Kein Krimi-Autor hätte das Drehbuch zum Rolf-Steger-Gedächtnisrennen auf der Singener Radrennbahn packender schreiben können. Der Mut der RIG Hegau, das Rennen durchzuführen, wurde mit drei außergewöhnlichen Steherläufen belohnt, die Vizeeuropameister Mario Vonhof für sich entschied, und einem Jugend-/Juniorenomnium, bei dem Stucki/Eicher trotz dreier Stürze siegten.
Bahnradsport: Schon zu Rennbeginn zeigte Mario Vonhof (Nürnberg) deutlich seine Siegambitionen bei den Stehern. An der Rolle des elffachen Schrittmacher-Weltmeisters Dieter Durst setzte er sich im ersten Lauf über 75 Runden nach einem Drittel der Distanz an die Spitze. Der Kölner Christoph Breuer, an der Rolle von Helmut Baur, musste zur Rennhälfte den Eigenheiten der Betonpiste Tribut zollen, er kam von der Rolle ab. Doch fünf Runden vor Ende hatte er sich wieder an Vonhof und den Schweizer Reto Frey heran gekämpft und gewann den Lauf vor Frey und Vonhof.
Mit diesem Sieg war Breuer Favorit und Gejagter zugleich. In der ersten Rennhälfte des zweiten Laufs über 100 Runden erwehrte er sich der Angriffe, doch in Runde 47 ereilte ihn der zweite Akt des Dramas. Wieder von der Rolle weg, musste er erneut seinen Rhythmus finden, doch diesmal sollte es nicht mehr für einen Spitzenplatz reichen. Fünf Runden vor Schluss setzte der Schweizer Peter Jörg hinter Schrittmacher Thomas Baur zum Endspurt an. Überrascht vom frühen Angriff konnte keiner nachsetzen. Jörg gewann vor Vonhof und Frey.
Der dritte Lauf über 125 Runden musste die Entscheidung bringen. Schon in den ersten Runden suchte Breuer die Vorentscheidung durch einen Rundengewinn, doch die anderen Fahrer passten auf. Bis zur Rennhälfte behauptete er sich an der Spitze, dann musste er Jörg und Frey vorbei ziehen lassen. 30 Runden vor Schluss setzte sich Breuer erneut an die Spitze. Gleich fünfmal versuchte Jörg ihm die Führung abzunehmen. Fünf Runden vor Schluss erfolgte der Angriff von Vonhof auf das Spitzenduo. Im Ziel hatte Vonhof einen hauchdünnen Vorsprung vor Jörg und Breuer. Damit gewann er auch die Gesamtwertung.
Im Jugend-/Juniorenomnium waren elf Teams mit den besten Nachwuchsfahrern aus Baden-Württemberg und der Schweiz am Start. Auch hier sollte ein außergewöhnliches 2er Mannschaftsrennen als letzte Disziplin die Entscheidung bringen. Das Ausscheidungsfahren gewannen die Schweizer Juniorenmeister im Mannschaftszeitfahren Dominik Stucki/Tino Eicher vom RV Zürich vor der punktgleichen Jugendmannschaft Benjamin Essert/Kersten Thiele (Oberhausen) und den Junioren Fritz Jolas/Roiko Kanzler (Frankfurt/Oder).
Im anschließenden 1000-Meter-Zeitfahren siegten die Schwaben Sebastian Latz/Tim Schlichenmaier mit fünf Hundertstel Sekunden Vorsprung vor Stucki/Eicher. Auf Platz drei fuhren die Jugendfahrer Nico Schoch/Brian Takacs (Öschelbronn/Geislingen). In der dritten Disziplin waren die Schweizer Stucki/Eicher die eifrigsten Punktesammler, vor Essert/Thiele und Schoch/Takacs.
Mit zwei Siegen und einem zweiten Platz war der Gesamtsieg den Schweizern Stucki/Eicher vor dem 2er Mannschaftsrennen eigentlich nicht mehr zu nehmen. Nach 25 von 100 Runden jedoch stürzte Tino Eicher. Doch glücklicherweise konnte er sogleich wieder ins Rennen einsteigen. Währenddessen versuchten die drei Verfolgerteams vergeblich, einen Rundengewinn herauszufahren. So mussten die Wertungsrunden die Entscheidung bringen. Nach drei von fünf Wertungen führten Essert/Thiele, doch zwölf Runden vor Schluss stürzten gleich beide Fahrer der favorisierten Mannschaft Eicher/Stucki. Dabei kam auch Essert zu Fall. Alle drei konnten weiter fahren, doch nach der vierten Wertung zehn Runden vor Schluss führten Essert/Thiele nur noch mit einem Punkt vor den drei punktgleichen Stucki/Eicher, Latz/Schlichenmaier und Takasc/Schoch.
Die Schlusswertung musste die Entscheidung bringen. Diese holten sich Stucki/Eicher und siegten damit im 2er Mannschaftsfahren. Latz/Schlichenmaier wurden Zweite und erkämpften sich damit auch den zweiten Platz in der Gesamtwertung vor Takacs/Schoch.