Mein

Leichtathletik Verena Kohnle: ein Natur-Talent

20.10.2011
Zum Thema


Leichtathletik: Verena Kohnle hat sehr gerne männliche Gesellschaft. Zumindest sah es beim Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen danach aus.

Da hatte sie auf der Halbmarathon-Strecke fast ausschließlich männliche Begleitung. Der Grund: Verena Kohnle war zu schnell für ihre Konkurrentinnen. Über drei Minuten hatte sie im Ziel Vorsprung auf die Zweitplatzierte. Für die 30-Jährige war der Erfolg vor eineinhalb Wochen nach 2010 bereits der zweite Sieg in Bräunlingen: „Beide Male hätte ich davor nicht damit gerechnet“, meinte die gebürtige Peterzellerin nach ihrem erneuten Triumph auf der 21 Kilometer-Strecke.

Verena Kohnle ist, was den Laufsport betrifft, offensichtlich ein Naturtalent. Kaum vier Jahre ist es her, seitdem sie ihren ersten Halbmarathon hinter sich hat. Ein Jahr später, 2008, hat sie nach ihren eigenen Worten „richtig angefangen zu trainieren“. Mittlerweile liegt ihre Bestzeit bei 1.28 Minuten. In Bräunlingen setzte sich Verena Kohnle in einem Feld von knapp 320 Läuferinnen durch. „Ich habe recht schnell festgestellt, dass ich beim Laufen recht gut bin. Bei den meisten Rennen gehöre ich fast immer zu den besten zehn Prozent“, sagt die 30-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Ihr Freund sitzt schmunzelnd nebendran und meint süffisant: „Ich würde eher sagen, zu den besten ein Prozent.“ Für die Doktorin der Physik zählt beim Laufsport aber nicht nur das nackte Ergebnis: „Das Besondere ist, dass man gut Abschalten kann.“

Verena Kohnle „baute“ ihr Abitur am Thomas-Strittmatter-Gymnasium in St. Georgen. Danach studierte sie an der Universität in Konstanz Physik und absolvierte in den vergangenen vier Jahren in Lausanne (Schweiz) ihre Doktor-Arbeit.

Mittlerweile lebt und arbeitet Verena Kohnle in Zürich. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist der Halbmarathon Bräunlingen ihr liebster Wettkampf: „Der Schwarzwald ist meine Heimat“, sagt sie mit erhobener Stimme. Da spielt es auch keine allzu große Rolle, dass sie ihre angestrebte Zeit von 1.26 Stunden um vier Minuten verpasste. Die Witterungsbedingungen waren alles andere als optimal. „Außerdem“, erzählt Verena Kohnle, „meinte ein Radfahrer nach sieben Kilometern zu mir, dass ich einen großen Vorsprung zu den anderen Frauen habe. Da war mir der Sieg wichtiger als die Zeit.“

Nach 1.30,20 Minuten lief die junge Frau mit der Startnummer 1455 über die Ziellinie. Im Halbmarathon-Feld der über 800 Männer hätte das Rang 55 bedeutet. Dass Verena Kohnle auf der Strecke meist von Männern umgeben ist, stört sie nicht. Dabei vernahm sie in Bräunlingen unterschiedliche Reaktionen: „Manche waren besonders ehrgeizig, wenn ich sie überholen wollte. Andere freuten sich mit mir, weil ich die Führende bei den Frauen bin.“

Auf den 21 Kilometern fühlt sich Verena Kohnle sichtlich wohl. Einen kompletten Marathon ist sie bisher noch nie gelaufen. „Um bei Marathon-Rennen mitzulaufen, müsste ich mehr trainieren. Dafür hab ich leider nicht die Zeit.“ Derzeit zieht sie an vier, fünf Tagen in der Woche die Laufschuhe an und spult dabei ein Trainingspensum von rund 80 Kilometern ab.

Im nächsten Jahr könnte Verena Kohnle in Bräunlingen den Halbmarathon-Hattrick perfekt machen. „Ich hab auf jeden Fall vor zu starten. In Bräunlingen will ich aber irgendwann auch mal den richtigen Marathon laufen“. Aber egal, ob sie die 21 oder die 42 Kilometer lange Strecke läuft – Verena Kohnle dürfte wiederum nur männliche Gesellschaft bekommen.



Schwarzwald-Marathon 2011: Impressionen vom Samstag
Zieleinlauf Marathon (1)
Zieleinlauf Marathon (2)
Zieleinlauf Marathon (3)
Bilder vom Halbmarathon (1)
Bilder vom Halbmarathon (2)
Schwarzwald-Marathon 2011: Impressionen vom Sonntag
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln