2. Eishockey-Bundesliga: Einige Besucher beim „radius“ in Ravensburg halten kurz inne, als Schreie durch die Räume hallen. „Come on, go”, brüllt Eishockeyprofi Alex Leavitt vor sich hin und läutet damit die letzte Phase auf dem Laufband an.
Zwei Minuten später hat der kanadische Stürmer seinen 25-minütigen Laktattest abgeschlossen und mit einer Durchschnittsgeschindigkeit von 17,6 km/h fast exakt fünf Kilometer zurückgelegt. „Ich bin mit mir ganz zufrieden, vor allem am Ende konnte ich meinen inneren Schweinehund nochmal in Schranken weisen“, schnauft der 26-jährige Neuzugang der EVR Towerstars. Das eigene Gefühl für die Leistung und die auf dem Display des Laufbands angezeigten Werte stimmen den Kanadier optimistisch.
Doch der von den Towerstars stets zu Saisonstart anberaumte Laktattest wird Parameter anzeigen, die erst im Labor ausgewertet werden müssen. Nach jeder Belastungssstufe wurde am Ohr von Alex Leavitt und den anderen Spielern ein Tropfen Blut entnommen, dessen Laktatwerte ermittelt werden. Laktat ist ein biologisches Abfallprodukt des menschlichen Körpers beim Stoffwechsel. Je höher dieser Salzanteil der Milchsäure im Blut steigt, umso mehr lässt die Leisungsfähigkeit von Muskeln und Gewebe nach, zudem verlängert sich die Erholungsphase. Die Pulsfrequenz steht hier in engem Zusammenhang. Dieser Umstand ist bei Eishockeyspielern besonders von Bedeutung, denn in den 35 bis 40 Sekunden Eiszeit pro Wechsel müssen sie Vollgas geben und sich dann in den nächsten zwei bis drei Minuten wieder erholen.
Weder die Spieler noch das Towerstars-Management beschäftigen sich aber zu intensiv mit der Mikrobiologie. Vielmehr sollen Erkenntnisse über die Verfassung der Spieler und die Anpassung der Trainingsmethoden gewonnen werden. Sportwissenschaftlerin Pamela Denzel erklärt: „In diesem Test sieht man ansatzweise die Belastung der vergangenen vier Wochen, mehr aber die persönliche Arbeit über den Sommer.“ Auch der sportliche Leiter Alexander Jäger und Trainer Peter Draisaitl wollen wissen, wie intensiv die Spieler ihre „Hausaufgaben“ gemacht haben und wo in den nächsten Wochen besonders angesetzt werden muss. „Besonders interessant und nützlich wird es natürlich bei jenen Spielern, von denen wir Vergleichswerte aus dem Vorjahr haben“, erklärt Alexander Jäger.
Während Mitte der Woche die Physis auf dem Prüfstand kam, konzentriert sich die Arbeit am Wochenende wieder auf das Eis. Mit den Starbulls Rosenheim wartet heute und Sonntag ein interessanter Testspielgegner auf die Oberschwaben. Der Aufsteiger aus der Oberliga wird durchaus als Überraschungsteam gehandelt und bringt durch den Meistertitel jede Menge Schwung und Motivation mit. Schüsselspieler dürfte unter anderem Torhüter Norm Maracle sein. Der 35-Jährige kann 66 Spiele in der NHL und 83 Einsätze in der DEL nachweisen. Das Heimspiel dieses Testwochenendes tragen die Towerstars am Sonntag um 18.30 Uhr aus.
