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Regionalsport Hochrhein Ein großer Traum geht in Erfüllung

28.09.2011


Eishockey: – Irgendwann vor gut zwei Jahren am Rande eines Spiels nahm sich Melina Frommherz ihren Papa zur Seite und flüsterte ihm ins Ohr: „Den Adler auf der Brust tragen, das hat was. Das würde ich auch gern mal.“ An diesen Satz seiner heute 14-jährigen Tochter erinnert sich Heinz Frommherz aus Herrischried-Rütte in diesen Tagen oft.Letztens steckte nämlich im Briefkasten der Familie Frommherz ein Brief aus München.

Absender war der Deutsche Eishockeybund (DEB). Bundestrainer Peter Kathan, seit 2002 zuständig für Frauen-Nationalmannschaft und weiblichen Nachwuchs, hat Melina Frommherz fürs erste Oktober-Wochenende zu einem Lehrgang der U 15-Nationalmannschaft nach Füssen eingeladen: „Zum Abschluss finden dann in Selb in der Oberpfalz zwei Länderspiele gegen Tschechien statt“, freut sich Heinz Frommherz über den ersten Karriereschritt seiner Großen.

Melina Frommherz freut sich gewaltig auf den Lehrgang. Schließlich geht dort für die Neuntklässlerin der Werner-Kirchhofer Realschule in Bad Säckingen nicht nur der Traum mit dem Adler-Trikot in Erfüllung. Für sie ist es auch der Lohn des aufwändigen und anstrengenden Trainings der letzten Wochen und Monate. Nahezu täglich ist sie mit ihren Eltern unterwegs, um ihr Eishockey zu schulen.

Bis zum vergangenen Frühjahr stand die 1,68 Meter große Sportlerin für den heimischen EHC Herrischried auf dem Eis. Doch ihr Talent blieb den geschulten Blicken der Trainer nicht verborgen. Erster Gedanke der Familie war, in die Schweiz zu den Mädchen des EHC Basel zu wechseln. „Doch Trainer Daniel Adler hat uns empfohlen, dass sie sich seinem EHC Rheinfelden/Schweiz anschließen und dort weiter mit den Jungs spielen soll“, erklärt Heinz Frommherz: „In Rheinfelden hat sie durch die Teilnahme am Schweizer Spielbetrieb mehr Einsätze.“ Mit dem Nachwuchs des EHC Herrischried mischte Melina zwar erfolgreich in der Badischen Nachwuchsliga (BNL) mit, hatte aber nur acht Spiele in der Saison. „Das ist viel zu wenig für sie“, so Heinz Frommherz, der einen weiteren Aspekt für den Wechsel heraushebt: „Das Training und das Spiel bei den Jungs ist robuster.“

Kein Problem für Melina, die ohne Eishockey-Montur fast zierlich daherkommt. „Bei den Jungs geht's schon zur Sache“, lacht sie und betont, dass sie sich in den Zweikämpfen trotz fehlender Körperfülle nicht verstecken muss. Kurioserweise wird sie sich das körperbetonte Spiel im Lehrgang mit den U 15-Nationalspielerinnen in Füssen wieder abgewöhnen müssen: „Beim Frauen-Eishockey sind Checks nicht erlaubt“, wundert sich die Herrischriederin ein wenig über diese Regel für das vermeintlich „schwache Geschlecht“.

Dass beim EHC Rheinfelden ein anderer Wind pfeift, liegt weniger an der Freiluft-Eisfläche, an die sie sich erst noch gewöhnen muss, als am straffen Trainingsplan, den Melina Frommherz in diesem Sommer absolvierte: „Montags stand Kraft und Kondition an, dienstags wurde Uni-Hockey gespielt und freitags war Stocktechnik angesagt.“ Klar, dass sie heilfroh war, als Eismeister Hubert Matt vor wenigen Tagen in der Herrrischrieder Halle die Eis-Maschine anwarf. Sofort stand auch Melina wieder auf dem Eis, das sie als „sehr gut, weil sehr weich“ bezeichnet.

Überhaupt hängt Melina sehr an ihrem Heimatverein, dessen bisherigen Trainer Tomasz Zourek sie als ihr großes Idol bezeichnet. Beim EHC Herrischried schnürte sie vor fünf Jahren erstmals ihre Schlittschuhe. Mark, ihr kleiner Bruder, spielt schon länger bei den „Young Stags“. Da wollte Melina nicht mehr länger nur als Zuschauerin an der Bande stehen. Die heimischen Aktivspieler Klaus Bächle und Janos von der Osten, ihre ersten Trainer, schafften es schnell, bei der talentierten Schülerin den Spaß mit dem Puck zu wecken.

Seither wuchs die Leidenschaft für den schnellen Sport. Melina wurde so heiß aufs Eis, dass sie in diesem Sommer sogar schweren Herzens mit Fußball spielen beim FC Herrischried aufgehört hat: „Sie soll sich nur auf einen Sport konzentrieren“, betont Heinz Frommherz, der seiner Tochter auch mit dem Lederball viel Talent attestiert.

Ähnlich sah es auch Manfred Hofmann, der Vorsitzende des EHC Herrischried, dem Melinas Talent sofort ins Auge stach. Er bestärkte die Spielerin und die Eltern, sich aufs Eishockey zu konzentrieren: „Melina wird es einmal weit bringen“, ist sich Hofmann sicher.

Wohin der Weg von Melina Frommherz führen wird, ist heute natürlich noch offen. Die Schülerin träumt davon, eines Tages in der „großen“ Nationalmannschaft der Frauen zu stehen. Sie will aber neben dem Sport ihre Schulausbildung nicht aus den Augen verlieren. Melina ist vernünftig genug, zu wissen, dass es für die Frauen in dieser Männer-Sportart zumindest derzeit kein Geld zu verdienen gibt.

Schon deshalb winkt sie bescheiden ab: „Ich mache jetzt erstmal diesen Schritt und hoffe, dass ich bei den Länderspielen gut spiele.“ Allein der Gedanke daran, beim Erklingen der Nationalhymne auf dem Eis zu stehen, macht sie leicht nervös. Doch dazu gibt es keinen Grund. Martina und Heinz Frommherz werden sich das erste Länderspiel ihrer Tochter nicht entgehen lassen.

Der elfjährige Mark, der im zweiten Jahr beim EHC Basel spielt und bereits zum baden-württembergischen Kader seiner Altersklasse gehört, wird ebenfalls fest die Daumen drücken.

Mark ist natürlich stolz auf seine große Schwester und fordert sie auf dem heimischen Garagendach gern zum Puck-Duell. Hier hat Heinz Frommherz auf der 48 Quadratmeter großen Fläche mit einem speziellen Boden für seine Sprösslinge eine kleine Trainingsfläche gebaut. Wenn nun in Selb Melinas großer Traum in Erfüllung gegangen ist, wird sie ihrem kleinen Bruder dort im eigenen Nationaltrikot gegenüber stehen: Mit dem Adler auf der Brust.

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