Nach der Blamage ging alles blitzschnell. Kaum war die 4:6-Pleite gegen Crimmitschau perfekt, schritten die Schwenninger Eishockey-Bosse zur Tat und feuerten Chef-Coach Jari Pasanen. Im SÜDKURIER-Interview nimmt Thomas Burger, Geschäftsführer der Wild Wings GmbH, zur aktuellen Situation beim Eishockey-Zweitligisten Stellung.
Herr Burger, wie war es nach der Entlassung von Trainer Jari Pasanen um Ihre Nachtruhe bestellt?
Ich habe gut geschlafen. Während der Fahrt von Schwenningen nach Schonach gewinne ich immer den nötigen Abstand vom Eishockey.
Als Crimmitschau kurz vor der zweiten Drittelpause erstmals mit 4:3 in Führung ging, haben Sie sich unmittelbar danach in der Helios-Arena mit ihren Kollegen von der Wild Wings GmbH besprochen. Wurde in diesem Augenblick die Entlassung von Jari Pasanen beschlossen?
Nein. Wir haben versucht, das Unfassbare, was sich auf dem Eis abspielte, zu analysieren. Ich war vor dem Schlussdrittel selbst in der Mannschaftskabine und habe an die Spieler appelliert, nochmals alles zu geben. Wir hatten bis zuletzt auf einen Sieg gehofft. Den Entschluss, Pasanen zu beurlauben, haben wir erst nach der Schlusssirene gefasst.
Sie hatten sich vor der Saison für die Verpflichtung von Pasanen stark gemacht. Wie sehr sind Sie nun enttäuscht?
Es ist für mich auch eine persönliche Niederlage, dass das Projekt mit Pasanen gescheitert ist. Wir waren von dem Mann überzeugt und schon vor zwei Jahren an ihm dran. Seitdem hat uns der Name Pasanen immer wieder bei unserer Arbeit begleitet.
Wie sieht das Anforderungsprofil an den neuen Trainer aus?
Darüber sind wir uns selbst noch nicht im Klaren. Wir müssen einen Trainer finden, der zur Mannschaft passt und schauen, was der Markt hergibt. Und er muss Qualität haben.
In Schwenningen war es zuletzt üblich, dass der Assistenz-Trainer nach der Entlassung seines Chefs selbst das Zepter übernahm. Könnte sich das im Fall Toni Raubal wiederholen?
Man soll niemals nie sagen. Aber tendenziell glaube ich nicht daran, zumal Pasanen und Raubal auf einer Wellenlänge lagen und seit längerem sehr eng zusammengearbeitet haben.
Werden Sie künftig mit Zweijahres-Verträgen vorsichtiger sein?
Wir werden uns zweimal überlegen, ob wir noch mal langfristige Engagements abschließen. Der Fall Pasanen zeigt, wie schnelllebig der Sport ist.
Warum hatten Sie überhaupt einen Zweijahres-Vertrag mit Pasanen abgeschlossen?
Sowohl der Trainer als auch wir wollten langfristig arbeiten. Wir dachten, das sei der richtige Weg für die Schwenninger Wild Wings.
In den vergangenen Wochen gab es nicht nur verbale Angriffe gegen Pasanen, sondern auch gegen die Gesellschafter der Wild Wings GmbH. Beeinflussen solche Attacken Ihr weiteres Engagement im Schwenninger Eishockey?
Das macht mich schon nachdenklich. In solch einer Situation fragt man sich, ob es die Sache überhaupt Wert ist, Zeit und Geld in das Eishockey zu investieren. Im Moment schwelge ich jedenfalls nicht in Euphorie.
Fragen: Werner Feisst
SERC - Eispiraten Crimmitschau
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