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Regionalsport SeeOst Zwei russische Winter mehr für Schöps

16.03.2010
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Volleyball: In Odintsovo, man glaubt es kaum nach einem Jahrhundertwinter mit wochenlangen Temperaturen unter 20 Grad minus, wird es langsam Frühling. Darüber, dass sich die riesigen Schneeberge vor dem Volleyballzentrum langsam in Wasser verwandeln, freut sich besonders Jochen Schöps, deutscher Legionär in Diensten des russischen Klubs „Iskra Odintsovo“.

Gerade hat er seinen Dreijahresvertrag verlängert: Schöps bleibt bis 2012 in Russland. „Ich habe mich inzwischen gut eingelebt hier“, sagt er.

Seit der Diagonalangreifer vom deutschen Rekordmeister VfB Friedrichshafen im Herbst 2007 mit dem Koffer in der Hand am Moskauer Flughafen ankam, hat er einiges erreicht: Mit „Iskra“ holte der 26-Jährige 2008 den zweiten Platz in der russischen Meisterschaft, 2009 Rang zwei im Pokal und der Meisterschaft sowie Bronze in der Champions League. „Für mich war das vergangene Jahr das erfolgreichste meiner Karriere“, sagt Schöps, der in Deutschland zum dritten Mal in Folge zum „Volleyballer des Jahres“ gewählt wurde. Der Klub sah das anders: 2009 feierte „Iskra“ sein 30. Jubiläum, und nach einer endlosen Sammlung von Silbermedaillen sollte endlich ein Titel her – um jeden Preis. Als „Iskra“ nach einer sehr guten Saison im Finale an Zenit Kasan scheiterte, war das Schicksal von Trainer Zoran Gajic besiegelt.

Mit Gajic verabschiedete sich auch der Hauptsponsor, der schwerreiche Immobilieninvestor „Absoljut“. Nachfolger wurde „Toyota“, und seitdem, sagt Schöps, ist auch das Budget kleiner geworden. Das merkt man: Keine sexy Cheerleader mit Pelzmützen mehr in den Spielpausen, und der Eintritt zu den Spielen ist nicht mehr umsonst. Auch der Deutsche verdient nach seinem neuen Vertrag zehn Prozent weniger als früher – beklagen kann er sich trotzdem nicht: Sein voriges Jahresgehalt lag um die 200 000 Euro.

Vor Saisonbeginn im Herbst verließen mehrere Leistungsträger das Team, darunter der brasilianische Superstar „Giba“, der mit Schöps nach Odintsovo gekommen war. Am schlimmsten, so Schöps, sei aber der Weggang von Libero Alexej Werbov und Pawel Abramov, beide russische Nationalspieler. „Damit war unsere Annahme-Achse weg“, sagt Schöps. Als Ersatz holte die Klubführung den brasilianischen Nachwuchsstar Leo Mineiro – der wird aber bis heute den Erwartungen nicht gerecht. Momentan liegt Iskra auf dem sechsten Platz der russischen Liga – und ist damit sicher für das Endturnier qualifiziert. Mit der neu zusammengewürfelten Mannschaft hat Schöps für diese Saison allerdings wenig Hoffnung auf einen großen Wurf: „Wir sind auf jeder Position den Mannschaften auf den ersten vier Plätzen unterlegen“, sagt er. Entsprechend sei momentan auch die Stimmung im Klub.

Vorsichtig optimistisch blickt der Deutsche allerdings auf das Final Four im CEV-Cup Ende März im belgischen Maaseik: Neben den Belgiern spielen Piacenza und Cuneo aus Italien um den Titel: „Da könnten wir für eine Überraschung sorgen – und das würde sicher die Atmosphäre bei uns wieder besser machen.“ In der nächsten Saison, so ist Schöps überzeugt, wird der Klub wieder eine schlagkräftige Truppe aufstellen, die auch „ganz oben“ mitspielen kann – ohne diese Aussicht hätte er auch nicht unterschrieben.

Das Einzige, was Schöps – abgesehen von den kalten Temperaturen und den weiten Reisen im Riesenland Russland – stört, ist der Verdacht, dass in der russischen Liga nicht immer alles „sauber“ läuft: „Mehrere Spiele wurden dermaßen zum Vorteil eines Teams verpfiffen – das habe ich in Deutschland oder auf europäischer Ebene noch nicht erlebt“, sagt Schöps. Solche Geschichten werden ihm immer wieder von seinen Mannschaftskollegen erzählt. „Inzwischen trau ich Russland alles zu“, sagt Schöps.

Privat geht es derweil voran: Im vergangenen Herbst ist seine Freundin Anna nach Odintsovo gezogen, nun sind die kalten Winterabende in Schöps' 2-Zimmer-Wohnung nicht mehr so einsam – und die Zeit zwischen den Spielen nicht mehr so lang. Im Mai fliegt Schöps mit Freundin dann zurück nach Deutschland. Was er da vorhat? „Volleyball spielen“, sagt Schöps und muss selbst lachen. Zuerst die EM-Qualifikation mit der Nationalmannschaft Ende Mai, im Juli die Weltliga und im September die Weltmeisterschaft in Italien. Und dann – wartet wieder der Flieger nach Moskau, rechtzeitig zum Winterbeginn. Aber daran will Schöps gerade noch nicht denken.

Regionalsport Bodensee Ost
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