Als es gestern Morgen bei Wolfi Stegmann in der Schwenninger Helios-Arena an der Tür klopfte, da staunte der Betreuer der Wild Wings nicht schlecht, als er die Tür öffnete. Es war nicht der Postbote mit der morgendlichen Sendung, sondern Andi Renz.
Der 32-jährige Profi von den Kölner Haien absolvierte im Schwenninger Moos Lauftraining und ließ es sich nicht nehmen, an seiner früheren Wirkungsstätte vorbeizuschauen. Vielleicht waren es die vielen positiven Erinnerungen, die er mit Schwenningen verbindet, vielleicht trieben ihn aber auch die sportlichen Misserfolge der Kölner in den vergangenen Wochen an den Neckarquell.
Stegmann war's egal. Er freute sich über den „hohen“ Besuch und gab dem Ex-Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft gleich eine Führung durch die runderneuerte Helios-Arena.
Der Verteidiger zeigte sich vom neuen Stadion angetan. Es sei nicht zu groß und nicht zu klein. „Und zum Glück“, stellte Renz fest, „keine Multifunktionshalle. Hier herrscht noch Eishockey-Feeling. Dies ist bei einigen anderen modernen Hallen verloren gegangen.“
Etwas wehmütig wurde Renz schon, als er durch die Katakomben des Schwenninger Stadions zog. „Der SERC ist in meinem Herzen tief verankert. Das ist mein Club“, gerät Renz ins Schwärmen. In seine Heimat werde er nach seiner Eishockey-Karriere wieder zurückkehren. Vielleicht ja auch schon früher. Mit Wild-Wings-Trainer Axel Kammerer möchte der DEL-Rekordspieler auf jeden Fall Kontakt aufnehmen und sei es nur, um dem Tölzer zum bisherigen Saisonverlauf zu gratulieren. Oder wird aus dem Telefongespräch eventuell auch mehr?
Renz hat unter Kammerer in Köln trainiert. Er freut sich auf jeden Fall, dass mit dem neuen Coach in Schwenningen endlich wieder Ruhe und Erfolg eingekehrt ist. „Wenn die Mannschaft jetzt auch noch die Meisterschaft holt, dann weiß ich nicht, was in der Stadt alles passiert“, spekuliert der 32-Jährige. Den Titel traut er seinem Heimatverein auf jeden Fall zu. „Die Mannschaft spielt in dieser Saison effektiv, mit System und hat eine gute Defensive.“
Heute wird Andi Renz vom Neckar wieder an den Rhein zurückkehren. Er will die nächsten Tage wieder Kraft tanken. Beim Deutschland-Cup in München ist er nicht dabei ist. Renz: „Das ist mit Bundestrainer Uwe Krupp so abgesprochen, da ich in der Vergangenheit viele Einsätze hatte.“ Auf seine dritte Teilnahme bei den Olympischen Spielen im Februar 2010 in Vancouver hofft er dennoch, denn nach der Saison will Renz seine Karriere in der Nationalmannschaft beenden. Seine Laufbahn als Eishockey-Profi allerdings noch nicht. Gut vorstellbar, dass Andi Renz dies bei den Wild Wings macht. Dann könnte er ja sogar tagtäglich an die Tür von Wolfi Stegmann klopfen. Anne Lenze
