Fraueneishockey: Sowohl die Paarung zwischen Russland und der Schweiz, als auch das zweite Semi-Finale Kanada - Schweden wurde erst in der Verlängerung entschieden. Die Spielverläufe hätte selbst Alfred Hitchcock kaum spannender inszenieren können. Vermeintlich sichere Vorsprünge mit zwei Toren von Kanada und Russland hielten nicht stand, sowohl die Schweiz als auch Schweden fanden ins Spiel zurück. Die Skandinavierinnen mussten sogar bis elf Sekunden vor der Schlusssirene bangen, ehe der Puck zum 3:3 einschlug. Während sich die Schweiz mit dem entscheidenden Treffer in der Overtime und dem damit verbundenen Finaleinzug einen Traum erfüllte, fand die Aufholjagd von Schweden kein Happy End. Kurz nachdem die überragende Schwedin Isabelle Jordanson den Puck von der blauen Linie nur an die Unterkante der Latte donnerte, setzte Kanada quasi im Gegenzug den entscheidenden Treffer.
Das Finale zwischen Kanada und dem Überraschungsteam aus der Schweiz konnte allerdings mit keinen spannenden Spielverlauf aufwarten. Selten drehten die Frauen aus dem Mutterland des Eishockeys so eindrucksvoll auf, wie an diesem Abend. Die Schweizerinnen hatten nicht den Hauch einer Chance und lagen nach dem ersten Spielabschnitt bereits mit 0:4 zurück. Kanada, das das Turnier mit der offiziellen U-22-Nationalmannschaft bestritt, demonstrierte geradezu Eishockey aus dem Lehrbuch und die knapp 1200 Zuschauer auf den Rängen sahen ein Tor schöner wie das andere. Mit dem 9:0 war der Endstand bereits nach 40 Minuten hergestellt, entsprechend verdient sicherte sich Kanada somit den MLP Nations Cup.
Aus deutscher Sicht war bei diesem Turnier, bei dem die Konkurrenz weitgehend mit den Olympiakadern für Vancouver auflief, nichts zu holen. Auch im Spiel um Platz fünf mussten sich die DEB-Frauen Finnland mit 0:4 geschlagen geben. „Wenn man die starke Konkurrenz betrachtet, waren wir dennoch mit unserem Spiel zufrieden“, resümierte der deutsche Ko-Trainer Benjamin Hinterstocker das Turnier. „Vorrangiges Ziel ist es jetzt, das junge und neuformierte deutsche Team fit zu machen für das Jahr 2011“, so Hinterstocker. Da es aufgrund Olympia keine Weltmeisterschaft in der B-Division gibt, besteht dann die nächste Chance, wieder in den Kreis der A-WM aufzusteigen. Und Ravensburg könnte hier erneut eine Rolle spielen. „Ich werde meinen Präsidiumskollegen vorschlagen, dass wir uns mit Ravensburg für die B-WM in 2011 als Ausrichter bewerben sollten“, erklärte DEB-Vizepräsident Bodo Lauterjung bei der abschließenden Pressekonferenz und lobte neben der Organisation des EV Ravensburg auch das begeisterte Publikum in Oberschwaben.
