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Regionalsport Hochrhein Tenniskünstler und Lebemann

07.08.2009
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Pflegeleicht war er nie, aber interessant ist er. Und einen typischen Schwaben stellen wir uns gewiss auch nicht so vor.

Pflegeleicht war er nie, aber interessant ist er. Und einen typischen Schwaben stellen wir uns gewiss auch nicht so vor. Bei Tony Holzinger, der Nummer 1 des TC RW Tiengen, schlagen da schon eher – was Optik und Temperament betrifft – die Gene der Mutter aus Südafrika durch. Der Vater ist Schwabe und wohnt in Kirchheim-Teck, und der kleine Tony wurde in Nürtingen geboren.

Mit drei Jahren hat er angefangen, Tennis zu spielen. „Da konnte ich noch kaum reden“, witzelt Tony Holzinger, den es aber nicht lange im Schwabenland hielt. Schon als 17-Jähriger zog es ihn nach Spanien. Auf Marbella lebte er vier Jahre, dann ein Jahr auf Sardinien, bis vor kurzem und wohl bald wieder in Benidorm bei Alicante. „Dort gibt es viele hübsche Touristinnen“, schmunzelt er und spätestens jetzt wissen wir: Bei Tony dreht sich nicht alles um den gelben Filzball.

Das macht ihn auch sympathisch. Piercings an Lippe und Augenbraue deuten darauf hin, dass er kein Vorzeige-Tennisprofi à la Federer oder Sampras ist. Dann schon eher ein begnadetes Talent vom Schlag eines Becker oder Agassi. Auch ein bisschen McEnroe hat er im Blut. Das sieht und hört man auf dem Platz. Tiengens Teamchef Gerd Albiez lobt ihn: „Er hat jeden Schlag drauf und könnte locker in den Top 100 der Weltrangliste spielen.“ Wenn, ja wenn was? Vielleicht wenn er etwas trainingseifriger wäre oder professioneller leben würde?

Dann wäre er aber auch nicht der Tony, den alle in Tiengen schon über ein Jahr schätzen gelernt haben. Einer mit Ecken und Kanten. „Ich war nie ein Ja-Sager“, sagt Holzinger und erinnert sich an einige Dinge in seinem Leben. An seinen Ärger mit dem württembergischen Verband zu Jugendzeiten oder daran, dass er vor einigen Jahren nicht mehr aus Spanien nach Deutschland einreisen durfte. Holzinger hat einen deutschen Pass. „Ich habe den Zivildienst verweigert und hatte Probleme“, erinnert er sich.

Genau damals lernte Tony Holzinger auf Gran Canaria Daniel Pietzke aus Eggingen kennen. Eine Freundschaft entstand. Pietzke erkannte gleich Holzingers Potenzial: „Irre, was da auf dem Platz abging. Ein Wahnsinns-Spieler und ein toller Typ. Direkt, aber grundehrlich.“ Kontakte zu Wolfgang Rühl vom TC RW Tiengen wurden geknüpft. So kam alles ins Rollen. Seit vergangener Saison lebt Holzinger bei Daniel Pietzke in Eggingen, spielt für die Rot-Weißen in Tiengen und absolvierte hier brav seinen Zivildienst an der Langensteinschule. Ein geläuterter „Revoluzzer“? Na ja. Ende April hatte er seinen Dienst beendet und ließ sich auf dem Rücken tätowieren. Dort können jetzt alle anderen lesen, was ihm das Wichtigste ist: „Libertad“ und das Datum seiner „Entlassung“. Dabei betont er aber, dass ihm die Arbeit an der Schule viel Spaß bereitet habe: „Die Kinder habe ich gleich in mein Herz geschlossen. Direktorin und Sekretärin sind so super. Das hat mir sehr viel erleichtert.“

Tennis spielte er auch in Tiengen. Vergangenes Jahr eher weniger. Da verletzte er sich nach der ersten Partie – ausgerechnet beim Fußball. Nach dem ersten Spiel war deshalb schon Schluss. Diese Saison läuft es besser. Holzinger ist bei seinen Badenliga-Einsätzen noch ungeschlagen und harmoniert auch mit seinen Teamkollegen bestens. „Ich versuche, Stimmung rein zu bringen“, sagt er.

Emotional ist er eben: Das mussten auch Kurt Schertle, Axel Schmidt und Oliver Rehm erfahren, die sich in ihrem Geschäft stets um Holzingers Tennis-Utensilien kümmerten. „Zu jeder Tages- und Nachtzeit waren sie für mich da und haben mir geholfen. Es gab nie ein Nein“, erinnert sich Holzinger an einige seiner Eskapaden. Da ging schon öfters mal ein Rackett zu Bruch. Mittlerweile hat er aber seine Nerven besser in Griff – meistens.

Wehmütig wird er etwas, wenn er an seine Zukunft denkt: „Mir gefällt es hier, aber mich zieht es schon wieder zurück nach Spanien.“ Nach der letzten Saisonpartie am Sonntag für Rot-Weiß wird er noch ein Future-Turnier in Überlingen bestreiten und sich dann wohl Richtung Süden verabschieden. Vor allem der Abschied von Daniel Pietzke werde ihm schwer fallen, sagt er: „Er ist fast wie ein Bruder für mich. Ohne ihn wäre ich nicht der, der ich heute bin.“

Ein Angebot habe er, in einem Hotel in Benidorm umsonst zu wohnen. „Dafür muss ich ihre Kleidung mit Werbung tragen.“ Außerdem hat Holzinger als berufliches Standbein noch eine Firma mit einem türkischen Kollegen namens Aki Oktulmus in der Hinterhand, die Tennis- und Freizeitkleidung vertreibt. Holzinger: „Ich habe einige Produkte selbst entworfen.“ Geschäfte dafür gibt es, so Holzinger, in Stuttgart, Esslingen, Göppingen und Berlin.

Holzinger – ein Geschäftsmann im edlen Zwirn? Ganz so wird's nicht werden. „Sparringspartner für Weltklassespielerinnen“ – das könnte etwas für ihn sein. Also doch ungebunden und frei? „Ich bin ein Lebemann, fühl mich eher als Spanier. Ich fluche auf dem Platz auf spanisch“, sagt er.

Vielleicht lernt der heißblütige Single auch noch die Frau seines Lebens kennen. „Das wäre super“, sagt er. Nur darf die nicht das Tatoo auf Tonys Rücken missdeuten. „Libertad“ – Freiheit, das Einzige was zählt?

Ein Schweizer wird fehlen
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