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Regionalsport SeeWest

Eine spannende Premiere

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Bogen anlegen, kurz halten, Ziel anvisieren und schon flitzt der Pfeil durch die Luft: Claudia Eltermann versucht beim Bogenschießen typische Fehler bei der Haltung und Technik zu vermeiden. Bilder: Pisa

Attacke! Ich bin bereit. Bereit, wie einst Robin Hood als Bogenschütze gegen finstere Normannen zu kämpfen. Das Neonlicht in der Litzelstetter Seeblickhalle holt mich aus dem Sherwood Forest zurück in die Gegenwart. Hier trainieren die Bogenschützen des SV Litzelstetten.

Schwere Arme
Jetzt geht es zur Sache. Der Puls steigt. Die Arme werden nun doch ein wenig schwer. Acht Schützen aus der 1. und 2. Mannschaft kommen zum Wettkampftraining zusammen: Sie schießen in der 2. Bundesliga Süd und in der Bezirksoberliga. Die Schützen lächeln mich freundlich an. „Ob ich noch Verstärkung dabei habe?“, fragen sie. „Da muss ich wohl alleine durch“, denke ich mir und lächele zur Ermutigung entschlossen zurück.

Im Foyer der Halle stellen die Sportler ihre riesigen Rucksäcke oder silbernen Koffer ab. Daraus hervor kommen Unmengen von Einzelteilen. „Na, da bin ich ja mal gespannt, wer meinen Bogen aufbaut“, denke ich mir. Ein Bogen ist schließlich nicht einfach nur ein Bogen. Sondern ein Visier und mehrere Teile. „Ein Stecksystem“, sagen die Kollegen. Aha!

Glatte Pfeile
„Der Recurve ist technisch weiter entwickelt im Vergleich zum Langbogen, der nur aus einem Stück bestand“, erklärt mir Hermann Pretzel, der Leiter der Abteilung Bogensport. Zwei gebogene Wurfarme werden auf ein Mittelstück gesteckt. Selbst für das Spannen der Sehne gibt es unterschiedliche Techniken. Den glatten Pfeil spanne ich mühelos ein. Ich bin hochkonzentriert, strecke den linken Arm mit dem Bogen durch und nehme die Zielscheibe ins Visier. „Pffft“ macht der Pfeil – und zischt unter der Scheibe durch. Ich arbeite mich vor. Der zweite Schuss trifft immerhin den Hartschaum. Der dritte Schuss den äußeren schwarzen Rand. „Ein Talent“, freut sich Pretzel höflich.

Erste Erleichterung
Nach der ersten Runde bin ich doch froh darüber, dass mein Ziel nur zehn Meter entfernt steht. Die Schützen neben mir zielen auf drei kleinere Auflagen in 18 Metern Entfernung – die offizielle Distanz für Hallenturniere, erfahre ich. Wenn Pretzel „Sicherheit“ ruft, dann legen alle ihren Bogen beiseite und holen ihre Pfeile. Und Sicherheit wird bei den Bogenschützen groß geschrieben. Deshalb stellt sich SÜDKURIER-Fotograf Peter Pisa auch nicht direkt vor mich, um mich mit seiner Kamera ins Visier zu nehmen.

Neuer Mut
Aber auch den Fotografen packt der Ergeiz. Er bekommt Pretzels Bogen. Und er trifft. „Nur Talente heute“, sagt Pretzel beeindruckt. Dann muss ich jetzt wohl wieder ran! Ich vermute, dass mein Visier noch nicht richtig eingestellt ist. Meine Pfeile stecken eng nebeneinander, aber im unteren Bereich der Auflage. Vielleicht sollte ich einfach höher zielen?

Pffft, pffft, pffft. Jetzt wird scharf geschossen. Konkurrenz beflügelt den Wettkampf. Fotograf Peter und ich schießen nun Seite an Seite. Ein Pfeil nach dem anderen zischt durch die Luft. Alle treffen die Farbringe der Auflage. Zwei sogar den gelben Acht-Punkte-Ring. Die goldene Mitte „X“ und damit zehn Punkte bleiben uns beiden verwehrt. Aber es muss ja auch noch Ziele im Sportler-Leben geben.

Als Peter sich verabschiedet hat, tausche ich meinen Übungsbogen gegen Pretzels Bogen. Er wiegt 2,5 statt 1,5 Kilogramm. Vermutlich auch, weil er einen Stabilisator hat, eine nach vorn ragende Stange, die Schwingungen abfangen soll. Der Bogen ist härter gespannt, entlässt die Pfeile mit mehr Druck auf ihren Flug.

Rote Stellen
Nach der nächsten Runde greife ich unauffällig wieder zu meinem leichteren Übungsbogen. Ich ziele. Meine Streuung ist gering, die Pfeile stecken eng beieinander und ich lächele zufrieden. Mache ich alles richtig? „Wichtig ist, nicht zu viel über das Treffen nachzudenken“, verrät mir Kirsten Keller. Die 28-Jährige tritt mit der 2. Mannschaft in der Bezirksoberliga an. „Viele Sportler müssen die Angst vor Gold überwinden“, sagt sie. Nun, Angst habe ich keine. Aber ich treffe trotzdem die goldene Mitte nicht. Dennoch bin ich zufrieden. Ich habe weder die Halleneinrichtung demoliert, noch einen Kollegen angeschossen und auch die Rötungen an meiner rechten Hand sind gering. Der lederne Fingertab schützt Zeige- und Mittelfinger beim Spannen der Sehne.

Kein Spaziergang
Die letzte Runde: Ich gebe alles. Stefan Windmüller (Bezirksoberliga) reicht mir die Pfeile: „Einen richtig guten Schuss spürt man, wenn er raus geht.“ Ich treffe immerhin die neun Punkte und bin nun Feuer und Flamme für diesen Sport. Beim Abbauen der Geräte schwärmen einige Bogenschützen vom Schießen im Freien: „Auf dem Feld ist eine tolle Atmosphäre und beim Abholen der Pfeile macht man immer einen kleinen Spaziergang.“ Ich versuche gar nicht erst, mir vorzustellen, wo meine Pfeile auf 70 Meter Entfernung landen würden und begnüge mich mit einer Tagesbilanz.

Feste Absicht
„Ich kann mir zwei Neuanmeldungen im Verein vorstellen“, sagt Pretzel und lobt meinen Einsatz. „Und der Peter hat wahnsinnige Armkraft“, schwärmt er. Aber das könne man schließlich mit Bändern trainieren, fügt er schnell hinzu. Und zu meiner großen Freude erfahre ich von meinem Trainer des Abends, dass eine Bogenschützin kein Muskelpaket sein muss: „Auf die Technik kommt es an.“ Wie früher bei Robin Hood eben.



 
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Autor: claudia eltermann
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