als Chef der Schweizer Schiedsrichter muss ich am Ball bleiben, sonst kommt man nicht mehr mit.

Mein pures Interesse am Auftritt der Schiedsrichter führte schon dazu, dass ich nach dem Schlusspfiff nicht wusste, wie das Spiel ausging.

Nach dem nicht gegebenen Tor im Bundesligaspiel SC Freiburg gegen Schalke 04 und dem klaren Abseitstreffer von Bayern Münchens Stürmer Miroslav Klose gegen Florenz wird der Ruf nach technischen Hilfsmitteln immer lauter. Ist es noch zeitgemäß, dass ein Spiel, bei dem es um Millionen geht, allein von der Wahrnehmung eines Schiedsrichters abhängt?

Bei der Frage Tor oder nicht Tor bin ich ganz klar für technische Hilfsmittel. Ob das eine Torkamera erledigt oder ein Chip im Ball, spielt für mich keine Rolle. Hauptsache, es funktioniert. Anders sieht es bei den übrigen Entscheidungen aus. Ob ein Foul gepfiffen wird, ein Handspiel oder Abseits, sollte man weiterhin den Schiedsrichtern überlassen. Wenn man auch hier von außen eingreift, macht das den Fußball nicht attraktiver, sondern eher kaputt.

Beim EM-Viertelfinale 2004 zwischen Portugal und England haben Sie den Engländern in der 89. Minute ein Tor verweigert. Prompt schied England im Elfmeterschießen aus. Anschließend erhielten sie mehrere Morddrohungen. Mit welchen Gefühlen reisen Sie heute nach England?

Ich war seit dem Spiel nicht mehr in England. Aber das war wohl eher Zufall. Ich hätte kein Problem, heute in London einen Kurzurlaub zu verbringen. Außerdem kennt mich in England keiner mehr. Auch den Schmerz von damals haben die Engländer längst vergessen.

Werden Sie bei der Fußball-WM in Südafrika erneut als Experte auf einem Fernsehkanal zu sehen sein?

Ich werde beim ZDF während der WM eine eigene Rubrik bekommen und Spielsituationen besprechen, bei denen Schiedsrichter eine entscheidende Rolle spielen. Ich genieße es, auch bei der WM 2010 dabei zu sein.

Nach der WM 2006 erhielten Sie zusammen mit Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp für Ihre Spielanalysen den Deutschen Fernsehpreis. Hätten Sie bei der WM in Südafrika wieder gerne mit den beiden vor der Kamera gestanden?

Mit Kerner und Klopp hatte ich eine tolle Zeit. Doch nun geht jeder seinen eigenen Weg. Ich bin überzeugt, dass auch Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn bei der Fußball-Weltmeisterschaft ein klasse Bild abgeben.

Fehlen den international pfeifenden Schiedsrichtern originelle Typen wie Pierluigi Collina oder hat ein bisschen Show auf dem Platz keinen Platz mehr?

Ein Schiedsrichter darf während eines Spiels nicht im Vordergrund stehen. Aber wenn er gefordert ist, soll er auch im Großformat erscheinen. Collina war zu meiner Zeit unser Zugpferd. Heute fehlen solche Typen. Die meisten Schiedsrichter sind nicht sehr bekannt.

Sie sind ein Mann, der als Schiedsrichter blitzschnelle Entscheidungen zu seinem Beruf gemacht hat. Jetzt geben Sie ihre Erfahrung weiter und übertragen sie in viele Lebenslagen. Was darf das Publikum von ihrem Vortrag in Villingen erwarten?

Die Besucher dürfen sich auf Geschichten aus dem Fußball freuen. Außerdem ziehe ich Parallelen zwischen Schiedsrichtern und Führungskräften aus der Wirtschaft. Meine Tipps sind für alle nützlich, die mit Menschen zu tun haben, zum Beispiel auch für Lehrer. Außerdem führt jede Hausfrau mit ihrem Haushalt einen kleinen Wirtschaftsbetrieb und muss täglich wichtige Entscheidungen treffen.

Vor welchen Entscheidungen drücken Sie sich am liebsten?

Knifflig wird es immer, wenn es um Menschen geht, die einem nahe stehen. Da spielt immer die Angst eine Rolle, jemanden zu verletzen. Aber das Bestreben, die Sache möglichst schmerzfrei zu machen, birgt auch Gefahren. Zögern bringt nichts. Da ist die Heftpflaster-Methode besser: Einmal schnell abreißen. Das tut im ersten Moment zwar weh, aber dann ist wieder alles gut.

Fragen: Werner Feisst

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