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Regionalsport SeeOst „Gigante“ auf Welt-Tournee

01.07.2010


Volleyball: Markus Böhme hat schon so Manches gesehen von der Volleyball-Welt. Fremde Länder und euphorische Fans kennt der Mittelblocker des VfB Friedrichshafen.

In den vergangenen Wochen konnte der 2,11-Meter-Riese aber jede Menge neue Erfahrungen sammeln. Denn die Weltliga, in der die Deutschen jetzt zum ersten Mal seit 2003 wieder dabei sind, bringt für Böhme und seine Mitspieler bei der Nationalmannschaft völlig neue Eindrücke mit sich.

Beispielsweise den, dass selbst ein körperlich so starker Spieler wie der VfB-Blocker noch übertrumpft werden kann. Ein Kubaner namens Robertlandy Simon hat der deutschen Auswahl zuletzt ihre Grenzen aufgezeigt. „Das ist schon sehr beeindruckend, was der Mann da im Mittelblock veranstaltet. Da haben wir kein Gegenmittel gefunden“, schilderte der größte Häfler Spieler, was er und seine Mitstreiter vier Partien lang vergebens versucht haben. Kuba ist ein gutes Stichwort. Die Südamerikaner haben für das gesamte deutsche Team eine Art volleyball-technischen Kulturschock bedeutet. Nicht nur, weil auf Kuba 8000 Fans in einer nicht klimatisierten und völlig überhitzten Halle gefeiert haben. Sondern auch, weil Fidel Castros Volleyballer auf eine Weise spielen, die den Deutschen bisher unbekannt war. Kein anderes Team der Welt dürfte in der Lage sein, trotz eines unsicheren Spielaufbaus derart vehement und erfolgreich anzugreifen. „Die sind Weltklasse. Da kommt nicht viel, das noch besser ist.“

Markus Böhme sieht die Duelle mit den Monstern aus Kuba als weiteren Schritt in seiner Entwicklung. Schritte hat er in den vergangenen zwölf Monaten viele gemacht. „Dass ich zum VfB gewechselt bin, hat mir sehr weiter geholfen. Ich habe mich verbessert und eine gute Saison gespielt.“ Bei der Nationalmannschaft geht das Lernen weiter. Bundestrainer Raul Lozano pflegt eine andere Art Volleyball zu spielen als VfB-Coach Stelian Moculescu. Am Bodensee liege die Priorität darauf, viel Wirkung mit dem Aufschlag zu erreichen. In der Nationalmannschaft sei das ein bisschen anders. Lozano lege Wert darauf, mit der Block- und Feldabwehr viele Bälle zu verteidigen.

Ein Problem sieht der 24-Jährige in den unterschiedlichen Philosophien seiner beiden Trainer nicht. „Sie arbeiten Beide auf allerhöchstem Niveau. Und ich habe die Möglichkeit, mir das Beste von Beiden herauszupicken. Das ist optimal.“ Und deswegen hofft „Gigante“, so Böhmes Spitzname in Volleyball-Kreisen, darauf, dass das Lernen für ihn weiter geht. Beispielsweise bei der Weltmeisterschaft, die Ende September in Italien beginnt.

Aus zwei Gründen will der gebürtige Berliner unbedingt dabei sein. Da ist zum einen die Tatsache, dass der VfB-Mittelblocker den Vergleich mit den besten Mannschaften der Welt sucht, um sich weiter zu entwickeln. „Außerdem empfinde ich es als Selbstverständlichkeit, dass man alles dafür gibt, damit man für sein Land spielen kann. Mich macht das stolz.“

Dafür nimmt Markus Böhme in Kauf, dass er kaum Urlaub, aber viel Reise- und noch mehr Trainings-Stress hat. Sollte Lozano den Friedrichshafener mit nach Italien nehmen, dann fällt er auch für die meiste Zeit der Saisonvorbereitung beim VfB aus. „Es ist gut möglich, dass ich dann irgendwann im Oktober zurückkomme und erstmal in ein kleines Formtief falle. Aber das ist nicht so tragisch. Schließlich ist die Saison lang und wir haben eine sehr gute Mannschaft, die das kompensieren kann.“ So weit denkt Markus Böhme im Moment aber eigentlich noch nicht. Derzeit versucht er, nach Magen-Darm-Problemen, die er von der Südamerika-Reise mitgebracht hat, wieder fit zu werden. Denn wenn die Deutschen heute um 19.30 Uhr in seiner Heimatstadt Berlin erneut auf Argentinien trifft, will der 2,11-Meter-Mann unbedingt auf dem Feld stehen.

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