Regionalsport See Ost Dr. Martin Jägers „Ding“ ist der Boxsport

Der Assistenzarzt am Klinikum in Friedrichshafen arbeitet als Ringarzt für den baden-württembergischen und deutschen Verband.

Boxen: Seit etwa einem Jahr ist der 31-jährige Assistenzarzt Dr. Martin Jäger als Verbandsarzt des Baden-Württembergischen Boxverbandes tätig, neben seiner Tätigkeit im Klinikum in Friedrichshafen. „Für mich ist Boxen eine ganz tolle Sache, meines Erachtens ein sehr ästhetischer Sport, der in Deutschland zu Unrecht ein Schattendasein fristet“, erklärt der gebürtige Sachse, der mit seiner Familie kurz vor der Wende in die Bodenseeregion übersiedelte. „Die Arbeit mit den jungen Athleten finde ich richtig toll. Über den Boxsport geben wir den jungen Leuten eine Perspektive und Möglichkeiten, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln, die sie ohne den Sport vielleicht überhaupt nicht hätten. Mir macht diese Arbeit Spaß und ich finde es toll, dass ich einen kleinen Beitrag dazu leisten kann. Ganz besonders schätze ich die direkte Art der Leute. Das ist einfach mein Ding!“

Während der Realschule in Salem machte es der junge Chirurg seinen Mitmenschen nach eigenen Angaben nicht immer einfach. „Mit 14 Jahren hat mir meine Mutter einen Ferienjob als Beschäftigungstherapie bei Uwe Hamann verordnet, damit ich während der Ferien auf keine dummen Gedanken komme“, erinnert sich Jäger. „Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf und war natürlich total genervt, hatte überhaupt keinen Bock darauf!“ Trotz allem fand der Teenager recht schnell Gefallen an dem Job, arbeitet sich am Schlosssee und im Aquatal im Deggenhausertal zum Rettungsschwimmer und Mädchen für alles hoch. „Bei Uwe Hamann lernte ich Verantwortung übernehmen und habe den richtigen Schliff bekommen“, berichtet der in Überlingen wohnende Assistenzarzt. „Bei ihm hatte ich auch die ersten Kontakte mit dem Boxsport. Aufgrund der verschiedensten Länderkämpfe, die Hamann, seit 2016 Präsident des Baden-Württembergischen Boxverbandes, organisiert hat.

Während der Studienzeit riss der Kontakt zwischen den beiden nie ganz ab und der angehende Arzt fand immer mehr Gefallen am Boxsport, fing nach seinem Studium als Ringarzt an. Zuerst bei Uwe Hamann, später immer mehr auf anderen Veranstaltungen des Baden-Württembergischen Verbands. Irgendwann kam die Frage, ob er nicht Verbandsarzt werden wolle. Für den gebürtigen Bad Muskauer keine Frage. Geht es ihm doch auch darum, organisatorische Dinge zu klären, die Neuausbildung der Ringärzte zu organisieren.

Boxklubs tun sich schwer, einen Arzt an den Ring zu bekommen. Laut Wettkampfbestimmungen darf ohne Mediziner aber kein Kampf stattfinden.Dr. Jäger nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ringärzte sind ein großes Problem bei uns in Baden-Württemberg. Zum einen ist der Boxsport nicht so populär, zum anderen schreckt das Ehrenamt, das mit der Tätigkeit verbunden ist, viele Kollegen ab. Was sehr schade ist, da wir qualifizierte Kollegen brauchen. Man sollte sich bewusst sein, dass es gerade die ‚kleinen’ Veranstaltungen sind, die für unseren Sport und die ‚Stars’ von morgen so enorm wichtig sind. Wenn wir die Jugend nicht fördern, müssen wir uns nicht wundern, dass internationale Medaillen ausbleiben. Mein großes Ziel 2017 ist, in Kooperation mit dem Ringarztverein in Zukunft zwei Mal im Jahr eine Schulung für zukünftige Ringärzte anzubieten.“

Derzeit verhandelt der Hobby-Angler und Gleitschirmflieger unter anderem mit dem Olympiastützpunkt in Heidelberg. Diese Weiterbildung soll mit einem Zertifikat abgeschlossen werden und man soll Weiterbildungspunkte der Landesärztekammer Baden-Württemberg erhalten. „Grundsätzlich ist es so“, betont Jäger, „jeder approbierte Arzt darf sich an den Ring setzen. Das möchte ich nicht ändern. Aber vielleicht kann ich anregen, sich als zertifizierter Ringarzt weiterzubilden.“

Jäger engagiert sich nicht nur in Baden-Württemberg. Für den Deutschen Boxverband war er im März bei den U-22-Europameisterschaften in Braila (Rumänien) und im Juni bei den Europameisterschaften der Elite in Charkov (Ukraine). Uwe Hamann spricht sogar von „kleinen Wundern“, die Jäger dort vollbracht habe. „In Rumänien hatte die halbe Mannschaft mit Magen-Darm Erkrankungen zu kämpfen, auch Peter Kadiru, unser Europameister. Meine Aufgabe war es, Peter mit allen erlaubten Mitteln fit zu bekommen, was ja zum Glück geklappt hat. In der Ukraine hatte Abass Baraou Gelenkprobleme, die wir in enger Zusammenarbeit mit der Physiotherapie in den Griff bekommen haben. Ich sehe das, ehrlich gesagt, als meine Aufgabe und nicht als ein Wunder an“, sagt Jäger. Als nächstes stehe die WM in Hamburg an. „Da hoffe ich natürlich, dass der DBV mich wieder einsetzt, sofern er mit meiner Arbeit zufrieden ist.“ Langfristig möchte der Chirurg weitere Qualifikationen erwerben. Und verrät, dass sein Wunschziel: „natürlich“ Olympia 2020 in Tokio.

Bevor Martin Jäger vor etwa 1,5 Jahren ins Klinikum Friedrichshafen in die Orthopädie/Unfallchirurgie als Assistenzarzt kam, war er zwei Jahre in Stockach in der Chirurgie tätig. Obwohl es manchmal schwierig ist, Boxveranstaltungen und den Dienstplan unter einen Hut zu bekommen, hat er sich der Aufgabe gestellt und wird von seiner Lebenspartnerin beruflich wie auch beim Boxen unterstützt. „Meine Verlobte hält mir den Rücken frei. Ohne ihre Unterstützung wäre das nicht möglich. Als Verbandsarzt muss ich die Boxer auf Tauglichkeit untersuchen, Untersuchungen nach K.-o.s durchführen, Boxer, die mehr als 30 Jahre als sind, für den Wettkampfsport freigeben. Im Moment mache ich das am Klinikum, wobei ich in Verhandlung bin, das Angebot auszubauen. Mein Wunsch wäre eine Anbindung der Sportler ans Klinikum, um die volle sportmedizinische Untersuchung anbieten zu können. Für das Klinikum wäre das mit Sicherheit eine attraktive Sache, sich den olympischen Boxsport auf die Fahne zu schreiben.“

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