Was in der Saison 2010 erreicht wurde, dürfte nun schwer zu steigern sein: die Deutsche Meisterschaft des Damenteams und die Regionalligameisterschaft mit anschließendem Aufstieg in die 2. Bundesliga der Herren. Aber auch in der Breite kann sich der Radolfzeller Erfolg sehen lassen, wurde doch im Vorjahr die zweite Damenmannschaft Meister in der Badenliga und schloss die zweite Herrenmannschaft die aktuelle Oberligasaison als Vizemeister ab. Reichlich badische Meistertitel im Nachwuchsbereich ergänzen die Erfolgsbilanz der letzten Jahre.
Doch der Radolfzeller Erfolg trägt weniger die Handschrift eines Trainers, das ist im Individualsport Tennis mit der relativ kurzen Saison im Mannschaftsbereich auch kaum möglich, als viel mehr die des langjährigen Managers der leistungsorientierten TCR-Teams, Günter Grimmig.
Sein Weg, auf der einen Seite durch ein gutes Umfeld personelle Kontinuität zu schaffen, auf der anderen Seite durch punktuelle Verstärkungen das Niveau Jahr für Jahr zu verbessern, ist die Basis des Erfolgs. Dabei gelang es bei den Herren besser, ein homogenes Team zu formen, als bei den Damen. Doch ist es im absoluten Spitzenbereich – und hier sind die Radolfzeller Damen ja angekommen – eben auch schwieriger, die Termine der Profis mit dem Spielplan der Mannschaften unter einen Hut zu bekommen.
Und dennoch wurde beim erfolgreichen Damenteam 2010 in Ansätzen umgesetzt, was bei den Herren seit langem funktioniert. „Wir haben ganz gezielt Spielerinnen verpflichtet, denen Mannschaftstennis etwas bedeutet“, so Grimmig zum Kader 2010, Lehren aus der ersten Bundesligasaison 2009 ziehend. Ein Beispiel dafür ist sicherlich Tatjana Malek. Denn die Bad Saulgauerin steht nicht nur für einen Trend zu deutschen Spielerinnen mit Potenzial, sie identifizierte sich auch gleich nach ihrer Verpflichtung mit dem Verein und teilte auf ihrer Homepage mit, dass sie mit Radolfzell den Titel holen wolle.
Zweifelsfrei hat sich der „Teamspirit“ bei den Damen verbessert, doch in diesem Punkt setzen in Radolfzell wohl weiter die Herren die Akzente. Wie im Vorjahr war auch in dieser Saison der 12er-Kader fast vollständig präsent und zeigte sich sehr harmonisch. Alle Spieler erhielten ihre Einsätze. Keine Selbstverständlichkeit, wie das verletzungsanfällige Sechserteam aus Geroksruhe am letzten Regionalligaspieltag zeigte.
„Wir wollen die erfolgreichen Teams zusammenhalten und eventuell behutsam verstärken“, so Grimmig mit Blick auf die Saison 2011. So wird die Thailänderin Tamarine Tanasugarn, die in dieser Saison gar nicht zur Verfügung stand, 2011 nicht mehr im Kader stehen, dafür Zuzana Kucova, die bis 2008 drei Jahre auf der Mettnau spielte und sich zuletzt auf Rang 120 der Weltrangliste emporspielte, zurückkehren.
Schien vor Jahren ein Aufstieg des Damenteams in die 2. Bundesliga finanziell nicht machbar, so hat auch hier ein Lernprozess eingesetzt. „Ich hatte die 2. Bundesliga sportlich überschätzt und die Reisen, die ich als sehr aufwändig eingestuft hatte, machen wir nun mit einem gesponsorten Kleinbus“, so Grimmig zur Ausgangslage. Dennoch sollen auch weiterhin, nun mit zwei Bundesligateams, keine Mehrbelastungen auf den Verein zukommen, neue Sponsoren gewonnen werden. „Mit der Doppel-Bundesliga haben wir ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, hofft Grimmig.
