Der FC Bad Dürrheim zählte wie schon in den letzten Jahren auch vor der Saison 2008/09 neben dem FC Singen 04 zu den heißesten Titelanwärtern in der Fußball-Landesliga. Wie hoch der Erfolgsdruck in der Kurstadt diesmal ist, zeigte sich auch in einem Trainerwechsel unmittelbar vor dem Saisonauftakt, nachdem das Team in der Vorbereitung alles andere als souverän wirkte. Doch Ruhe kehrte nicht ein, von den ersten drei Partien wurde nur eine gewonnen. Nach einer Phase der Stabilisierung droht die nächste Krise, die die Bad Dürrheimer weit von der Spitze und den eigenen hochgesteckten Zielen wegspült. Nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg, aber mit zehn Gegentreffern, droht aus Bad Dürrheimer Sicht der Tabellenführer FC Singen aus dem Blickfeld zu entschwinden.
Die Singener auf dem Weg zum Titel, weil die Konkurrenz fehlt? Ein Heimsieg der Gelb-Blauen am kommenden Wochenende über den einzigen ernst zu nehmenden Verfolger FC Neustadt könnte diese Vermutung nahe legen, doch haben die Singener in den letzten Jahren mehrfach gezeigt, wie leicht es ist, eine anscheinend sichere Meisterschaft zu verspielen.
Dem FC Radolfzell war es vorbehalten, den Titelanwärter FC Bad Dürrheim nach einem zwischenzeitlich 0:2-Rückstand zu entzaubern und ins Mittelfeld zu ziehen. Schon erstaunlich: Die Mettnauer haben beim Tabellenführer FC Singen 04 gewonnen und nun auch beim FC Bad Dürrheim. Eine Mannschaft, die bei den Titelanwärtern siegt, sollte doch eigentlich ganz vorne zu finden sein, muss doch selbst das Potential zum Spitzenteam haben. Doch der FC Radolfzell stellt nicht nur seit Jahren den Favoriten immer wieder ein Bein, in Heimspielen schafft er es mit erstaunlicher Konstanz, selbst zu stolpern.
„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten“, wusste schon Goethe. Pech für die Fußballfreunde in Radolfzell, dass die Mettnau-Kicker vorwiegend in der Fremde glänzen, auf eigenem Platz aber zumeist Magerkost servieren und massive Probleme bei der Chancenauswertung offenbaren. Ein Blick auf die bisherige Saisonstatistik beweist: Aus fünf Spielen auf fremden Plätzen holten die Radolfzeller trotz namhafter Gegner immerhin zehn Punkte, auf eigenem Platz hingegen reichte es in sechs Spielen nur zu acht Zählern. Die Gegner immerhin erfreut's: Das Kellerkind Bonndorf durfte die Heimreise aus Radolfzell mit einem, die DJK Villingen und der SV Großschönach gar mit drei Punkten antreten.
Vielleicht fährt FCR-Trainer Francisco Dominguez seine Schützlinge vor dem kommenden Heimspiel gegen die SG Tengen/Watterdingen erst einmal eine Stunde im Bus durch die Bodensee-Hegau-Region, ehe er sie dann im Mettnau-Stadion in der Gästekabine einquartiert, um „Auswärts-Atmosphäre“ zu schaffen, um so dem fußballerischen „Dr. Jekyll & Mr. Hyde-Syndrom“ Herr zu werden und in die Tabellenregion vorzustoßen, die dem Potential der Elf entsprechen könnte.
Jürgen Rössler
