Eishockey, 2. Bundesliga: (wmf/wit) Bei Kammerer wurden am Sonntagabend Erinnerungen an den 25. November 1990 wach. Damals lag er als Spieler bei Preußen Berlin in der Auswärtspartie beim EV Landshut nach zwei Dritteln haushoch mit 0:7 in Rückstand und schaffte am Ende noch ein 7:7-Unentschieden.
Ganz so spektakulär war die Aufholjagd der Wild Wings in Garmisch zwar nicht, aber immer noch dramatisch genug, um für Gesprächsstoff zu sorgen. Schwenningen lag im Olympia-Eisstadion scheinbar hoffnungslos mit 0:4 hinten und drohte beim SC Riessersee nicht nur zu verlieren, sondern regelrecht unterzugehen. Kammerer: „Das erste Drittel in Garmisch war das bislang schlechteste in dieser Saison. Es hat gar nichts gestimmt und funktioniert und wir lagen 0:3 hinten. In der Drittelpause bin ich aber nicht laut geworden. Ich habe nur daran erinnert, das Landshut in der Woche zuvor gegen uns auch nach einem 0:3-Rückstand noch gewonnen hat und wir den Kopf nicht in den Sand stecken dürfen. Jetzt seien Männer gefragt, die die Sache in die Hand nehmen.“
Obwohl der SERC zu Beginn des zweiten Abschnitts auch noch das 0:4 hinnehmen musste, blies Schwenningen zur Aufholjagd, die auch dem Trainer mächtig imponierte. Kammerer: „Das war eine super Leistung der Mannschaft. Wir haben wirklich gutes Eishockey gezeigt, mit Leidenschaft gespielt, immer und immer wieder die Scheibe auf das Garmischer Tor gebracht.“
Der SC Riessersee haderte hinterher mit der Schiedsrichterleistung. So war das zweite Schwenninger Tor, das hinterher nicht Dan Hacker, sondern Robin Just gutgeschrieben wurde, aus Sicht der Hausherren irregulär. Der Referee habe, als Torwart Mark McArthur auf dem Puck lag, bereits abgepfiffen, als der Schwenninger nachstocherte. Kammerer: „Das Tor war sicher strittig. Darauf sollten sich die Garmischer aber nicht einschießen. Ihr Tor zum 2:0 war ein Schlittschuhtor. So hat sich das ausgeglichen.“
Neben der tollen Moral war auch das hervorragende Überzahlspiel dafür verantwortlich, dass die Wild Wings ihren Negativtrend stoppen und zwei Siege feiern konnten. Beim 5:4-Heimerfolg gegen Crimmitschau fielen alle fünf Schwenninger Tore in Überzahl. Am Sonntag in Garmisch markierten die Wildschwäne drei Treffer im Powerplay, einen in Unterzahl: macht summa summarum acht Überzahltore an einem Wochenende. Damit haben die Wild Wings nun die beste Powerplay-Bilanz der 2. Bundesliga. Mit einer Erfolgsquote von 24,09 Prozent verdrängten die Schwenninger den EHC München (24,07 Prozent) von der Spitze der Überzahl-Hitliste. Kammerer: „Wir hatten uns vorgenommen, das Powerplay einfacher zu spielen, einen Spieler vor dem gegnerischen Tor zu postieren und mehr um die Nachschüsse zu kämpfen. Das alles ist uns hervorragend gelungen.“
Die Wild Wings hätten das Spiel gegen Riessersee bei einer Riesenchance von Florian Zeller sogar noch in der regulären Spielzeit entscheiden können. Dies veranlasste SCR-Coach Maurizio Mansi zu folgender Aussage: „Ich bin mit dem einen Punkt zufrieden, denn einer ist besser als keiner.“
Das Penaltyschießen war ein echter Krimi. Erst nach dem 14. Schützen stand der Sieger fest. Während sich bei Riessersee immer wieder verschiedene Schützen versuchten, traten bei den Wild Wings immer Brock Hooton, Matthias Forster und Jason Guerriero an. „Die drei sind unsere besten Penaltyschützen“, begründete Kammerer seine Maßnahme. Den entscheidenden Penalty verwandelte Guerriero, der zwei von drei Penaltys versenkte. Hooton verwandelte einen von zwei, während Forster mit seinen beiden Versuchen scheiterte. „Forster ist normalerweise ein sehr sicherer Schütze, war aber durch einen kaputten Schlittschuh gehandicapt“, erklärte Kammerer die Fehlschüsse.
Im nächsten Heimspiel am Freitag gegen die Lausitzer Füchse muss SERC-Stürmer Markus Schröder zuschauen. Er kassierte in Garmisch eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen Hakens mit Verletzungsfolge des Gegners. Kammerer: „Die Strafe geht in Ordnung, auch wenn die Sperre für Schröder natürlich zur ungünstigsten Zeit kommt.“ Dafür wird Andrej Kaufmann wieder das Trikot mit dem Schwan tragen. Wie bereits angekündigt, wurde der Vertrag mit dem 34-jährigen Stürmer bis zum Ende der Saison verlängert.
SERC-Spieler des Monats November
