Stefan Ahlhaus wollte nur noch ganz allein sein. Die 77:82-Heimniederlage der HolidayCheck Baskets Konstanz gegen Oberelchingen war schon mehr als eine halbe Stunde alt, da saß der Abteilungsleiter des TVK auf der Tribüne und starrte ins Leere, während er sich sonst zu diesem Zeitpunkt im Foyer der Schänzlehalle rührig um Sponsoren und Fans kümmert. Nach einem solchen Auftritt konnte selbst der umtriebige Manager nicht zur Tagesordnung übergehen und das Gesehene und Geschehene einfach ausblenden.
Unten auf dem Parkett werden letzte Werbebanner aufgeräumt. Konsternierte Konstanzer Spieler machen sich auf den Heimweg. Und Ahlhaus fehlen die Worte. Immer wieder sucht er nach einer Erklärung. „Ich kapier' es nicht“, sagt er leise, fast flüsternd. „Schon seit Jahren steigern wir uns gegen die Großen und verlieren gegen die Underdogs.“ Lange Pause. „Wir stellen uns immer selber ein Bein gegen die Kleinen.“ Lange Pause. „Ich bin sehr enttäuscht.“ Kopfschütteln.
Enttäuscht und entsetzt war auch der junge Konstanzer Trainer Domagoj Buljan bei seiner Analyse. „Den Spielern gehören die Siege, mir die Niederlagen“, sagte er selbstkritisch. „Ich kann die Spieler nicht verantwortlich machen. Wenn es im ersten Viertel 2:20 steht, ist das eine eindeutige Kritik am Trainer. Da hätten wir besser reagieren müssen“, fuhr er fort. Natürlich war er nicht ganz unschuldig an der Niederlage, musste er sich doch fragen lassen, warum sein Team am Ende des letzten Viertels, als es das Spiel im Griff hatte, nicht einfach weiter gespielt, sondern die Taktik geändert und in der Offensive die Zeit herunterlaufen lassen hatte.
„Nach der Auszeit 2:40 Minuten vor Schluss ging gar nichts mehr. Wir hatten sie doch schon. Was dann passiert ist, muss ich mir noch mal genau anschauen“, sagte Buljan ratlos. Ein erstes Manko hatte der Trainer aber schon ausgemacht: „Am Ende bleibt doch wieder alles an Mike Lay hängen. Wenn wir ein System spielen wollen, in dem jeder seine Aufgabe hat, dann muss auch jeder Verantwortung übernehmen. Da darf sich keiner drücken.“ Auch wenn er die Spieler nach außen hin in Schutz nimmt, wird es intern wohl klare Worte geben. „Jetzt ist es vorbei mit dem nett sein. Manche Spieler brauchen diesen Tritt, jetzt werden die individuellen Fehler aufgedeckt“, versprach Buljan.
Domagoj Buljans Start als Cheftrainer hätte nicht besser sein können. Derbysieg in Schwenningen, den Tabellenführer Gießen geschlagen, in Kronberg nach Verspätung und quasi ohne Vorbereitung gewonnen – alles Teams, die deutlich stärker sind als Oberelchingen. Die Siegesserie hob die Konstanzer auf eine Welle des Erfolgs, von der sie nun plötzlich verschluckt wurden. Zwar erklärte der Trainer zunächst noch „wir wussten, wie stark sie sind“, doch insgeheim schien der eine oder andere Spieler den Tabellenzwölften schlicht unterschätzt zu haben. Das räumte auch Buljan ein. „Ich kann den Spielern nicht in den Kopf gucken. Wenn man erst nach zehn, fünfzehn Minuten merkt, dass der Gegner doch was kann, dann ist das zu spät“, sagte der Trainer, der vor dem Anpfiff vor Jürgen Maaßmann, Chris Williams und Benjamin Gulde gewarnt hatte. Ein Trio, das im Hinspiel mehr als zwei Drittel der Punkte erzielt hatte und deren 53 Zähler vom Samstag also keine wirkliche Überraschung gewesen sein dürften. „Wir haben uns nicht vernünftig auf den Gegner eingestellt“, sagte auch Stefan Ahlhaus.
Das muss sich ändern, wenn die Konstanzer zurückfinden wollen in die Erfolgsspur, um weiter an ihrem Ziel Aufstieg festhalten zu können. Oder ist das schon abgehakt? „Drin ist es immer noch, wir machen es uns halt selber schwer“, sagte Ahlhaus kopfschüttelnd. Nicht einmal in Durchhalteparolen retteten sich die Konstanzer nach dieser Niederlage, niemand sagte etwas Positives. Alle waren sprachlos, ratlos.
Ingo Feiertag
