Pflichtaufgabe erfüllt: So lässt sich der 6:1 (0:0, 4:1, 2:0)-Sieg der Schwenninger Wild Wings gegen die Hannover Indians umschreiben. Vor 2231 Zuschauern in der Helios-Arena nahm das Spiel erst im zweiten Drittel richtig Fahrt auf.Der erste Abschnitt zählte zu jenen, die man im Laufe einer langen Saison möglichst schnell vergessen sollte.
„Nach der Spielpause am Freitag haben wir unseren Rhythmus nicht gefunden. Auch im Powerplay lief die Scheibe nicht gut. Im zweiten Drittel haben wir druckvoll gespielt“, sagte SERC-Trainer Jürgen Rumrich. Hannovers Coach Christian Künast kommentierte die Niederlage so: „Das war unser drittes Spiel innerhalb von fünf Tagen. Nach den Gegentoren war es schwer, zurückzukommen. Im letzten Drittel hatten wir keine Power mehr.“ Zur Trainerfrage wollte sich keiner der Verantwortlichen äußern. Allerdings scheint es beschlossene Sache, dass Rumrich die Wild Wings nach der Saison verlassen wird.
Der erste Abschnitt zählte zu jenen, die man im Laufe einer langen Saison möglichst schnell vergessen sollte. Kein Tempo, keine Checks: Fast schien es, als hätten Schwenningen und Hannover ein Freundschaftsspiel vereinbart. Die Wild Wings kombinierten bisweilen zwar schön, manchmal sogar zu schön. So zum Beispiel in Minute sieben, als Brock Hooton seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung austanzte und Philipp Schlager bediente, der eine herrliche Pirouette drehte. Doch auch dieser Angriff endete wie alle Versuche in den ersten 20 Minuten – im Nichts. 13:5 lautete das Schussverhältnis zugunsten von Schwenningen, doch ein Tor wollte nicht fallen. Entweder landete der Puck neben dem Gehäuse oder in der Fanghand von Gästeschlussmann Thomas Ower.
Dass die Indians überhaupt fünf Mal gefährlich vor dem Kasten von SERC-Torhüter Sinisa Martinovic auftauchten, lag vor allem am körperlosen Spiel, das die Wild Wings in der Abwehr pflegten. Selbst der ansonsten rustikal zu Werke gehende Verteidiger Adam Borzecki verzichtete auf harten Körperkontakt. So hatten die Norddeutschen zwei-, dreimal aus kürzester Distanz die Gelegenheit, einen Treffer zu erzielen. Die beste Chance vergab Maik Blankart in der 14. Minute. Direkt von der Strafbank kommend, steuerte er allein auf Martinovic zu, feuerte die Scheibe aber am Tor vorbei.
Nachdem Martinovic kurz nach Beginn des zweiten Drittels gegen Marius Garten geklärt hatte, folgte der erste Lichtblick des Spiels: Maximilian Hofbauer überwand Ower aus kurzer Distanz zum 1:0 (23.) und erzielte seinen zweiten Saisontreffer. Es sollten noch weitere Glanzpunkte folgen, denn nun lief das Angriffsspiel der Hausherren wie am Schnürchen. Das Erfolgserlebnis verlieh dem bislang eher glücklos spielenden Hofbauer derart viel Selbstvertrauen, dass er gleich zum zweiten Streich ansetzte. Von seinem Sturmpartner Matthias Forster bestens bedient, hämmerte der Flügelflitzer den Puck aus vollem Lauf zum 2:0 (28.) in die Maschen. „Hofbauer, Hofbauer, Hofbauer“, schallte es von den Rängen.
Nach diesem Doppelschlag brachten sich die Wild Wings selbst in Bedrängnis, denn Pierre-Luc Sleigher und Chris Schmidt wanderten innerhalb von 19 Sekunden auf die Strafbank. Prompt schlugen die Indians in doppelter Überzahl zurück. Markus Gleich verkürzte mit einem Schuss in den Winkel auf 2:1 (31.).
Längst in Fahrt gekommen, steckten die Wild Wings diesen Rückschlag locker weg. Rob Sandrock nutzte das vierte Schwenninger Powerplay, um sich den Frust von der Seele zu schießen, denn der Offensiv-Verteidiger hatte in den elf Spielen zuvor nicht getroffen. Was für ein Hammer, den der 33-Jährige bei 5:4-Überzahl vom Schläger ließ! Doch das erste Saisontor war Sandrock immer noch nicht vergönnt. Zwar wurde er als Schütze des 3:1 (33.) genannt, doch der Treffer später Dan Hacker zugeschrieben. Der Schwenninger Topscorer hatte die Scheibe mit seinem Schläger wohl noch abgefälscht. Dennoch traf an diesem Abend ein Schwenninger Verteidiger: David Walker markierte in der Minute 36 das 4:1.
Das letzte Drittel begannen die Wild Wings in Unterzahl, denn Marcus Götz hatte sich mit der Pausensirene eine Bankstrafe eingehandelt. Doch dieses Handicap war letztlich nur Futter für die Statistiker, denn Hannover vermochte den Vorteil nicht zu nutzen. Im Gegenteil: Anstatt zur Schlussoffensive zu blasen, gerieten die völlig überforderten Gäste in einen Angriffswirbel der Wild Wings, den Philipp Schlager (52.) und Dan Hacker (58.) mit zwei weiteren Treffern zum 6:1-Endstand krönten. Tore: 1:0 (23.) Hofbauer (Walker, Pinizzotto), 2:0 (28.) Hofbauer (Forster, Pinizzotto), 2:1 (31.) Gleich (McDonough, Chamberlein), 3:1 (33.) Hacker (Sandrock, Boon), 4:1 (36.) Walker (Hooton, Schlager), 5:1 (52.) Schlager (Hooton), 6:1 (58.) Hacker (Sleigher, Borzecki). Schiedsrichter Oswald (Kaufbeuren). Zuschauer: 2231
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