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Regionalsport SeeOst TV Langenargen feiert dreifache Meisterschaft

Die beiden Tischtennis-Herrenmannschaften des TV 02 Langenargen und die U-18-Jungs sind vorzeitig Meister geworden und spielen kommende Saison eine Klasse höher.

Tischtennis: Schon beim Öffnen der Hallentür hört man mittwochs das beständige Tick-Tock der Tischtennisbälle. Es sind Ferien und der Aufstieg für die erste und zweite Herrenmannschaft sowie die U-18-Jungs ist in trockenen Tüchern. Trotzdem wollen die Cracks des TV 02 Langenargen das Training nicht missen. Im Moment geht es sowieso mehr um den Spaß: Jung und Alt spielen Rundlauf und zwar um vier zusammen gestellte Tischtennistische. Vereinstrainer Sebastian Schott (35): „Das ist eine Ausnahme, obwohl man da schon seine Technik verbessern kann. Natürlich wollen die Jungs die Alten schlagen.“

Schott ist gut drauf und dazu hat er auch allen Grund. Aktuell läuft es richtig gut in der Tischtennisabteilung. Leiter Joachim Weber (61) sagt: „Dass die Jungs in die Bezirksliga aufsteigen, hat sich abgezeichnet. Das hatte ich so im Gefühl. Sebastian ist da sehr engagiert und das macht`s aus.“ Auch der Aufstieg der ersten Herrenmannschaft war nicht wirklich eine Überraschung. Langenargen pendelt schon seit ein paar Jahren zwischen Kreisliga A und Bezirksklasse. Gerhard Sauter (45) ist die Nummer eins des Teams: „Der Durchmarsch der Jugend ist viel höher einzuschätzen, deshalb müssen wir schon feiern“, sagt er, denn die U 18 steigt zum zweiten Mal hintereinander auf. Dass die „Zweite“ nächste Saison in der Kreisliga B startet, ist das I-Tüpfelchen der Sahnesaison.

Stimmung ist die Zutat für den Erfolg. Für Weber ist das der Hauptpunkt: „Wir sitzen nach den Spielen oft noch zusammen, auch mit unseren Gegnern. Das macht's aus. Wir pflegen eigentlich mit allen freundschaftliche Verhältnisse.“ Schott kam vor elf Jahren aus Sachsen an den See („auch wenn man das vielleicht nicht mehr so hört“). Für ihn gab es nie eine andere Wahl als Langenargen: „Mittlerweile wohne ich in Tettnang und spiele trotzdem noch hier, weil es wirklich trotz einiger Querelen super gut passt. Das ist mir die weitere Fahrt wert.“

Trotzdem hat auch ein Verein wie der TV seine Problemchen. Die Jugendausbildung ist zwar top, aber bevor der Wechsel zu den Aktiven vollzogen wird, wandern viele Spieler ab. Weber gibt sich realistisch: „Da kann man nichts machen, wenn sie hier keine Perspektive sehen.“ Schott ist eher kämpferisch: „Perspektive gibt es schon, aber man braucht eben ein wenig Geduld.“ Jochen Blankenhorn (45) aus der ersten Herrenmannschaft stimmt zu: „Unsere Teams sind sehr stabil, seit zig Jahren spielen da jetzt dieselben Leute. Zu uns kommt niemand nur für ein Jahr, weil unser Vereinsleben stimmt.“ Mit einem Augenzwinkern lenkt Weber ein: „Ja das stimmt, weil wir alle so lieb sind.“

Tischtennis ist hier für alle Beteiligten Herzenssache und diese Einstellung überträgt sich auch auf die Jugend. Die Nummer eins des Nachwuchses heißt Raphael Arnold und ist 14 Jahre alt. Schott sagt: „Raphael ist Tischtennisverrückt. Wenn er Zeit hätte, würde er auch sieben Mal die Woche trainieren. Aber das ist kein falscher Ehrgeiz, er hat einfach Spaß dran.“ Und das wird auch im Gespräch deutlich. Aufstieg hin oder her, für Raphael ist klar: „Man kann immer noch besser werden.“ Später will er am liebsten bis hoch in die Verbandsklasse. Nächste Saison reicht es ihm, wenn er in der ersten oder zweiten Herrenmannschaft aushilft. „Für die ‚Erste' reicht es noch nicht, Raphi“, sagt Schott. „Bist du sicher?“, fragt der Junge, auf dessen Stirn der Trainingsschweiß noch glitzert. „Ja wenn du in der Hinrunde in der ‚Zweiten' alles wegballerst, können wir drüber reden“, lenkt der Trainer ein. „Okay“, Raphael nimmt die Herausforderung mit geröteten Wangen an.

Beim Tischtennis geht es für den Youngster vor allem um Schnelligkeit und Reflexe. „Außerdem muss man ja auch laufen, das ist ja schon ein Sport“, sagt er. Sein Gegenpart aus der ersten Mannschaft, Gerhard Sauter, sieht noch eine andere Komponente: „Tischtennis ist ein schneller Sport, aber auch ziemlich taktisch – ein bisschen wie Schach. Man muss den Gegner ausgucken, das ist das Faszinierende daran.“ Dass die Generationen den Sport so unterschiedlich auslegen, ist auch einer seiner großen Vorteile, sagt Abteilungsleiter Weber: „Das Gute am Tischtennis ist ja, dass man von ganz früh – am besten sogar jünger als zehn Jahre – bis über 90 spielen kann.“

Deshalb hat der TV vor der Saison auch noch einen erfahrenen Mann für die Mission Aufstieg mit ins Boot geholt. Mit 76 Jahren ist Volker Enzenhöfer der älteste in der ersten Mannschaft und schon viel herumgekommen in den Tischtennishallen der Region sowie darüber hinaus. Enzenhöfer ist Mitglied in Langenargen, Eriskirch und Ailingen. In zwei Wochen geht es für ihn zur Deutschen Meisterschaft nach Bielefeld. Der Aufstieg mit dem TV ist für ihn deshalb nur eines der kleineren Highlights seiner Laufbahn: „Das fühlt sich nicht an wie beim ersten Mal. Das Hochgefühl lässt irgendwann nach. Ich sehe das alles ein bisschen lockerer als die anderen. Im Leben ist eben nichts auf Dauer.“ Auch die nächste Saison hat der erfahrene Tischtenniscrack noch nicht wirklich geplant: „Ich bin mit denen zufrieden und die mit mir auch. Aber ich weiß noch nicht, wo ich nächste Saison spiele.“ Angebote gibt es genug.

Das Ziel für alle drei aufgestiegenen Teams ist eindeutig der Klassenerhalt. Und damit das funktioniert, hat Weber noch einen abschließenden Wunsch: „Machen Sie mal einen großen Kasten mit Spieler gesucht.“ – Hier ist er: In Langenargen ist immer was los: Jährlich richtet die verhältnismäßig kleine Abteilung mit knapp 100 Mitgliedern die LA Open aus – ein über die Landesgrenze hinaus bekanntes Turnier. Dazu kommen Ausflüge zu internationalen Tischtennisturnieren und der Cup der Freundschaft, der alle zwei Jahre gegen die französische Partnerstadt Bois-Le-Roi ausgespielt wird. Für die Jugend gibt es ein Camp im Sommer. „Da sind die Eltern vor allem immer dankbar für“, sagt Schott und lacht.

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