Regionalsport Hochrhein Fußball von morgens bis abends
Als Vierjähriger begann er beim VfB Waldshut Fußball zu spielen. Heute lebt Marvin Hezel in Freiburg und ist dort Spieler im B-Junioren-Bundesliga-Team des SC Freiburg. Bild: gerald edinger
Es ist Samstag, das Gottlieb-Daimler-Stadion ist gleich nebenan, die Arena, in der der VfB Stuttgart seine Spiele austrägt. Einen schüchternen Blick riskiert Marvin Hezel schon mal vom Nebenplatz aus. Natürlich würde der 16-jährige Waldshuter später gerne einmal als Profi Fußball spielen. Er weiß aber auch, dass es „ein weiter Weg“ bis dorthin ist. Er macht sich nichts vor: „Es gibt in Deutschland viele Spieler wie mich.“
Klar ist er stolz darauf, dass er jetzt in einem Club wie dem SC Freiburg spielen darf und mit Spielern des FC Bayern, 1. FC Nürnberg oder Karlsruher SC auf den Platz laufen darf: „Daran hätte ich vor einem Jahr nie gedacht.“ Im Sommer erhielt er von Klemens Hartenbach, einem der Leiter der Freiburger Fußballschule, einen Anruf. „Schon nach dem ersten Training war alles klar“, erzählt der aufgeschlossene Nachwuchsmann.
Für ihn war nach einem Jahr beim FC Schaffhausen in der höchsten B-Junioren-Liga der Schweiz klar, dass er einen Wechsel braucht, wenn er weiterkommen wollte. „Das Niveau der Mannschaft war dort nicht so gut“, sagt er deutlich. In Schaffhausen wurde er übrigens vom heutigen Coach des Bezirksligisten SV Jestetten, Edgar Gaißer, trainiert.
Dass Hezel schließlich beim SC Freiburg landete, hat viele Gründe. Schon als Vierjähriger hatte er nur Fußball im Sinn, begann beim VfB Waldshut früher als üblich im F-Junioren-Team zu spielen. Das meiste gelernt habe er von Albano Lettieri. „Es war oft hart, aber auch gut“, sagt der talentierte Spieler heute.
Liesel Kaiser aus Dogern förderte ihn dann bei den C-Junioren des SV 08 Laufenburg. Über den DFB-Stützpunkt in Tiengen kam er in die Südbadische Auswahl. SBFV-Trainer Werner Zink war dann nicht ganz unbeteiligt, dass Marvin Hezel zum Zweit-Bundesligisten nach Freiburg wechselte. Jetzt ist er froh, dass es geklappt hat: „Das ist für mich eine super Gelegenheit, höherklassig zu spielen.“
Anfangs musste er noch zum Training pendeln, dann fand er ein kleines Zimmer. In fünf Minuten mit dem Rad auf dem Trainingsgelände und zur Schule braucht er etwa ebenso lange – aber mit der Straßenbahn. „Das war nicht leicht für mich“, gesteht Marvins Mutter Andrea Hezel. Aber sie weiß, dass ihr Sohn „in Freiburg gut aufgehoben“ ist.
Der Start war für den 1,90 Meter großen zweikampfstarken Kopfballspezialisten nach der Vorbereitung „etwas holprig“. Nach nicht gelungenen Tests im Abwehrzentrum saß er im ersten Spiel nur auf der Bank. „Der Posten liegt mir nicht, ich spiele lieber im defensiven Mittelfeld“, erklärte er Trainer Marcus Sorg. Der brachte ihn eine Woche später in den letzten 20 Minuten auf seiner Lieblingsposition – als einen von zwei „Sechsern“. Prompt gelang ihm gegen den 1. FC Kaiserslautern ein Tor.
Das Spiel verloren die Freiburger zwar mit 1:2, doch ab da hatte Marvin Hezel einen Stammplatz. „Es ist toll, Tore zu schießen, noch schöner ist, dass wir ein tolles Team haben.“ Bisher hat der Waldshuter fünf Treffer erzielt und ist damit der erfolgreichste Schütze seiner Mannschaft. Dass sich alle Spieler so gut verstehen, ist kein Wunder, die meisten kennt er von der Auswahl. Für den Wohlfühlfaktor sorgt auch seine Familie, die selbst bei Auswärtsspielen immer dabei ist: „Das ist schon ein gutes Gefühl“, freut sich der 16-Jährige über diesen Beistand. Fast ebenso motivierend ist es, wenn Chef-Trainer Robin Dutt vorbeikommt und sich ein Spiel der B-Junioren anschaut.
Marvin Hezel kann noch gar nicht glauben, was in den vergangenen Monaten alles passierte. Er wechselte vom Hochrhein-Gymnasium in Waldshut in die Max-Weber-Schule, mit ihr kooperiert der Freiburger Proficlub. Deshalb kann Marvin donnerstags um halb acht zum Techniktraining, auch wenn Fußballer um diese Zeit wirklich nicht gerne trainieren. Dort zeigt Amateurcoach Ibrahim Tanko den Jungs den Umgang mit dem Ball.
In der kurzen Zeit ist der Waldshuter sehr selbstständig geworden, macht sein Frühstück selbst und kocht sich am Abend schon mal Spaghetti. Mittags geht er zum Essen ins SC-Internat. „Wenn er mal wieder zu Hause ist, läuft die Waschmaschine heiß“, berichtet seine Mutter lächelnd.
Marvin Hezel ist sicher kein Träumer, er hat aber einen Traum: „Einmal mit Johannes Flum beim SC Freiburg in einer Mannschaft spielen.“ Der Weilheimer sei das beste Beispiel dafür, das es bei den Profis klappen kann. Marvins Devise: „Dran bleiben, auch wenn es mal nicht so gut läuft.“
