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Regionalsport Schwarzwald Olympia '92: Mittendrin statt nur dabei

Das besondere Olympia-Erlebnis von Helmut de Raaf und Jürgen Rumrich: Wild Wings-Trainer und Manager blicken auf das "Puck-Drama" von 1992 zurück, einem der spektakulärsten Spiele der deutschen Eishockey-Geschichte.

Es gibt Momente, die immer bleiben. Szenen, die man nie vergisst. Ereignisse, die auch Jahrzehnte später noch Gesprächsthema sind. Helmut de Raaf und Jürgen Rumrich erlebten einen solchen Moment in ihrer Karriere – und dies sogar gemeinsam. Der Trainer und der Manager der Wild Wings gehörten zu den Protagonisten bei einem der spektakulärsten Spiele der deutschen Eishockey-Historie. Das sportliche Führungs-Duo der Schwenninger war damals mittendrin statt nur dabei.

Auf den Tag genau 24 Jahre ist es her. Am 18. Februar 1992 schrieb die deutsche Nationalmannschaft im französischen Meribel gegen Kanada ein besonderes Kapitel Olympia-Geschichte. De Raaf beschreibt einzelne Szenen dieser Viertelfinal-Partie so, als ob sie gestern gewesen wären. Auch Rumrich hat dieses legendäre Spiel immer noch vor Augen.

Wild Wings-Manager Jürgen Rumrich (links) und Helmut de Raaf blicken gerne auf ihr gemeinsames Erlebnis bei den Olympischen Spielen in Frankreich zurück.
Wild Wings-Manager Jürgen Rumrich (links) und Helmut de Raaf blicken gerne auf ihr gemeinsames Erlebnis bei den Olympischen Spielen in Frankreich zurück.

Ein Fels in der Brandung

 

Deutschland war krasser Außenseiter. Wie erwartet ging der große Favorit aus Übersee in Führung. Doch die Deutschen zeigten, dass sie mehr als nur ein Sparringspartner sind. Daran hatte auch Jürgen Rumrich einen großen Anteil. Er erzielte das 1:1. „Dieses Tor hat uns einen enormen Schub gegeben. Spätestens da wussten wir, dass wir die Kanadier schlagen können“, beschreibt De Raaf die Bedeutung von Rumrichs Ausgleichstreffer. 27 Länderspieltore hat der heutige Wild Wings-Manager erzielt. Das Tor im Eispalast von Meribel dürfte das wichtigste gewesen sein.

Deutschland erzielte durch Didi Hegen sogar das 2:1. Die Kanadier schlugen zurück. Die Führung wechselte wieder. Doch Ernst Köpf gelang zweieinhalb Minuten vor Spielende der 3:3-Ausgleich. Es ging in die Verlängerung. Kanada machte mächtig Druck. „Ich stand zeitweise unter Dauerschuss“, blickt De Raaf schmunzelnd zurück. Der Rheinländer wurde zum Fels in der Brandung und blieb die zehn Minuten ohne Gegentreffer.

Es folgte das Penaltyschießen. Zum ersten Mal bei Olympischen Spielen überhaupt. Fünf Schützen jeder Mannschaft mussten antreten. Es sollte ein Penaltyschießen werden, das nicht nur Eishockey-Fans in ihren Bann zog und viele Nerven kostete.

Gleich zu Beginn gewann De Raaf das „Duell“ gegen Eric Lindros, einen der besten Eishockey-Spieler aller Zeiten. Peter Draisaitl spielte anschließend Kanadas Schlussmann Sean Burke aus, traf jedoch nur den Pfosten. De Raaf hielt gegen Steve Archibald, doch auch Didi Hegen vergab. Dann erzielte Kanada durch Jason Woolley den ersten Treffer. Dagegen blieb auch der dritte deutsche Schütze, Kapitän Gerd Truntschka, erfolglos. Wally Schreiber erzielte für Kanada das 2:0. Ausgerechnet jener Wally Schreiber, der zu dieser Zeit Publikumsliebling beim Schwenninger ERC war und dort mit Bruce Hardy und Grant Martin eines der besten Sturmtrios bildete, das der SERC je hatte.

Nach Schreiber verkürzte Michael Rumrich. Joe Juneau scheiterte an De Raaf und Andreas Brockmann sorgte für den Ausgleich.

Showdown in den Alpen

 

Nach insgesamt 70 gespielten Minuten und zehn Penaltys war immer noch keine Entscheidung gefallen, wer ins Halbfinale einzieht. Das hatte auch Auswirkungen auf das deutsche Fernsehprogramm. „Als das Penaltyschießen lief, wurde zum ersten Mal die 20 Uhr-Tagesschau verschoben“, erzählt Rumrich. Rund zehn Millionen Zuschauer verfolgten zu diesem Zeitpunkt in Deutschland den legendären Showdown in den französischen Alpen.

Zunächst einmal gab es dort jedoch Verwirrung auf dem Eis. Nach den Regularien hätte im K.o.-System ein deutscher Spieler beginnen müssen. De Raaf: „Das gab eine Riesendiskussion und hat sich unheimlich lange hingezogen. Vielleicht hat das auch etwas Konzentration gekostet.“

Kanada begann erneut und es wiederholte sich das Duell „De Raaf gegen Lindros“. Dieses Mal bezwang der Superstar die deutsche Nummer eins. Nun folgte dieser eine Moment, der unvergesslich bleibt. Peter Draisaitl läuft auf Burke zu und schießt ihm durch die Schoner. Der Puck kullert in Richtung Tor. Doch er kullert nicht lange genug und bleibt auf der Torlinie liegen. Kanada ist im Halbfinale. Wenige Zentimeter entscheiden dieses dramatische Spiel. „Das Wunder von Meribel“ bleibt aus. „Wir haben zu diesem Zeitpunkt gar nicht gesehen, wie knapp es war. Es gab ja noch keine Videowürfel in der Halle“, so Rumrich.

Schwenningens Manager und der Trainer erzählen heute noch mit Begeisterung von ihren olympischen Tagen. Beide nahmen dreimal an Olympia teil. De Raaf 1988, 1992 und 1994. Rumrich 1992, 1998 und 2002. Für Gesprächsstoff sorgt aber meistens dieses eine Spiel 1992. De Raaf: „Wenn von der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und Olympia die Rede ist, sagen viele Leute oft zu mir: Da war doch dieses Penaltyschießen gegen Kanada.“

Riesige Aufmerksamkeit

 

Obwohl der Medaillentraum platzte, blickt der 54-Jährige gerne auf die Tage in Meribel zurück. „Natürlich hätten wir eine gute Chance gehabt. Aber deshalb wurde aus dem Traum kein Alptraum. Es gab zu viele positive Dinge.“ Zumindest durften sich die deutschen Eishockey-Cracks wie Medaillengewinner fühlen. Rumrich: „Wir bekamen danach Glückwünsche, als ob wir weitergekommen wären. Die Aufmerksamkeit war riesengroß.“ Die Spieler waren selbst überrascht. De Raaf: „Wir haben erst später mitbekommen, welche Wellen dieses Viertelfinale geschlagen hat. Wir hatten zwar noch ein Platzierungsspiel. Aber die nächsten Tagen waren wir mehr mit Presseterminen beschäftigt als mit der Spielvorbereitung.“

2017 jährt sich das „Puck-Drama von Meribel“ zum 25. Mal. De Raaf und Rumrich werden auch dann wieder darüber erzählen. Vielleicht sogar weitere 25 Jahre später ihren Enkeln. Die Momente und Szenen vom 18. Februar 1992 bleiben in Erinnerung. Helmut De Raaf sagte schon damals wenige Minuten nach dem Abpfiff: „Dieses Spiel werden wir nie vergessen.“

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