Fußball Peter Dreide: "Das ist eine Riesensache für den Amateurfußball"

Mit Peter Dreide, Vorsitzender des 1. FC Rielasingen-Arlen, sprach der SÜDKURIER über das SBFV-Pokalfinale und den möglichen Einzug in den DFB-Pokal

Herr Dreide, ist das Finale gegen den Landesligisten VfR Hausen am Feiertag ein Christi-Himmelfahrtskommando mit der Gefahr einer Blamage oder eine klare Sache für Ihre Mannschaft?

Ich werde jetzt nicht das Phrasenschwein füttern à la „der Pokal hat seine eigenen Gesetze“. Unser Gegner spielt eine Klasse tiefer als wir, deshalb sind wir klarer Favorit. In der Verbandsliga wird ein deutlich schnellerer und auch robusterer Fußball gespielt als in der Landesliga. Das gilt aber nur, wenn wir unsere Verletzten fit bekommen bis zum Donnerstag. Falls wir unsere beste Mannschaft auf den Platz bringen können, und dahingehend bin ich optimistisch, haben wir eine richtig gute Chance, das Ding zu holen.

Besteht die Gefahr, dass Ihre Spieler den Gegner unterschätzen und schon an einen möglichen Bundesligisten im DFB-Pokal denken?

Nein, auf keinen Fall. Wir wissen um die Stärke des Gegners. Wir haben Hausen beobachtet und waren schwer angetan von dieser Mannschaft. Die sind zurecht im Finale. Unsere Spieler denken noch nicht an den nächsten Schritt. Die sind total heiß auf das SBFV-Finale und konzentrieren sich komplett auf dieses Spiel.

Die Finalspiele der Landesverbände wurden aufgewertet durch die Live-Übertragung im Fernsehen. Was halten Sie von dem Konzept?

Das ist eine Riesensache für den Amateurfußball. Bei der Premiere im vergangenen Jahr gab es eine Zwei-Millionen-Zuschauerquote, es gibt eine Konferenzschaltung wie in der Bundesliga und jeder Verein hat mindestens 15 Minuten Sendezeit. Das ist ein Traum für unsere Spieler, die happy sind, dabei sein zu dürfen.

Sie dürfen das natürlich nicht zugeben. Aber mal ehrlich: Träumen Sie nicht schon vom DFB-Pokal und dem FC Bayern als Gegner?

Ich träume seit ein paar Tagen tatsächlich vom Pokal, aber von unserem Finale am Donnerstag. Das ist unser Ding. Den DFB-Pokal wollen wir natürlich auch erreichen. Wenn nicht in diesem Jahr, dann halt ein anderes Mal. Falls es jetzt schon klappen sollte, ist mir der Gegner aber völlig wurscht.

Im Ernst? Sie würden sich auch über Sandhausen statt Bayern München oder Borussia Dortmund freuen?

Es ist doch so: Wenn ein ganz Großer käme, müssten wir wahrscheinlich auswärts, weit weg von der Talwiese, spielen. Bei Sandhausen oder einem ähnlichen Kaliber könnten wir eventuell im Hohentwielstadion bei unseren Freunden vom FC Singen 04 antreten. Man darf den DFB-Pokal nicht überhöhen: Man atmet mal kurz Profiluft, scheidet aus und dann ist es vorbei.

Den finanziellen Aspekt darf man aber doch nicht außer Acht lassen.

Natürlich. Für den Einzug in den DFB-Pokal bekämen wir 115 000 Euro.

Viel Geld für einen Amateurverein. Damit könnten Sie Ihre Mannschaft gehörig aufrüsten und den Aufstieg in die Oberliga anvisieren.

Auf keinen Fall. Falls wir das Ding packen, wird das Geld für den Altschuldenabbau durch die Clubheimerweiterung und für eine Tribüne auf der Talwiese verwendet. Und einen Teil bekommen die Spieler, das haben sie sich verdient. Es wäre ein Fehler, unerwartete, vielleicht einmalige Einnahmen für die Kader-Aufstockung zu nutzen. Unsere Philosophie ist langfristiger: Der Spielbetrieb muss sich in jeder Saison, egal wie die sportlich verläuft, von selbst tragen. Wenn man nicht steuerbare Erfolge in die Saisonplanung miteinbezieht, rächt sich das irgendwann. Die Oberliga visieren wir aber trotzdem an.

Ist diese Liga finanziell machbar für den Verein?

Eigentlich nicht. Wir haben einen Saisonetat von 200 000 Euro, der Oberligist Bahlinger SC, den wir im Pokal aus dem Rennen geworfen haben, das Doppelte. Bei einem Aufstieg hätten wir auch nicht mehr Geld zur Verfügung. Aber dann spielt man halt eine Saison in dieser Liga, steigt wieder ab und versucht es in der nächsten Saison erneut. Ich habe kein Problem damit, dass wir eine Fahrstuhlmannschaft zwischen Verbands- und Oberliga werden. Unsere Zielsetzung hat sowieso nicht direkt was mit der Ligazugehörigkeit zu tun.

Sondern?

Wir wollen die besten Spieler aus der Region, vor allem auch junge Talente, auf der Talwiese haben und das Maximale daraus machen. Wir setzen da auch voll auf die Jugend. Wenn bei uns im Training Alt gegen Jung spielt, muss der Pascal Rasmus mit seinen 23 Jahren zu den „Alten“ ins Team. Wir lassen die Jungen aber auch spielen. Wenn sie Fehler machen, dann ist das eben so.

Fragen: Markus Waibel

Zur Person

Peter Dreide ist 53 Jahre alt und wurde in Stockach geboren. Fußball gespielt hat er beim FC Gottmadingen und beim VfB Randegg, musste aber mit 21 Jahren wegen einer Verletzung an der Wirbelsäule seine Karriere beenden. Seit zehn Jahren ist Dreide Vorsitzender des 1. FC Rielasingen-Arlen, der derzeit in der Verbandsliga spielt. Der Fonds-Manager ist verheiratet und hat drei Kinder, Max (21), Kira (19) und Selina (19).

Rund um das SBFV-Pokalfinale

  • Der Austragungsort: Das Pokalfinale zwischen dem Landesligisten VfR Hausen und dem Verbandsligisten 1. FC Rielasingen-Arlen findet am Donnerstag, 25. Mai (Christi Himmelfahrt), im Villinger Friedengrund-Stadion statt. Anpfiff ist um 14.45 Uhr.
  • Der Rielasinger Gegner: Der VfR Hausen belegt in der Landesliga II vor dem letzten Spieltag den neunten Platz.
  • Kartenvorverkauf: Tickets für die Partie gibt es im Vorverkauf bei reservix.de ab 8 Euro oder in der Geschäftsstelle im Clubheim des 1. FC Rielasingen-Arlen, Dr. Fritz-Guth-Straße 5 in Rielasingen.
  • TV-Übertragung: Im Rahmen des Finaltags der Amateure überträgt die ARD die Landespokal-Endspiele mit einer großen Livekonferenz. Insgesamt 19 Partien werden gezeigt, verteilt auf drei Anstoßzeiten. Start ist um 12.35 Uhr, das südbadische Endspiel wird in der zweiten Konferenz ab 14.45 Uhr übertragen. Einige Spiele können auch im Einzelstream verfolgt werden. Die entsprechenden Links findet man am 25. Mai auf sportschau.de
  • Der Schiedsrichter: Andreas Dusch aus Kehl wird das Endspiel um den SBFV-Rothaus-Pokal zwischen dem VfR Hausen und dem 1. FC Rielasingen-Arlen leiten. Als Schiedsrichterassistenten wurden Stefan Langeneckert und Jannik Braun nominiert. Als vierter Offizieller fungiert Sven Pacher.

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