Doch die Rasierklingen werden erst am 14. März nach dem letzten Spiel der Doppelrunde zur Seite gelegt. Der Wildwuchs in den Gesichtern der Profis beginnt erst mit den Play-off. „Das ist ein ehernes Gesetz bei den Eishockey-Spielern“, sagt Schwenningens Top-Stürmer Dan Hacker.
Playoff und sprießende Bärte – das hat bei den Eishockey-Profis Tradition. Der Ursprung dieser Marotte geht in die 30er-Jahre zurück, als in der NHL einige Teams aus Kanada beschlossen, sich nicht mehr zu rasieren, bis die Play-off vorbei sind. Dieser Trend fand den Weg nach Europa und wurde auch in Deutschland sehr populär.
Bei den Wild Wings müssen sich etliche Spieler gar nicht erst überlegen, ob sie sich einen Bart wachsen lassen, denn sie tragen bereits eine stattliche Haarpracht im Gesicht. Jason Pinizzotto sieht aus, als ob er das ganze Jahr Play-off spielen würde. Aber was wird aus dem gepflegten Fünftage-Bart von Florian Zeller? Wird das gute Stück bald ungehemmt wuchern? „Das gibt eine Überraschung. Ich werde mir etwas Besonderes einfallen lassen“, verspricht der Flügelflitzer.
Einige Spieler der Wild Wings werden auch während der Playoff-Runde mit blankem Gesicht antreten, wenn auch nicht ganz freiwillig. „Ich bin schon seit Monaten dabei, mir einen Bart wachsen zu lassen, aber da kommt einfach nichts“, sagt Patrick Geiger, 20 Jahre alt. Auch Kollege Andreas Gawlik, ebenfalls 20, weiß davon ein Lied zu singen.
Ganz andere Sorgen hatte Jason Guerriero. Beim Heimspiel gegen Crimmitschau überraschte der Mittelstürmer seine Fans mit einem veritablen Schnauzer, der jedem Italo-Western zur Ehre gereicht hätte. Hatte er sich etwa im Playoff-Termin geirrt? „Nein“, lacht der US-Amerikaner, „den Schnauzer habe ich mir während unserer jüngsten Siegesserie wachsen lassen.“ Mittlerweile hat Jason Guerriero seine Oberlippenpracht wieder entfernt – Ehefrau Jennifer sei Dank. Sie weilt derzeit zu Besuch im Schwarzwald. „Als ich sie mit dem Auto am Flughafen Zürich abholen wollte, hat sie zu mir gesagt: ‚Wenn Du mit Schnauzer kommst, fahre ich mit dem Zug nach Schwenningen.“ Wenn die Play-off beginnen, wird Jennifer längst wieder in Amerika sein. Dann sind auch Guerrieros Bart-Kreationen keine Grenzen mehr gesetzt.
Im Gegensatz zu Hacker und Co. wird sich Axel Kammerer keinen Playoff-Bart wachsen lassen. „Als Spieler habe ich das auch gemacht, als Trainer kommt das für mich nicht in Frage“, sagt der 45-Jährige. Warum das so ist, weiß er auch nicht so recht. Es lebe der kleine Unterschied. Am liebsten wäre es den SERC-Fans, wenn sich die Spieler erst nach dem 2. Mai wieder rasieren würden. An diesem Tag steigt das letzte der fünf Spiele im Playoff-Finale. Spätestens dann heißt es auch für die Schwenninger Profis: Bart ab – am besten bei einer zünftigen Meisterfeier.
Autogrammstunde und Trikotversteigerung mit den Wild Wings