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Regionalsport Hochrhein RSV Wallbach fordert Weltmeister heraus

Radballer Timo Reinartz und Wolfgang Bär treten bei der Radball-Europameisterschaft am 29./30. April in heimischer Halle mit einer Wildcard als „Deutschland III“ an.

Noch schlafe ich ganz normal“; schmunzelt Wolfgang Bär. Doch der 50-jährige Öflinger muss zugeben, dass das was ihn in drei Wochen erwartet nichts Alltägliches ist: „Die EM wird ein absoluter Höhepunkt für mich als Radballer“, gibt er offen zu. Mit Timo Reinartz trägt Wolfgang Bär am 29. und 30. April in der Wallbacher Flößerhalle das Nationaltrikot. Das Duo des RSV Wallbach bekam vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) eine Wildcard und wird als „Deutschland III“ in dem hochklassig besetzten Turnier mitmischen.

Wobei der Begriff „mitmischen“ für Timo Reinartz eine zwiespältige Bedeutung hat: „Wir sind stolz darauf, dass wir dabei sein dürfen. Unser Ziel ist es, die Spiele nicht allzuhoch zu verlieren“, betont der 34-Jährige, der seit Kindesbeinen in der Wallbacher Radballergilde dabei ist. Sein Vater Christoph gehörte seit vielen Jahren zu den Aktiven der Abteilung. Fast logischerweise wurden Timo sowie seine Brüder Heiko und Simon quasi in der Sporthalle groß.

Für Timo Reinartz geht an der Seite von Wolfgang Bär ein Traum in Erfüllung. Zwar hat auch er sich schon seine Meriten auf dem Rad verdient, spielte zwei Jahre beim VCR Möhlin in der zweithöchsten Schweizer Liga. Doch als es drum ging, die Wildcard des Verbandes anzunehmen, gab es kein langes Zögern für ihn. Als Wolfgang Bär nach kurzer Bedenkzeit sein „Ja“ gab, lief die Vorbereitungsmaschine schnell an: „Das geht nicht einfach mit links“, betont Bär, der mit 13 Jahren beim RSV Öflingen mit Radball begonnen hat.

Während der Nachwuchszeit und als Aktiver agierte er an der Seite von Stefan Schubach. Später stieg er mit Markus Stohler in den 90er Jahren in die 2. Bundesliga auf: „Dort haben wir acht Jahre lang ganz gut mitgespielt, bis wir unser Team aus beruflichen und familiären Gründen zurückgezogen haben.“

Nach längerer Pause fand Bär beim RSV Wallbach zurück zum Radball. „Man kennt sich ja seit Jahren und da meine Frau Katja im Verein als Trainerin bei der Aerobicgruppe aktiv ist, kam eins zum anderen“, erinnert er sich an die ersten Kontakte vor fünf Jahren.

Seither trat er immer wieder mit Timo Reinartz sporadisch bei Turnieren an und als dieser nach einem gewonnenen Turnier in Frauenfeld witzelte: „Wir könnten es doch versuchen“, sah sich Abteilungsleiter Paul Frank bestätigt: „Diese Idee hatte ich auch schon.“

Rund 14 Monate intensivem Training und mehr als ein halbes Dutzend an Vorbereitungsturnieren liegen hinter dem Duo. „Die Zeit war fast ein wenig zu kurz“, merkt Wolfgang Bär selbstkritisch an: „Es dauert seine Zeit, bis man mit einem Spielpartner fast blindes Verständnis entwickelt.“ Zudem trainierten beide Radballer mit neuen Rädern. Bär hatte sich eines geliehen, für Reinartz schaffte der Verein ein neues Rad an: „Auch die Gewöhnung ans neue Spielgerät braucht Zeit“, unterstreicht Timo Reinartz, der während des EM-Turniers als Torwart fungieren wird.

In dieser Funktion erhofft er sich, dass das zusätzliche Training entsprechend angeschlagen hat: „Mein Traum wäre es, in keinem Spiel zweistellig zu verlieren.“ Gemeinsam mit Bär übte er nicht nur in der Wallbacher Flößerhalle. Das Duo nutzte die hervorragenden Beziehungen des Vereins zum VCR Möhlin: „Wir haben dort in Gabriel Walser ein höchst kompetenten Coach, bei dem wir beide viel gelernt haben“, war Wolfgang Bär dankbar um die zusätzlichen Einheiten in der Schweiz.

Auch wenn der Öflinger als Aktiver schon bei Turnieren gegen Weltmeister angetreten ist und mit Markus Stohler diese Spiele relativ eng gestaltete, weiß er doch genau, dass das EM-Turnier in Wallbach keinem Vergleich standhalten wird: „Unsere Gegner haben nichts zu verschenken. Alle Mannschaften haben das Ziel, als Europameister aus Wallbach abzureisen.“ Entsprechend werde es knallhart zur Sache gehen.

Dabei war das Losglück den Wallbachern nicht gerade hold. Die Gegner sind richtig knackig: Allen voran warten die dreifachen Weltmeister (2013 bis 2015) Patrick Schnetzer und Markus Bröll aus Höchst/Vorarlberg. Zudem treffen sie auf Roman Schneider und Dominik Planzer aus Altdorf, die Weltmeister von 2012. Weitere Gegner des Wallbacher Duos sind André und Manuel Kopp vom Deutschland-Pokalsieger aus Obernfeld sowie die belgischen Meister Brecht Damen/Niels Dirikx.

Da braucht's nicht nur Kampfgeist und Kondition, sondern auch den „dritten Mann“, weiß Reinartz, dass er sich aufs Wallbacher Publikum verlassen kann: „Das wird Gänsehaut-Feeling pur für uns beide, wenn uns die rund 400 Fans in der Halle lautstark anfeuern.“


Weltelite zu Gast beim RSV Wallbach

Zum dritten Mal nach 1986, als die Weltelite zu einem internationalen Turnier kam, und 2009, als der Europacup ausgerichtet wurde, ist der RSV Wallbach wieder Gastgeber für die besten Teams des Kontinents. In der Flößerhalle wird am 29./30. April der Europameister 2016 ermittelt.

Teilnehmer: Neben Timo Reinartz und Wolfgang Bär vom RSV Wallbach, die mit einer Wildcard als „Deutschland III“ teilnehmen, sind neun Teams aus sechs Nationen dabei. In Gruppe 1 spielen Österreich, Tschechische Republik, Frankreich, Deutschland II und Schweiz II. In Gruppe 2 wurden Deutschland, Schweiz, Belgien, Österreich II und Deutschland III gelost.

Terminplan: Eröffnet werden die Spiele am Freitag, 29. April, um 19 Uhr, von Österreich und Schweiz II. An diesem Abend sind zehn Spiele à 15 Minuten angesetzt. Reinartz/Bär spielen in der zweiten Partie gegen Deutschland I und in der sechsten Partie gegen Österreich II. Weiter geht's am Samstag, 30. April, um 9.30 Uhr, mit Frankreich gegen Schweiz II. Die Platzierungs- und Finalspiele beginnen ab 14 Uhr. Zwischendurch stellt sich die Kunstrad-Riege vor.

Weltmeister: In Wallbach ist die Radball-Weltspitze am Start. Titelfavorit sind die Serien-Weltmeister von 2013 bis 2015 sowie EM-Titelverteidiger, Patrick Schnetzer und Markus Pröll aus Höchst/Vorarlberg als Österreich II. Als stark ist Schweiz I mit Roman Schneider und Dominik Planzer aus Altdorf einzuschätzen. Das Duo holte seit 2008 fünf Schweizer Titel, holte seit 2010 stets den Pokal und wurde 2012 Weltmeister. Als Bundesliga-Meister 2015 und Deutschlandpokal-Sieger 2016 stellen sich André und Manuel Kopp vom RV Obernfeld in Wallbach vor.

Karten: 400 Plätze bieten die zwei Tribünen der Flößerhalle. Im Vorverkauf ist ein Großteil der Tickets bereits weg. Die Karten kosten am Freitag 5 Euro, am Samstag 9 Euro und für beide Tage 12 Euro. Schüler bis 15 Jahre zahlen pro Tag 2 Euro weniger. Aktuell gibt's noch etwa 80 Tickets.

Historie: Radball wird beim RSV Wallbach seit 1976 gespielt. Weitere regionale Radballvereine sind der RSV Öflingen und der RSV Wehr. Die Idee zu diesem Sport, der dem Polo ähnlich ist, kam angeblich dem Kunstradfahrer Nick Kaufmann, als ihm ein kleiner Hund vors Rad gelaufen ist – das steht zumindest in Wikipedia.

Infos rund um die EM und Tickets:

www.rsv-wallbach.de

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