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„Eine unbeschreibliche Atmosphäre“

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Sie sind ein Mitglied der olympischen Familie, bieten sportliche Höchstleistungen – und sind dem breiten Publikum doch kaum bekannt. In Taiwans Hauptstadt Taipeh sind am Samstag die Deaflympics eröffnet worden, die Olympischen Spiele der Gehörlosen. Als einer von fast 160 deutschen Athleten erlebte auch der Singener Schwimmer Nicky Lange die spektakuläre Zeremonie und kämpft bis zum 15. September um Medaillen für Deutschland.

Die Deaflympics sind nicht nur das größte internationale Sportereignis für die Millionenstadt Taipeh, sie finden auch erstmals in Asien statt. Einen entsprechen Aufwand treiben die Gastgeber. Während Nicky Lange mit den anderen Sportlern auf den Einzug ins komplett ausverkaufte Stadion wartete, lief drinnen ein Spektakel ab, wie es die Deaflympics in ihrer über 80-jährigen Geschichte noch nicht erlebt hatten – darin waren sich alle Beobachter einig. Über zwei Stunden lang wirbelten Tausende Tänzer, Trommler und Artisten durch die immer wieder von Feuerwerk erleuchtete Arena, die wegen ihrer Ähnlichkeit zum Olympiastadion von Peking „kleines Vogelnest“ genannt wird.

„Es war absolute Spitze“, sagt Nicky Lange. Mit vier Teilnahmen ist der 29-Jährige zwar schon ein alter Deaflympics-Hase, aber dies sei die bisher beste Eröffnungsfeier gewesen. „Das Publikum war toll und die Atmosphäre einfach unbeschreiblich“, so Lange.

Als die rund 4000 Sportler aus mehr als 80 Ländern schließlich ins Stadion einzogen, winkten viele Zuschauer mit den Händen, statt zu klatschen – die übliche Form des Applauses bei Gehörlosen. Im deutschen Team ist etwa jeder dritte Teilnehmer profund gehörlos, könnte also selbst mit Hörgerät keine Geräusche wahrnehmen. Andere, wie Nicky Lange, können auch über gesprochene Worte kommunizieren. Doch damit alle unter den gleichen Bedingungen antreten, müssen während der Wettkämpfe die Hörgeräte abgenommen werden. Untereinander können die Sportler aus aller Welt sich ohnehin per Gebärdensprache verständigen – für Außenstehende ist es ein verblüffender Anblick, wenn Europäer, Asiaten und Afrikaner sich per Gestik und Mimik scheinbar mühelos „unterhalten“.

Obwohl Gehörlose, was die Athletik anbelangt, nicht beeinträchtigt sind, können sie normalerweise nicht die Leistung hörender Spitzensportler erreichen. Das liege zum einen am beeinträchtigten Gleichgewichtssinn, erklärt Sabine Grajewski, die als Sportdirektorin des Deutschen Gehörlosensportverbands mit nach Taipeh gereist ist und mit der Organisation eines so großen Teams alle Hände voll zu tun hat. „Außerdem können Fußball- oder Handballspieler sich nichts zurufen, wenn etwa ein Gegner von hinten kommt. Und Tennisspieler hören nicht, wie der Ball geschlagen wird.“ Beim Schwimmen und in der Leichtathletik gibt es Lichtsignale statt einer Startpistole.

Für gehörlose Sportler haben die Deaflympics den gleichen Stellenwert wie die Olympischen Spiele für Hörende. Als Gehörlosen-Weltrekordhalter über 200 Meter Rücken ist Schwimmer Nicky Lange eine der großen Medaillenhoffnungen. Er will über bis zu zwölf Einzel- und Staffelstrecken starten. Am Dienstag stehen die ersten Entscheidungen an. „Ich will alles geben, um wieder eine Medaille zu erkämpfen“, verspricht der vielfache Weltmeister und Deaflympics-Sieger.

„Wir setzen auch auf die Fußball-Herren als amtierende Weltmeister und die Damen als WM-Zweite“, sagt Sabine Grajewski. „Von den Handballern und Wasserballern erwarten wir auch eine Medaille. Und dann gibt es noch unsere Schützen und Tennisspieler.“ Bei den Deaflympics in Melbourne 2005 hatten die Deutschen insgesamt 38 Medaillen gewonnen.

Klaus Bardenhagen, Taiwan

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