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Regionalsport SeeWest:  Ein Zeitreisender und sein Auftrag

29.10.2011
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Manfred Herz kümmert sich auch bei Sportveranstaltungen in der Region wie dem Megathlon um die korrekte Zeitmessung

Früher, daran kann sich Manfred Herz noch gut erinnern, standen sechs, sieben Mann bei Stadtläufen oder Marathons im Ziel und notierten die Nummern der Hobby-Läufer, die teilweise im Pulk den letzten Meter bewältigten. Ziemlich chaotisch konnte es damals zugehen und nicht selten gab es hitzige Diskussionen, wenn die Läufer die Siegerlisten studierten und so manche Ungereimtheit zu finden glaubten. Herz war damals selbst aktiver Sportler, ein „Läufer auf Leistungsniveau“.

„Gerade Hobby-Sportler legen großen Wert auf korrekte Zeitmessungen“, weiß Herz, der mit seiner Firma Abavent inzwischen in ganz Süddeutschland tätig ist, im vergangenen Jahr auch im Schwarzwald und am Bodensee für exakte Siegerlisten verantwortlich war. Beim Bodensee-Megathlon, dem Riderman oder der Trans Schwarzwald sorgen er und seine zwölf Mitarbeiter für Bedingungen, „wie sie auch bei den Profis nicht besser sein könnten“.

Herz ist ein Zeitreisender. „Time Master“, also „Meister der Zeit“ nannte er sein PC-Programm, das er vor etwa 15 Jahren schrieb und mit dem die Messungen und Auswertungen damals schon wesentlich einfacher wurde. „Heute könnte man damit natürlich nichts mehr anfangen. Zu radikal hat sich die Technik seither entwickelt.“

Spätestens mit der Einführung der RFID-Technologie Ende der 90er Jahre war die Zeit der Handstoppuhren vorbei, fortan wurde mit Transpondern, kleinen Funkchips, gearbeitet, die heute teilweise sogar schon in den Startnummern integriert sind. „Die Transponder-Technik ist für fast alle Sportarten geeignet“, erklärt Herz, der sich seit zwei Jahren hauptberuflich der Zeitmessung widmet.

107 Veranstaltungen betreute sein Team vergangenes Jahr von Kempten aus. Der Marathon in Riga war dabei, an dem 17 000 Läufer teilnahmen, aber auch kleine Stadtläufe mit gerade mal 200 Teilnehmern. „Normalerweise reisen wir am Vortag an, codieren die Transponder und bauen die Technik auf“, erklärt Herz, gelernter Ingenieur der Elektrotechnik und ehemaliger Leiter der Software-Entwicklung in einem großen Maschinenbau-Unternehmen, den typischen Ablauf.

Die Teilnehmer-Daten werden in ein Computer-Programm eingepflegt, der Name des Läufers ist vermerkt, das Geburtsjahr und die Strecke, die der Athlet in Angriff nehmen will. Dann bekommt jeder Starter einen Transponder zugewiesen. Dieser löst am nächsten Tag die Zeitmessung aus, sobald der Läufer oder Radfahrer die Startlinie überschreitet und hält sie im Ziel wieder an. Je nach Technik wird auf die Hundertstelsekunde genau gemessen, bei ganz knappen Entscheidungen hilft der Videokamera-Beweis. „Die Fehlerquellen wurden in den vergangenen Jahren immer weniger“, freut sich der 47-Jährige.

Technik ist allerdings nur perfekt, wenn der Mensch mitspielt. „Ich könnte ein Buch mit skurrilen Episoden schreiben“, sagt Herz. „Einmal hatten wir eine Veranstaltung, bei der fünf unterschiedliche Läufe zum Programm gehörten. Ein Teilnehmer schaffte es, beim falschen Lauf zu starten, bei einem anderen ins Ziel zu kommen – mit dem Transponder seines Freundes, weil beide diese auch noch vertauscht hatten.“ Trotzdem konnten die Profis aus dem Allgäu auch diesem leicht verwirrten Teilnehmer eine Endzeit errechnen, ebenso für einen, der kurz vor dem Ziel unter der Absperrung durchkletterte und an dem Korridor vorbeilief, bei dem der Transponder hätte gestoppt werden sollen. „Manche Athleten sind so im Tunnel, die machen ganz verrückte Sachen.“ Und schließlich sind es keine Profis, die Herz betreut. Aber gerade die Hobby-Sportler wollen es meistens ganz genau wissen. „Ein Leistungssportler kann sich vielleicht besser einschätzen. Die Amateure wollen den exakten Nachweis ihrer Leistung, auch für das eigene Ego.“

Momentan geht es übrigens eher beschaulich zu in Kempten. Erst die Silvesterläufe werden Abavent wieder beschäftigen. „Aber die zählen für uns schon zum neuen Jahr.“

Megathlon
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