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Handball HSG Konstanz schafft "das Riesending"

Dem Handball-Zweitligisten gelingt ein umjubelter 24:21-Sieg gegen den VfL Bad Schwartau. HSG-Trainer Daniel Eblen ist "stolz auf die Jungs".

Handball, 2. Bundesliga

HSG Konstanz

VfL Bad Schwartau

24:21 (11:9)

In dieser verrückten 2. Handball-Bundesliga liegt oft nur eine Winzigkeit zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. Noch keine vier Wochen ist es her, dass der Aufsteiger HSG Konstanz genüsslich das perfekte Wochenende feierte mit Siegen gegen die Spitzenteams aus TV Hüttenberg und Bietigheim. Diesem doppelt-süßen Triumph folgten drei bittere Niederlagen gegen direkte Konkurrenten. Die Mannschaft vom Bodensee war auf Position 16 abgerutscht. Nur einen Rang von den Abstiegsplätzen entfernt, aber eben auch nur ein mickriges Pünktchen von Platz neun entfernt.

Kein Wunder, dass den Konstanzern zentnerschwere Lasten von den Schultern fielen, als am Samstagabend beim 24:21 (11:9) gegen den VfL Bad Schwartau der fünfte Heimsieg in dieser Saison feststand. „Ich bin stolz auf die Jungs“, sagte Trainer Daniel Eblen, der zunächst die Verlierer tröstete, ehe er beim Pressegespräch lachte und klatschte.

„Wir hatten wieder Wackler drin“, analysierte der 42-Jährige das Spiel seiner Mannschaft, „aber wir haben dieses Mal einfach weitergemacht.“ Tatsächlich erinnerte einiges ans letzte Mal, die vorangegangene Partie am Schänzle gegen Ferndorf. Wieder ließen die Konstanzer die Gäste mehrfach nach Führungen zurückkommen, wieder verfehlten sie in Überzahl bei einem Wurf das leere Tor. Sie wackelten, wie der Trainer sagte, aber sie fielen nicht. „Das war sauwichtig nach drei Niederlagen“, sagte HSG-Kapitän Fabian Schlaich.

Motiviert, aber nicht übermotiviert – so wie es Daniel Eblen im Vorfeld gefordert hatte, begann die HSG das Spiel. Nach elf Minuten stand es 4:1. Keeper Konstantin Poltrum hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Siebenmeter pariert, vorne war der dreifache Torschütze Gregor Thomann treffsicher. Beim vierten Konstanzer Streich profitierte der Rechtsaußen von einem kuriosen VfL-Fehlwurf an die Latte, der zum Bumerang und präzisen Tempogegenstoßpass wurde. Auch das zuvor oft vermisste Quäntchen Glück war wieder zurück.

Die Gäste ließen sich nicht abhängen und kamen auf 5:4 heran. Dann war wieder die HSG an der Reihe, die sich auf 9:5 absetzte (20.). Wieder schafften es die Konstanzer nicht, ihre Führung zu verteidigen. Besonders den siebenmal erfolgreichen Antonio Metzner bekam die HSG nicht in den Griff, sodass in einem spannenden, von den Defensivreihen dominierten Spiel beim Stand von 11:9 die Seiten gewechselt wurden.

Im zweiten Abschnitt ging es weiter hin und her: Aus dem 14:11 (34.) wurde ein 14:14 (39.). In der letzten Viertelstunde strapazierten die Teams die Nerven der 1300 Fans in der Schänzlehalle. Die HSG Konstanz kämpfte, wie Tim Jud beim 19:16 (48.), sie behielt die Nerven, wie Schlaich beim 22:18 (53.), sie hämmerte den Ball ins Netz, wenn es sein musste, wie Mathias Riedel beim 23:19 (54.) – und hinten stand ein ums andere Mal Torhüter Poltrum mit seinen Paraden im Mittelpunkt. Am wichtigsten aber: Dieses Mal gab es gegen einen sehr passiven Gegner, der nahezu jeden Angriff bis zum Zeitspiel ausreizte, keinen Einbruch.

In den wichtigsten Minuten der Partie behielten die Gastgeber die Nerven. Keine hektischen Abschlüsse, (fast) keine überhasteten Fehlpässe. Um kurz vor halb zehn stand er dann fest, der fünfte Heimsieg der HSG Konstanz. Die Spieler feierten diese so wichtigen Punkte gemeinsam mit Mentaltrainer Tarek Amin, der sie intensiv vorbereitet hatte. „Wir haben es heute geschafft, unser Spiel 60 Minuten durchzuziehen“, sagte Trainer Daniel Eblen nach einem „intensiven Spiel. Dass wir gegen eine Mannschaft wie Bad Schwartau zwei Punkte holen können, ist ein Riesending.“ Und der mit sieben Treffern beste Konstanzer Torschütze Paul Kaletsch ergänzte: „Saugeiler Sieg, das tut verdammt gut – vor allem, weil es ein richtig gutes Spiel war.“

Dank des Erfolgs hat die HSG den Absturz auf einen Abstiegsplatz verhindert. Der Vorsprung auf die gefährliche Zone beträgt aber nur zwei Zähler – kaum mehr als eine Winzigkeit.

HSG Konstanz: Poltrum, Glatt (Tor); Schlaich (3), Thomann (5/2), Riedel (4), Flockerzie (1), Stocker, Oehler, Kaletsch (7), Maier-Hasselmann, Gässler, Jud (3), Berchtenbreiter (1), Krüger. – VfL Bad Schwartau: Mallwitz, Klockmann (Tor); Podpolinski (1), Akermann, Hansen (3), Ranke (5), Zimmermann (1), Waschul, Damm (1), Claasen (1/1), Wischniewski (1), Schlichting, Bruhn (1), Metzner (7). – Z: 1300.

 

"Darauf wollen wir aufbauen“

Paul Kaletsch, mit sieben Treffern bester Konstanzer Torschütze, spricht im SÜDKURIER-Interview über den Sieg gegen den VfL Bad Schwartau

Was war der Schlüssel zum Erfolg gegen den bisherigen Tabellenfünften?

In der Abwehr haben wir uns auf unsere Tugenden besonnen und hart gedeckt. Damit haben wir versucht, die körperlich starken Spieler des VfL Bad Schwartau einzuengen und ihnen gar nicht viele Räume zu lassen. Das haben wir im Verbund mit dem Torhüter sehr gut gemacht. Von den nur 21 Gegentoren waren auch noch viele unglücklich, die wir an einem etwas glücklicheren Tag gar nicht bekommen. Allerdings gehen bei uns auch ein, zwei Bälle rein, die sonst nicht passen. Das geht alles so in Ordnung. Ein gerechteres Ergebnis hätte es heute nicht geben können.

Was war nötig für diese bemerkenswerte Reaktion ausgerechnet gegen ein ambitioniertes Spitzenteam?

Man muss die Niederlagen schnell abhaken und einfach trainieren, trainieren, trainieren. Dazu haben wir viel mehr auf uns geschaut, nachdem wir davor mehr auf den Gegner geachtet haben. Das war auch der Schlüssel, dass es uns egal war, wer kommt. Es haben nur unsere Tugenden und Stärken gezählt. Die konnten wir sehr gut abrufen.

War der Sieg ein Beweis für das starke Konstanzer Kollektiv?

Definitiv, das Kollektiv war super, das müssen wir so machen, uns bleibt keine andere Wahl. Das machen aber auch andere Mannschaften, selbst teure Mannschaften leben nicht nur von Individualisten.

Und gleich am Samstag in Saarlouis wartet wieder ein enges Spiel…

Wenn wir in Sachen Einstellung und Selbstbewusstsein so auftreten wie heute, dann ist dort durchaus etwas zu holen.

Fragen: Andreas Joas

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