Von einem tragischen Unglücksfall überschattet war gestern Abend in Schaffhausen das WM-Vorbereitungsspiel der deutschen Handball-Junioren gegen die Schweiz. In der ersten Halbzeit brach der ehemalige Spieler der HSG Konstanz, Sebastian Faißt, ohne Fremdeinwirkung auf dem Spielfeld zusammen und starb wenig später noch in der Sporthalle.
Deutschland hatte ein Tor erzielt, die Spieler von Trainer Martin Heuberger liefen zurück, um sich zur Abwehr zu formieren, als das Unfassbare seinen Lauf nahm. Der 20-Jährige Sebastian Faißt, der im Sommer vom Regionalligisten HSG Konstanz zum Bundesligisten Bayer Dormagen gewechselt war, stürzte ohne Fremdeinwirkung in der Nähe des Mittelkreises, schlug unkontrolliert auf den Boden auf und blieb regungslos liegen.
Die Schiedsrichter unterbrachen das Spiel, sofort kümmerten sich Betreuer um den Spieler. Offenbar musste ihm zuerst die Zunge aus dem Rachen gezogen werden. Dann wurde Faißt auf einer Trage in die Kabine abtransportiert, wo sich der deutsche Teamarzt Prof. Kurt Steuer, Schweizer Sanitäter und Notärzte um den bewusstlosen Handballer kümmerten.
Unter Schock berichtete später Charly Hühnergarth, Pressesprecher des Deutschen Handball-Bundes (DHB), vom erfolglosen Kampf der Mediziner um Faißts Leben. "Der Arzt versuchte eine Stunde lang, ihn zu reanimieren - aber ohne Erfolg." Der DHB-Homepage war zu später Stunde ein erstes Statement des Doktors zu entnehmen. "Ich vermute, dass ein Gefäß im Schädel geplatzt ist", wurde Kurt Steuer dort zitiert.
Die Partie wurde zunächst fortgesetzt, weil ja niemand ahnen konnte, dass der junge Sportler mit dem Tod ringt. Auch die zweite Halbzeit wurde noch angepfiffen, doch dann breitete sich in der Halle die Nachricht aus, dass Sebastian Faißt offenbar gestorben war. In der 34. Minute brachen die Schiedsrichter die Partie ab, es spielten sich dramatische Szenen ab. Viele der muskelbepackten jungen Hünen brachen wie ihr Trainer in Tränen aus. Martin Heuberger, der wie Sebastian Faißt aus der Ortenau stammt und den Spieler seit dessen Kindheitstagen kannte, konnte nur noch weinen und kein Wort sagen. Überall herrschte blankes Entsetzen.
Für heute Abend (19 Uhr) war das Rückspiel gegen die Eidgenossen in Steißlingen anberaumt, wo sich die deutsche Junioren-Nationalmannschaft seit einigen Tagen im Trainingslager befindet, um sich auf die Weltmeisterschaft in Ägypten vorzubereiten. Die Begegnung wurde aber aufgrund des tragischen Unfalles abgesagt. Sebastian Faißt wäre am kommenden Samstag 21 Jahre alt geworden.
Fassungslosigkeit
Natürlich machte die schlimme Nachricht gestern Abend noch die Runde in der Region. Daniel Eblen, als Trainer der HSG Konstanz bis zum vergangenen Sommer auch Coach von Sebastian Faißt, war fassungslos. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", sagte Eblen gegenüber dem SÜDKURIER, "es ist eine Katastrophe. Unser ganzes Mitgefühl gilt Sebastians Familie und natürlich dem Matze." Der Matze - das ist Sebastian Faißts älterer Bruder Matthias, der nach wie vor für die HSG Konstanz aktiv ist und in dieser Saison zu den absoluten Leistungsträgern gehört. "Die Beiden waren ein Herz und eine Seele", sagte Daniel Eblen, dann versagten ihm die Worte, so wie zuvor schon bei Telefonaten mit HSG-Spielern. "Was soll man auch sagen, es war ein gegenseitiges Anschweigen."
Otto Eblen, Präsident der HSG Konstanz, ereilte die schockierende Nachricht auf einem beruflichen Termin in Münster. "Unfassbar", sagte Eblen, "unfassbar. Der Sebastian war doch bei uns der Fitteste weit und breit - und dann so was."
Sebastian FaißtTragische Todesfälle im Sport
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